Die Quadratur des Kreises

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Das TAW war kulinarisch für mich ein bisschen wie die Quadratur des Kreises. Dabei koche ich wirklich gerne und probiere auch immer neue Sachen aus. Überhaupt koche ich begeistert für Gäste.

Letztes Wochenende hatte ich Gäste – wir haben nämlich ein TAW – ein Textarbeitswochenende – bei mir veranstaltet. Sechs weitere Autoren kamen von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag zu mir und gemeinsam haben wir an einem ihrer Texte gefeilt.

Zuvor hatte jeder einen Textauszug aus seinem aktuellen Projekt an die anderen geschickt und auch die Fragen, die er dazu hat. Es gab auch noch zwei kleine Aufgaben, die ich gestellt habe und die auch in die Runde gingen.

Zudem hatte ich einen kleinen Fragebogen versendet, um herauszufinden, ob es schwere Abneigungen gegen bestimmte Speisen oder gar Allergien gäbe. Als die Antworten eintrudelten, wurde mir ein wenig schwindelig.

Einer isst Low Carb (keine Kartoffeln, keine Nudeln, kein Reis, keine Mehlspeisen), eine isst nie Milch- oder Käseprodukte, mag auch keine Tomaten oder Auberginen, zwei mochten keinen Kürbis, eine Vegetarierin war dabei, einer hat einen empfindlichen Magen …usw. Nur einer isst wirklich alles (bis auf alte Socken) – mein lieber Kollege Christoph.

Es hat mich ein wenig Schweiß und graue Zellen gekostet, bis ich das Essen einigermaßen zusammen hatte.

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Fresse! oder: Mein erstes TAW

„Christoph, du bist ja so blöd! Jetzt pass mal gut auf.“

Ständig sagt mir einer, dass ich die Fresse halten soll. Das nervt langsam. Ich nehm mal noch eine Cabanossi, stehen sowieso viel zu viele auf dem Tisch. Mit dem Zahnstocher spieße ich eine der Minisalamis auf, stecke sie in den Mund und fixiere die Tischplatte. W. hat seine Aufmerksamkeit wieder meinem Text zugewandt, aber das macht es auch nicht besser.

„Diese Figur da, dieser … wie heißt der gleich wieder? Ach ja – sehr originell übrigens – Robert Koch! Ganz ehrlich, dein Robert ist ein einziges Klischee. So geht das einfach nicht.“

Zustimmendes Gemurmel von links und rechts. Ich spieße eine weitere Cabanossi auf und tue so, als ob ich nachdenken muss. Scheiße. Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. (mehr …)

Putlitzer, der dritte – ein Gastbeitrag von Mortimer Müller

Hurra, war das ein Spaß! Nach meinem norddeutschen Kurztrip kann ich ganz klar sagen: Putlitz hat sich gelohnt! Begonnen hat alles mit einem Anruf im April. Karen von den 42er Autoren hat mir schonungslos beigebracht, dass ich zu den drei topgesetzten Gewinnern des Putlitzer Preises 2016 gehöre. Sie hat mich auch gleich zur Preisverleihung am 11. Juni in Putlitz eingeladen. Da konnte ich natürlich nicht Nein sagen. (mehr …)

MV in FL

Mitgliederversammlung. Ein gutes Dutzend Leute oder auch etwas mehr sitzen um einen schlecht abgewischten Konferenztisch und schieben zwischen eingetrockneten Kaffeflecken Protokolle und Anwesenheitslisten hin und her. Es riecht nach Schweiß und kaltem Rauch. Die Arbeit muss getan werden, also tut man sie und wenn sie dann endlich getan ist, sind alle froh, nach Hause fahren zu dürfen. Tja, genau so läuft das in neunzig Prozent der Fälle vermutlich tatsächlich ab, und es ist genauso grausam, wie es sich anhört. Zum Abgewöhnen. Bei den 42erAutoren läuft das anders ab. Nämlich so: (mehr …)

Der Tag, an dem Paulinchen es mit Suizid versuchte

Uns ist einmal ein Vogel zugeflogen, eine orangene Kanarie um genau zu sein, Paulinchen mit Namen. Paulinchen war absolut zahm und von sehr süßem Naturell. Wenn ich schrieb, saß sie gern neben der Tastatur und trällerte traurige Melodien. Ich habe Paulinchen sehr geliebt, obwohl oder gerade weil sie ein wenig neurotisch war. Telefonklingeln beispielsweise erschreckte sie maßlos.

Und noch eine Schwäche besaß unsere kleine Mitbewohnerin. Paulinchen war sehr eitel und begutachtete sich gern hingebungsvoll im Spiegel. Der Spiegel hing über der Kommode, zwischen Kommode und Wand war ein Spalt. Sie ahnen, was kommt? (mehr …)

Der letzte macht das Licht aus – Messetag 4

Der letzte macht das Licht aus. Das war in diesem Fall ich.

Morgens um neun packten Amos und Horst-Dieter die Kaffeemaschine und sonstige Utensilien vom Stand ins Auto und verließen die Messe in Richtung Heimat. Ich blieb ganz allein – ohne Kollegen und ohne Kaffeemaschine.

Und irgendwie auch ohne Besucher – zwei, drei Mal blieben am Vormittag Besucher stehen, flüchteten aber schnell, wenn ich mit einem Lächeln von meinem Stuhl aufstand und einen Schritt auf sie zumachte. Ich glaube, ich muss das mit dem Lächeln noch üben. (mehr …)