Die allzu früh Gegangenen: Lisa Baumfeld

Bereits im Alter von zwölf Jahren begann sie zu dichten, mit 18 erschienen in Wiener Zeitschriften erste Gedichte von Lisa Baumfeld, die sich aber hinter den Pseudonymen Ewald Bergen und Lizzy verbarg. Kritiker lobten die Schönheit und Formvollendung ihrer Sprache, ihr ungewöhnliches poetisches Talent, allerdings wurden ihre Gedichte auch als kompliziert und zu wenig anschaulich mit den Werken Hofmannsthals verglichen und abgelehnt. (mehr …)

Die allzu früh Gegangenen: Elisabeth Kulmann

Mir ahnet oft, ich werde

Nicht lange auf der Erde

Verweilen, und schon frühe

Den Brüdern folgen, welche

Die Erde früh verließen,

Ach! auf dem öden Schlachtfeld

Vielleicht in langen Leiden

Den jungen Geist aushauchend!

 

Mit diesen Versen aus dem Gedicht „Der Kukuk“ sollte Elisabeth Kulmann Recht behalten, denn die Dichterin starb mit nur 17 Jahren im Jahr 1825. Sie wuchs nach dem Tod des russischen Vaters, von ihrer deutschen Mutter gefördert und unterrichtet, in St. Petersburg in ärmlichen Verhältnissen auf. (mehr …)

„Verse muss man so schreiben, dass die Scheibe kaputtgeht, wenn man das Gedicht dagegen wirft“ Daniil Charms (1905-1942)

Daniil als Sherlock

Ich habe einen sehr guten Freund, den ich oft nicht verstehe. Er tut manchmal Dinge, die mich ob ihrer Schönheit und Großzügigkeit staunen lassen, dann wieder ist er in seiner Engherzigkeit gnadenlos wie ein absoluter Monarch. Ich verstehe ihn nicht, aber ich liebe ihn trotzdem sehr, denn neben vielem anderen verdanke ich diesem Freund die Entdeckung von Daniil Charms, dem ‚russischen Kafka‘.

Daniil Charms, der mit bürgerlichem Namen Daniil Iwanowitsch Juwatschow hieß, kam am 30.Dezember 1905 in St. Petersburg zur Welt, nachdem sein Vater zunächst komplizierte Berechnungen bezüglich des idealen Zeugungszeitpunktes angestellt hatte, „weil Vater unbedingt wollte, dass sein Kind am Neujahrstag geboren würde.“ (mehr …)

Vergessene Autoren: Wilhelm Weigand

Wenn man von Lauda aus nach Heckfeld fährt, dort im Ort Richtung Ahorn abbiegt und dann etwa zwei Kilometer hinter dem Ort nach Gissigheim abbiegt, kommt man in diesem Ort an dem Haus vorbei, in dem der Dichter Wilhelm Weigand geboren wurde. Eine große Tafel mit viel zu viel Text berichtet über den Dichter, der angeblich die Ahnenschaft Jean Pauls, Stifters und Raabes fortgeführt habe. Zuviel der Ehre, denke ich mir, aber trotz aller noch vorzubringenden Bedenken muss ich sagen, dass Weigand ein Autor war, der ganz vergessen zu werden nicht verdient hat.

Gissigheim

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Vergessene Autoren: Richard Dehmel

Richard Dehmel wurde am 18. November 1863 in Hermsdorf in der Mark Brandenburg geboren. Sein Vater war Förster. Er ging in Kremmel zur Schule, wechselte im Jahr 1872 auf das Sophien-Gymnasium in Berlin und von dort aufgrund einer Auseinandersetzung mit der Schulleitung an das städtische Gymnasium in Danzig. Ab 1882 studierte er in Berlin Naturwissenschaft, Nationalökonomie und Philosophie und promovierte 1887 in Leipzig. Er arbeitete anschließend für eine Berliner Versicherungsgesellschaft, bewegte sich privat aber schon im Umfeld der Naturalisten (Arno Holz, Otto Erich Hartleben u.a.). 1889 heiratete er die Märchendichterin Paula Oppenheimer. 1891 erschien ein erster Gedichtband (Erlösungen). 1894 kam die Zeitschrift PAN heraus, deren Mitbegründer Dehmel war. Ein Jahr später gab er die Arbeit bei der Versicherung auf und lebte ab dieser Zeit als freier Schriftsteller. 1896 wurde er aufgrund seines Gedichtes „Venus Consolatrix“ angezeigt und wegen Verletzung religiöser und sittlicher Gefühle verurteilt. Das Gedicht musste im Buch (Weib und Welt) geschwärzt werden. (mehr …)

Vergessene Autoren: A. de Nora

Hinter dem Pseudonym A. De Nora verbirgt sich der Arzt und Schriftsteller Anton Alfred Noder. Das Pseudonym hat er aus seinem Nachnamen und den Anfangsbuchstaben der beiden Vornamen konstruiert. Er wurde am 29.7.1864 in München geboren. Da sein Vater als Landarzt in schwäbischen und fränkischen Landstädtchen tätig war, verbrachte er seine Jugend überwiegend auf dem Lande. Die Schule besuchte er in Kempten, Neuburg und München. Ab 1882 studierte er an der Münchener Universität, allerdings eher nachlässig und mehr den studentischen Freuden wie Trinken und Schlagen zugetan. Zwei Frauen mussten in sein Leben treten, um das zu ändern: (mehr …)