Truth is stranger… Die gute alte Zeit

Kürzlich bekamen wir eine Einladung zu einer Praxiseröffnung. Das ist, für sich genommen, keine Geschichte wert, doch erinnerte mich das wunderbar seriöse Hochglanzbild des Praxisgründers an ‚die gute alte Zeit‘.

Der junge Mann, der im Weiteren Peter genannt werden soll, besaß während des Studiums nämlich vor allem einen großen Ehrgeiz: Nicht eine Party zu verpassen. (mehr …)

Der entmannte Prometheus

Meine  Eltern haben vor kurzem aktuell geerbt – alles Mögliche, unter anderem die Kosten für das Gnadenbrot eines uralten, aber sehr gefräßigen Pferdes, 276 Wollknäule in den Modefarben der 80er Jahre und eine kleine Bronzestatue. Die Statue ist ungefähr zwei Handteller groß und zeigt, wie der Auktionator meinen Eltern mitteilte, Prometheus. Zur großen Freude meiner Eltern sollte Prometheus tatsächlich etwas wert sein – vielleicht sogar genug, um die Kosten für das verfressene und ständig kränkelnde Pferd zu decken. (mehr …)

Scherben bringen Glück

Kennen Sie diese blöden Slapstick-Videos? Wo jemand auf der Bananenschale ausrutscht? Für denjenigen ist das schmerzhaft, für die Zuschauer lustig – dieses Rudern mit den Armen und dann fällt er. Das gibt es auch nur in den Stummfilmen der zwanziger Jahre mit Charlie Chaplin und so. Hab ich zumindest gedacht, bis ich mit meiner Freundin bei Ikea war. Das kommt wahrlich öfter vor, weil wir immer mal wieder den Kerzenmarkt in Bewegung bringen müssen. (mehr …)

Das letzte Grauen jeden Autors

Letzte Woche Sonntag war ich kurz davor, alles hinzuschmeißen. Ich war wild entschlossen meinem Agenten zu schreiben, er möge meinem Verleger schreiben, ich schriebe nie wieder ein Wort, was auch gar nicht ginge, weil ich mich nämlich aufhängen würde!

Mein Gatte riet mir dann vom Erhängen ab, er meinte unsere Decke sei nicht stabil genug für solche Späße. Erschießen konnte ich mich mangels Pistole nicht und auch eine Badewanne zwecks fachmännischer Öffnung meiner Pulsadern besitzen wir keine. Als ich meine Eltern fragte, ob ich ihre vielleicht dafür ausleihen dürfte, bekam ich eine ablehnende Antwort und die spitze Bemerkung meines Vaters, es sei wieder typisch, dass ich mir für mein Dahinscheiden eine derart schmutzige Methode ausgesucht hätte. Desweiteren gab es noch den guten Rat, vor meinem Suizid doch bitte daran zu denken, dass ich auf seinen Namen Bücher bei der Bibliothek entliehen hätten und diese erst einmal zurückgegeben werden sollten. Die Bibliothek hat aber sonntags und im Übrigen auch montags geschlossen, so dass ich meine Selbstmordpläne vorläufig ad acta legte und es dabei beließ, eine ordentliche Runde zu heulen.

Der Grund für meine Seelenpein? Eine Absage vom Lieblingsverlag? Ein gemeiner, begriffsstutziger Lektor?  Ach, was tausendmal schlimmer! (mehr …)

Truth ist stranger than fiction – Wie ich einen Untermieter suchte und ein Schreibcamp gewann

Kürzlich war ich auf der Suche nach einem Untermieter für drei Monate. Denn wenn Sie diese Zeilen lesen, werde ich auf dem Weg in den Süden sein, um dem deutschen Winter für einige Wochen zu entschwinden. Dafür brauche ich erstens das Geld und zweitens jemanden, der meinen Pflanzen regelmäßig einen Schluck Wasser gibt. Und da meine Wohnung mit drei Zimmern groß genug ist, dachte ich, es wäre sicher praktisch, wenn die Person schon etwas früher einzieht, damit ich weiß, mit wem meine Pflanzen es zu tun kriegen. (mehr …)

