Kleine Schreibschule: Philippe Djian

1. Kein Mensch braucht Romane mit mehr als 2 Hauptfiguren.

2. Hauptfiguren sind faul oder verzweifelt. Am besten beides.

3. Nur Schriftsteller geben richtig gute Hauptfiguren ab, denn …

4. … sie werden per definitionem mies bezahlt und sind psychisch am Ende.

5. Du hast zuwenig Sex oder trinkst zuviel? Glückwunsch, du bist Schriftsteller.

6. Du hast ständig Sex und bist ein echt harter Kerl? Schreib den verdammten Roman.

7. Schreib so, als wäre alles autobiographisch. Gib auf Nachfragen nebulöse Antworten.

8. Deine Pubertät dauert bereits 20 Jahre? Kauf meine Bücher, du wirst sie lieben.

 

Für Sie zusammengestellt von Christoph Junghölter

Textarbeit am PC – Ein Kurs in mehreren Folgen für Autorinnen (auch für Autoren geeignet, gerade für die, die meinen, sie wüssten schon alles)

5. Workshop: Die Normseite

 

In Folge 3 und 4 dieses Kurses wurden die Formatvorlagen behandelt. Wie man diese Formatvorlagen sinnvoll in einer Dokumentvorlage einsetzen kann, zeigt dieser vorläufig letzte Kurs am Beispiel der geheimnisumwitterten »Normseite«. Ein Gastbeitrag von Christian Fleischhauer

Über Normseiten

Auch heute noch ist in Deutschland in der Belletristik die Normseite aus der guten alten Zeit der Dampfschreibmaschine das Maß der Dinge. In dieser längst vergangenen Zeit, als Schreibmaschinen nur eine einzige Schriftart beherrschten und jeder Buchstabe, ob »i« oder »m«, die gleiche Breite hatte, enthielt eine Manuskriptseite 30 Zeilen, von denen jede maximal 60 Anschläge lang war. Dazu wurden mit Schiebern der linke und der rechte Rand so eingestellt, dass in der Mitte ein Schreibbereich von genau 60 Zeichen oder sechs Zoll entstand. (mehr …)

Kleine Schreibschule Irmgard Keun

Kleine Schreibschule Irmgard Keun 

1)      Frauen lesen gerne Frauenthemen [siehe Hemingway].

2)      Leser (egal welchen Geschlechts) lachen gern, aber …

3)      … als Autor bist du dann erst richtig gut, wenn der Leser im Lachen innehält, weil es eigentlich verdammt traurig ist.

4)      Wenn dich die Rechten, die Linken und die Konservativen hassen, bist du deiner Zeit voraus.

5)      Leser mögen starke Frauen, die manchmal schwach sind. Leser mögen auch schwache Frauen, die manchmal stark sind.

6)      Schaffe Frauenfiguren, die eigentlich schwach sind, durch die Umstände zu Stärke gezwungen werden und schließlich an der eigenen Schwäche scheitern und dadurch Größe erlangen. Die Leser werden dich lieben!

7)      Beiläufig eingestreute Beautytipps schaden dem Textfluss nicht, vor allem, wenn du selbst als große Schönheit bekannt bist.

8)      Grundsätzlich gilt: Vom Schreiben lässt sich schwerlich leben und schöne Frauen brauchen Pelze, Seidenstrümpfe und Dauerwellen. Drum suche dir einen reichen Verlobten in Übersee.

9)      Verlieb dich gleichzeitig ebenso unsterblich wie unglücklich in einen anderen und schenke deinen Leser das Bild dieses anderen, denn jede Frau wünscht sich einen Mann mit einer „Stimme, wie eine Glocke aus blauem Glas“.

 

Für Sie exzerpiert aus „Gilgi – eine von uns“ und „Das kunstseidene Mädchen“ von Joan Weng

Exklusiv: Was im Hotel (tatsächlich) geschah!

Kleine Schreibschule Vicki Baum

1) Der Leser braucht eine Identifikationsfigur!

2) Mach gleich auf Seite 1 klar, dass diese Identifikationsfigur eine starke Frau ist.

3) Auch starke Frauen wollen am Ende nur eines: an die Brust noch stärkerer Männer sinken.

4) Warum sollte eine Nacht nur dunkel sein, wenn sie ‚pechschwarz‘, ‚ganz aus schwarzem Glas‘ und voll ‚schwarzem Regen‘ sein kann?

5) Leser lieben gut recherchierte Bücher.

6) Wenn du neben deinem Job als Redakteurin, Mutter und Werbeikone keine Zeit dafür findest, sag einfach, du hättest genau recherchiert. Prüft eh keiner nach.

7) Schreib Kitsch, das lieben die Leser!

8) Wehr dich heftig, wenn jemand behauptet, das sei Kitsch – weil du hast das nämlich alles ironisch gemeint und nur die Kritiker sind zu blöd, es zu durchschauen.

