Veröffentlichungen

Ich war Old Shatterhand, und Winnetou war mein Blutsbruder

Manche erinnern sich sicher noch an die Zeit, als sie Winnetou und Old Shatterhand mit Taschenlampe unter der Bettdecke durch die Prärie begleitet haben. Bestimmt schmunzelt diese und jener auch noch über die Abenteuer des berühmten Kleeblatts, die einen – Sam Hawkens sei Dank – auch mal zum Schmunzeln veranlassten. Ich weiß noch, wie ich tränenblind aus dem dunklen Kinosaal ins Freie trat, nach dem ich den Tod Ntscho tschis in „Winnetou I“ oder den Tod Winnetous im Film „Winnetou III“ miterleben mussten. Lange ist’s her. Dass dieses Werk nach über hundert Jahren noch immer seinen Reiz behalten hat und in zahlreichen Buchausgaben nach wie vor verkauft wird, zeigt, dass es Karl May gelungen ist, eine zeitlose Story zu schaffen, die weit über viele andere Abenteuerromane hinausweist. Das liegt sicher nicht nur daran, dass er spannend zu erzählen wusste, sondern auch daran, dass er sich engagiert auf die Seite der damals wie heute Unterlegenen, der Indianer, geschlagen hat. (mehr …)

Nachtrag zum Wertheimer Friedhofsspaziergang

Im Juli 2016 schrieb ich in meinem Blogbeitrag zum Wertheimer Bergfriedhof und zu Mathilde Kunigunde Amalia Caroline Binder (Dichterinpseudonym: Amara George): »Nach dem Tode ihres Mannes verließ sie Wertheim und ist folglich auch nicht dort begraben.«

Das ist falsch, wie ich inzwischen weiß. Sie starb zwar 1907 in Würzburg, wurde aber neben ihrem Mann Alexander Kaufmann begraben. Der Grabstein trägt keinen Namen, lediglich ein Relief von Stanislaus Cauer, das dieser nach einem Jugendbildnis von Rudolf Jordan angefertigt hat, ist dort zu sehen.

 

 

Als kleine Entschuldigung für dieses »Übersehen« folgt hier ein Gedicht der Dichterin, mit einem Versprechen für ihren Mann, das über das irdische Dasein hinausweisen soll.

Ewig Dein!

Ja ewig, ewig bin ich Dein!

So lange lebt der Sonne Schein,

So lange Weltenheere kreisen,

Den Schöpfer seine Werke preisen,

So lange bin und bleib‘ ich Dein!

Nicht wahr, mein Herz, das will was heißen?

Doch ein Bedenken fällt mir ein:

Wird Ewigkeit genügend sein,

Dir meine Liebe zu beweisen?

Ihr Horst-Dieter Radke

 

Nutzbar ist nur die alleroberste Schicht

Potsdam, kurz vor Weihnachten. Beim unverfänglichen Bummel durch die Stadt fällt mein Blick auf einen Laden, bei dem das Schild: »Jedes Buch 3,- Euro« mich sofort gefangen nimmt. Kein gewöhnlicher Buchladen, sondern ein Antiquariat. Der Versuch, mich daran vorbeizuzwingen, misslingt und schon stehe ich »im« Laden. Weitere Schilder – weiße Schrift auf rotem Grund – manipulieren mich derart, dass ich es nicht schaffe, wieder zu gehen.

Das hätte ein Stoff für Luis Buñuel sein können, aber der ist nicht zugegen und ich bin den Regalen und Tischen mit den vielen Büchern hilflos ausgeliefert. Wahllos greife ich in einem Stapel das zuunterst liegende Buch, in der Hoffnung, so etwas Schreckliches zu finden, dass es mir die Flucht ermöglicht. (mehr …)

Reisen und Lesen in Indonesien – Teil 6 (Finale)

Nach drei Tagen auf der Insel trennen sich unsere Wege – Daniel und David fliegen zurück nach Jakarta, ich nach Bali. Es gibt einige Gründe, nach Bali zu reisen: Von Lombok aus ist es nur eine Stunde Flug entfernt und ich habe noch fünf Tage Indonesien vor mir. Von Bali schwärmten ja auch gerade Maya und Paulus und sowieso viele Leute. Und ich habe Vicky Baums „Liebe und Tod auf Bali“ im Gepäck – kann es also am Originalschauplatz lesen. Trotzdem bin ich ein bisschen skeptisch – wie immer, wenn zu viele Leute etwas mögen. (mehr …)

Reisen und Lesen in Indonesien – Teil 5

In Jakarta bleibe ich nur zwei Tage, dann lüftet Daniel das Geheimnis unseres Überraschungstrips. Lombok. Lombok, eine der Inseln, von denen Paulus schwärmte.

