Graves und die Tränen des Pharao (Kapitel 4)

 

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Jo-Annas Wohnung befand sich im zweiten Stock. Graves schlich die Treppe hoch, sah sich mehrfach um, doch niemand folgte ihm. Wer auch, schließlich war er der Verfolgende. Vor Jo-Annas Wohnungstür blieb er stehen und lauschte. Das Wasser rauschte in den Abflussrohren, die im Flurschacht lagen. Oben hatte jemand sein Grammophon aufgezogen, „Yes, we have no bananas“ dudelte schräg vor sich hin, die Schellackplatte war wohl verzogen. Auch wenn er sein Ohr an die Tür drückte, konnte er nichts hören.

War Johnny bei Jo-Anna? (mehr …)

Graves und die Tränen des Pharao (Kapitel 3)

Cover 1

 

„Oh Graves! Es ist so furchtbar.“

„Ich weiß, Süße. Aber jetzt bin ich ja da.“

Er streichelte sanft ihren Hinterkopf, sorgfältig darauf achtend, nicht mit dem bereits trocknenden Blut in Kontakt zu kommen. Die letzte, die er hier erwartet hatte, war Jo-Anna. Sicher, sie kannte die Warringtons, war sogar für einige Zeit mit diesem Schmierlappen Jacob verlobt gewesen, einem Freund Johnny Warringtons. Hatte der miese Süchtling etwas mit der Sache zu tun? Steckten die beiden – oder besser gesagt, die drei – am Ende unter einer Decke? Die Sache gefiel Graves immer weniger. (mehr …)

Graves und die Tränen des Pharao (Kapitel 2)

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2.

Es gibt zwei Kategorien von Toten. Die, um die es schade ist und die anderen.

Graves starrte den erschossenen Lord an, mit der Brust über seinen Schreibtisch gesackt. Unmöglich, jetzt noch zu sagen welcher Kategorie er angehört hatte, unmöglich,  in diesem Matsch überhaupt noch menschliche Züge erkennen zu wollen. Aus nächster Nähe durch den Kopf geschossen. „Warst vorher vermutlich auch nicht schöner“ befand Graves, während er seinen – Lady Warringtons Vorschuss sei Dank – wohlgefüllten Flachmann an die Lippen setzte. „Auf dich, alter Junge. Ne trauerende Witwe hinterlässt du ja nicht, aber wer weiß schon, ob das dein Fehler war. Bei den Weibern heutzutage. Unzuverlässige Bande, eine wie die andere.“ (mehr …)

Graves und die Tränen des Pharao (Kapitel 1)

1.

Mr. Graves ging mit schweren Schritten in seinem Büro auf und ab. Im Sitzen konnte er jetzt nicht nachdenken, nicht nur weil der dazu nötige Scotch fehlte, sondern auch, weil die zugehörige Scotchbeschafferin abhanden gekommen war. Genauer gesagt, Jo-Anna – die mit vollem Namen Johanna Anna Thelma Meridith Duncker hieß – hatte mal wieder gekündigt. Wie lange diesmal?, dachte Mr. Graves und zog die Stirn in Falten. Eine Kündigung war ja immer die Folge zu lang ausbleibender Gehaltszahlungen, was allerdings keine Seltenheit war. Trotzdem hielt sie es immer eine Weile mit ihm aus. Nur diesmal nicht. Graves verstand das nicht. Er war doch erst drei Gehälter im Rückstand. Plötzlich hatte er wieder Jo-Annas entschlossenen Blick vor seinem inneren Auge. Er schüttelte den Kopf. „Es ging ihr nicht ums Gehalt“, sagte er laut. „Da ist noch was. Aber was?“ (mehr …)