Warum Peter Hase den Brüdern Karamasow vorzuziehen ist – Truth is stranger

Vor ein paar Wochen saß ich lesender Weise bei meinen Eltern auf der Couch, als plötzlich ein kleiner Pirat vorbeikam. Er war ganz offensichtlich auf dem Weg in ein Seegefecht, denn unter dem Arm trug er „die wilde Uschi“, sein Schiff – übrigens eine Fregatte, wie ich schon wiederholt belehrt worden bin. Außerdem war er bereits in Kampfuniform, einem gewitterblauschwarzem Frotteemantel, gerade würdig eines solchen Schreckens der sieben Meere. (mehr …)

Truth is stranger …

Ente süß-sauer

Autoren und Tiere, das Thema hatten wir schon, glaube ich*. Oder?

Ich habe auf jeden Fall einen Hund. Und eine Katze. Und Laufenten.

Seit Kurzem wieder, also seit diesem Frühjahr. Vorher – also irgendwie seit Jahrzehnten – hatten wir Laufenten. Immer ein Pärchen, und sie hießen immer Donald und Daisy. Süß. Und so praktisch. Hatten wir Laufis, hatten wir keine Schnecken.

Mein Zukünftiger hatte mich mit drei Kindern und zwei Katzen und zwei Laufenten genommen. Aus zwei Katzen wurde irgendwann eine. Aus drei Kindern wurden vier. Die zwei Laufenten blieben. Ich wollte dann noch einen Hund. Er wollte daraufhin ausziehen. Das wollte ich wiederum nicht.Er wollte die Ente nicht mehr, weil, zugegeben, die Ente war laut. Sie hat nicht gequakt, sie hat getrötet. Und es hat gehallt zwischen den Häusern. Wissen Sie, wir wohnen im Innenstadtrandbereich (das ist ein geiles Wort, fast so gut wie ‚Fahrpreisnacherhebung‘). Also der Innenstadtrandbereich hat Häuserblöcke (nicht so wie in Berlin, eher so wie in Bielefeld): Ein- und Zweifamilienhäuser rundherum und in der Mitte Gärten. Und hier ist es irgendwie so, dass die Gärten tiefer liegen als die Straße und die Häuser. Wer sich mit Schall auskennt, weiß, was das bedeutet. (mehr …)

Truth is stranger than fiction

Eine Geistergeschichte – oder was in der Art

Sie wissen ja, ich fahre gern und viel mit den Öffentlichen und bis heute hielt ich mich auch für einen ziemlich abgebrühten S-Bahnfahrer: Ich habe erlebt, wie ein Franzose via Handy erst der einen ewige Amour und Fidélité schwor, nur um dann direkt im Anschluss eine andere Chérie zu nennen, neben mir haben Wasenbesucher ihren Magen- und Obdachlose ihren Darminhalt verloren,  einmal habe ich der Nordmanntanne eines Mitfahrers meinen Sitzplatz überlassen, weil er sie mit Namen ansprach und mir erklärte, sie habe müde Beine, ein andermal … ach, egal, was ich sagen möchte: Ich dachte, mich überrascht nichts mehr. (mehr …)

Truth is stranger … Blaue Hunde

Am liebsten schreibe ich Liebesromane. Keine Schmonzetten, auf diesen Unterschied lege ich größten Wert. Und damit wären wir schon beim Thema. Was wird gemeinhin als Schmonzette bezeichnet? Laut Wiktionary bedeutet es Folgendes: umgangssprachlich abwertend: wenig geistreiches (kitschiges) Werk; albernes minderwertiges Erzeugnis.Wenig geistreich, kitschig und vor allem, was hier nicht erwähnt wird UNGLAUBWÜRDIG. Die Protagonisten erleben an den Haaren herbeigezogene Dramen, verstricken sich in offensichtlichen Lügen und entwirren nicht die einfachsten Missverständnisse. Das Schlimmste jedoch, was viele ihrer Nichtleser aufschreien lässt, sind hanebüchene Zufälle, die die Story vorantreiben sollen.

Was das mit blauen Hunden zu tun hat, wollen Sie wissen? Dazu komme ich jetzt, denn die Geschichte, die ich Ihnen erzählen möchte, handelt von dermaßen vielen Zufällen, dass sie problemlos in eine Schmonzette gepasst hätte. Aber sie hat sich tatsächlich ereignet. (mehr …)