Genauer gesagt fahren wir auf eine kleine Insel südlich vor Lombok. Zwei Flugstunden von Jakarta und dann noch eine etwa eineinhalbstündige Fahrt mit Auto und Boot bringen uns auf eine der über 17.000 Inseln Indonesiens. (mehr …)

Reisen und Lesen in Indonesien – Teil 4

Ich absolviere einen weiteren Tourismusprogrammpunkt, besuche die hinduistischen und buddhistischen Tempel in Prambanan.

Nach einer Stunde in der Hitze sinke ich ermattet auf eine Bank, da stürzt ein indonesischer Familienvater auf mich zu – er hätte gern ein Foto mit mir und seinen Kindern und weil ich mich nicht wehre, drapiert er auch noch seine Ehefrau neben mich auf die Bank. (mehr …)

Reisen und Lesen in Indonesien – Teil 3

Nach Yogya reise ich mit dem Zug. Acht Stunden fahre ich an Reisfeldern und Regenwald vorbei – das Grün tut mir nach den Tagen in Jakarta gut.

Meine Reiselektüre ist Pramoedya Ananta Toer (kurz: Pram). An ihm kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit indonesischer Literatur beschäftigt – als mehrfach für den Nobelpreis Nominierter ist er wahrscheinlich der im Ausland berühmteste indonesische Schriftsteller. Seine Lebensgeschichte erzählt auch viel über die indonesische Geschichte des 20. Jahrhunderts. (mehr …)

Reisen und Lesen in Indonesien – Teil 2

In den nächsten Tagen sitze ich oft neben Supono im Auto. Am alten Hafen steige ich auf Schiffe, die den Hafen noch verlassen, was ich kaum glauben kann.

Die Männer, die dort arbeiten, freuen sich ganz offensichtlich über Besuch und lassen sich bereitwillig fotografieren. (mehr …)

Reisen und Lesen in Indonesien – Teil 1

In letzter Minute zögere ich – wie eigentlich immer vor größeren Reisen – und frage mich, ob ich die nächsten drei Wochen nicht lieber zu Hause bleiben will. Ich könnte mich in eine Decke auf dem Sofa kuscheln und nur mit Büchern reisen – auf meinem SUB liegen einige Bücher indonesischer Autoren. Dann erreicht mich noch eine E-Mail von Daniel: „Grau ist es in Jakarta heute auch.“ Soll ich wirklich um die halbe Welt fliegen, um immer noch grauen Himmel über mir zu haben? Aber der Koffer ist gepackt, ich bin für den Flug bereits eingecheckt und in Berlin sind nur 4 Grad, während es in Jakarta – wie eigentlich immer – 30 Grad sind. Außerdem erwarten Daniel und David mich. Also packe ich ein paar Bücher vom SUB in den Koffer und fliege. (mehr …)

Reisen und Lesen in Indonesien

Meine Ich-hasse-Winter-und-will-soweit-wie-möglich-weg-Reise fand diesen Winter schon früh statt – nämlich im November – und führte mich nach Indonesien. Freunde von mir waren vor mehr als zwei Jahren dorthin gezogen und hatten mich immer wieder eingeladen.

Nun also war es so weit. Wie meist vor Reisen in fremde Länder habe ich versucht, mich auf Indonesien auch mit Literatur vorzubereiten. Da Indonesien 2015 Gastland der Frankfurter Buchmesse war, sind auch aktuellere Titel inzwischen ins Deutsche übersetzt und ich hatte einiges zu lesen.

Mehr noch als sonst verknüpfen sich in diesem Fall Literatur und Reisen zu einem Bild über das Land, so dass ich diesmal nicht nur Lesetipps geben, sondern auch von Land und Leuten erzählen möchte. Herausgekommen ist „Reisen und Lesen in Indonesien“ eine sechsteilige Miniserie, die wir Ihnen in dieser Woche vorstellen – jeden Tag einen Teil.

Viel Freude beim Entdecken eines fernen Landes wünscht Ihnen
Dorrit Bartel