Nachtrag zum Wertheimer Friedhofsspaziergang

Im Juli 2016 schrieb ich in meinem Blogbeitrag zum Wertheimer Bergfriedhof und zu Mathilde Kunigunde Amalia Caroline Binder (Dichterinpseudonym: Amara George): »Nach dem Tode ihres Mannes verließ sie Wertheim und ist folglich auch nicht dort begraben.«

Das ist falsch, wie ich inzwischen weiß. Sie starb zwar 1907 in Würzburg, wurde aber neben ihrem Mann Alexander Kaufmann begraben. Der Grabstein trägt keinen Namen, lediglich ein Relief von Stanislaus Cauer, das dieser nach einem Jugendbildnis von Rudolf Jordan angefertigt hat, ist dort zu sehen.

 

 

Als kleine Entschuldigung für dieses »Übersehen« folgt hier ein Gedicht der Dichterin, mit einem Versprechen für ihren Mann, das über das irdische Dasein hinausweisen soll.

Ewig Dein!

Ja ewig, ewig bin ich Dein!

So lange lebt der Sonne Schein,

So lange Weltenheere kreisen,

Den Schöpfer seine Werke preisen,

So lange bin und bleib‘ ich Dein!

Nicht wahr, mein Herz, das will was heißen?

Doch ein Bedenken fällt mir ein:

Wird Ewigkeit genügend sein,

Dir meine Liebe zu beweisen?

Ihr Horst-Dieter Radke

 

Im Schlendergang zu Lessings Grab

Ein Gastbeitrag von Jürgen Block

Sind Sie auch ein Fan von Wilhelm Raabe? Meine Frau Evi jedenfalls nicht. Obwohl, sie ging auf die Wilhelm-Raabe-Schule, die einzige höhere Schule unserer Stadt, die nicht zerbombt wurde, und machte dort ihr Abitur. Aber der Raabe-Samen fiel bei ihr auf keinen fruchtbaren Boden. Vielleicht lag das an den Lehrern, die damals noch aus dem Krieg kamen und immer wieder ihre Heldengeschichten zum Besten gaben, wie sie zum Beispiel als Hitlerjungen nur mit einer Handgranate bewaffnet auf einen amerikanischen Tank sprangen, die Luke öffneten und die Granate hineinwarfen. Gott. Kein Fan von Wilhelm Raabe zu sein, ist aber auch nicht schlimm, finde ich. Rudi, der Lebensgefährte von Kusine Henriette und ehemaliger BKA-Mann, ist zum Beispiel seit sechzig Jahren HSV-Fan nur wegen Uwe Seeler. Das lassen wir ja auch gelten, ohne es bis ins Letzte zu hinterfragen. (mehr …)

Der englische »Sir« an der Tauber

Die Wetter-App zeigte eine Regenneigung von 40 % an. Es war schwül draußen, der Himmel wolkenverhangen mit Lücken, die Blau durchließen. Für diesen aprilhaften Mai das passende Wetter. Weiter drinnen zu hocken hatte ich keine Lust, also schnappte ich mir die Kamera und fuhr nach Gamburg. Es gäbe dort das Grab eines Engländers, hatte man mir erzählt. Weil ich nicht mit Regen rechnete, stellte ich das Auto kurz hinter der Brücke an der Tauber ab. Ich schaute nach, ob sich der Wassergeist Hokemo unter der Brücke sehen ließ, aber es war wohl heute kein Wetter für ihn. Nur eine Gans kam auf mich zu geschwommen und meckerte mich an. Gut, wenn ich hier nicht erwünscht war, konnte ich auch gleich wieder gehen. (mehr …)

Von tanzenden Visionen und Säulenheiligen – Ein Berliner Friedhofsspaziergang

Ich hatte noch etwas Zeit. Das Treffen mit unserem Sohn und seiner Freundin zog sich etwas hinaus, also bummelte ich die Friedrichsstraße hinauf, kam am Haus der ullsteinbuchverlage vorbei (das ist der Verlag mit der Eule, die kein Auge zukneift!), bog in die Chausseestraße ab und stand plötzlich vor dem Friedhof der Französisch-Reformierten Gemeinde Berlins.

ULLSTEIN

Interessiert schaute ich durch das Tor und sah im schattigen Halbdunkel einige bemerkenswerte Grabmale. Da ein schattiger Platz an diesem heißen Tag nicht zu verachten war und in der Hoffnung, ein interessantes Grab zu entdecken, trat ich ein. (mehr …)

Hinüber zur Burg sehen, doch nicht mehr gehen!

Ein Besuch auf dem Bergfriedhof in Wertheim ist genau das Richtige für einen Tag, der etwas wolkenverhangen, aber doch noch warm genug ist, um ein wenig herumzuspazieren. Manch einer schüttelt ja den Kopf, wenn ich erzähle, dass ich gerne über Friedhöfe gehe, aber ich weiß inzwischen, dass ich damit nicht alleine bin. Peter Rosegger sagte dazu:

»Niemand geht unbelohnt über Friedhofserde; diese Schollen kühlen die Leidenschaften und erwärmen die Herzen, und nicht allein des Todes Frieden steht auf den Blumenhügeln geschrieben, sondern auch des Lebens Wert.«

(aus den »Schriften des Waldschulmeisters«)

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Winterspaziergang im Wald

Vom Hauptbahnhof ging es mit der U5 bis Laim und von dort mit dem Bus  weiter bis zum Waldfriedhof. Die Haltestelle liegt genau vor dem Eingang am äußersten Ende des »alten Teils« dieses Begräbnisplatzes. Bevor ich hineinging, sah ich mich noch einmal um. Die Fürstenrieder Straße ist breit und befahren, von Geschäften und Wohnhäusern gesäumt – belebt ist der richtige Ausdruck, zumindest um diese Uhrzeit, während der ich angekommen war: Früher Nachmittag. Ich hatte noch die Reisetasche bei mir, weil ich erst nach dem Ausflug hierher zu unserer Tochter nach München-Pasing wollte. Sie war der eigentlich Anlass für diese Reise nach München. Und es war kalt! *****kalt! Die Mütze tief über die Ohren gezogen, an den Händen Handschuhe. Fotografieren muss auch so gehen.

 

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Was hatte Reinmar in Eßfeld zu suchen?

Dass in Würzburg das vermeintliche Grab von Walther von der Vogelweide, jenem Minnesänger und Dichter des Mittelalters, von dem wohl jeder schon gehört hat, zu finden ist, dürfte den meisten bekannt sein. Im Neumünster-Kreuzgang, im Lusamgärtlein ist sein Grabmal auch heute noch zu sehen. Genaugenommen ist es eher die Erinnerung an das Grab, das auf dem ehemaligen Friedhof nördlich der Neumünsterkirche, vermutlich an gleicher Stelle war. Dorthin soll uns heute unser »literarischer Friedhofsspaziergang« nicht führen. Auch nicht zu dem Brunnen, der vor der prächtigen Würzburger Residenz ein in Stein gehauenes Denkmal des Dichters zeigt. (mehr …)