9) Eine über Jahre geplante und finanzstarke Werbekampagne des Verlages hat noch keinem geschadet!

 

Für Sie exzerpiert von Joan Weng aus „Stud. Chem. Helene Willfuer“  und „Menschen im Hotel“ von Vicki Baum.   

 

Exklusiv: Die Verkaufszahlenbrecherformel enthüllt

Fitzeks kleine Schreibschule

1. Je einfacher die Sprache, desto größer die Zielgruppe.
2. Was heißt hier unglaubwürdig? Das ist Kunst!
3. US-Teenie-Horrorfilme sind geil.
4. Du brauchst Themen? Geh ins Kino.
5. Du brauchst Setting? Geh ins Kino.
6. Überhaupt: Geh ins Kino.
7. Klischees funktionieren.
8. Stelle immer ein Zitat voran, dessen Autor alle kennen. Denn:
9. Große Namen färben ab.
10. Beschreibe Sachen, die es nicht gibt. So kann dich keiner widerlegen.
11. Keinen Bock auf Recherche? Siehe Punkt 6.

Für Sie exzerpiert aus Sebastian Fitzek „Der Seelenbrecher“ von Christoph Junghölter

P.s.: Eine Rezension von Fitzeks „Die Therapie“ finden Sie hier.

Exklusiv: Die Marseille-Formel enthüllt

Kleine Schreibschule Jean-Claude Izzo

1. Ein Protagonist muss viele Leute kennen.
2. Dann fällt es nicht auf, wenn öfter mal einer von ihnen stirbt.
3. Er muss auch viele Frauen kennen.
4. Es macht nichts, wenn der Leser nicht weiß, welche Frau er eigentlich liebt, denn wieso soll es dem Leser
besser gehen als dem Protagonisten.
5. Und wen interessiert das überhaupt, wenn Alain Delon bei der Verfilmung die Hauptrolle spielt.
6. Ein Ort wie Marseille ist ein guter Schauplatz für Kriminalromane: Dreckig, laut und voll von Mafiosi und
Arabern.
7. Erwähne hin und wieder Angeltouren auf dem Mittelmeer, gutes Essen und wohlschmeckende Weine, damit es nicht zu
trostlos wird.
8. Häng’ eine Diskografie an, vielleicht mögen die Leser wenigstens die Musik Deines Protagonisten.

Für Sie exzerpiert aus Jean-Claude Izzo „Die Marseille-Trilogie“ von Dorrit Bartel

Exklusiv: Die Nostalgieformel enthüllt!

Joseph Roths kleine Schreibschule

1) Depression im Alltag ist langweilig, gedruckte Depression ist Kunst.

2) Jeder Satz gewinnt durch das Einstreuen gewagter Adjektive.

3) Reichen dir die Adjektive nicht, dann erfinde neue!

4) Lass dich pro Seite bezahlen, dann fallen einem gleich noch viel mehr hübsche Adjektive ein.

5) Vergleiche dürfen abwegig sein.

6) Keinen interessiert die Story, wenn sie nur schön erzählt ist!

Zur weiteren Lektüre besonders empfohlen: „Radetzkymarsch“

Für Sie exzerpiert von Joan Weng 

Exklusiv: Die Kunst- und gleichzeitig hohe Verkaufszahlenformel enthüllt

 Lion Feuchtwangers kleine Schreibschule

1)    Historische Romane verkaufen sich immer!

2)    Historische Romane sind nicht literarisch, darum bestehe darauf, dass du keine ‚historischen Romane‘ sondern kunstvoll verpackte politische Fabeln schreibst und das Gros der Leserschaft einfach zu blöd ist, das zu durchschauen.

3)    Warum ein Adjektiv, wenn man fünf nehmen kann?

4)    Historische Faktentreu wird überbewertet, dir geht es schließlich sowieso um die Botschaft.

5)    Ein bisschen Sex, Love and Crime helfen nur bei der Vermittlung dieser subtilen Botschaft.

6)    Wenn böse, dann aber so richtig!

7)    400 Seiten sind das Mindeste!

8)    Der Leser findet sich viel leichter zu recht, wenn die Guten schön und die Bösen hässlich sind.

Zu weiteren Lektüre besonders empfohlen: Die hässliche Herzogin

Für Sie exzerpiert von Joan Weng

Exklusiv: Die Alibi-Formel enthüllt

Wer Krimis liebt, kommt nicht an ihr vorbei: Agatha Christie!

Wer Krimis schreibt, auch nicht. Und wer Krimis schreibt, sollte unsere heutige kleine Schreibschule beachten, dann das hier gelernte beim u.a. vom S. Fischer Verlag ausgeschriebenen Agatha Christie Preis [http://www.fischerverlage.de/agatha_christie_krimipreis] zum Einsatz bringen, dort gewinnen und schließlich von der Queen geadelt werden. Also, volle Konzentration! (mehr …)