Wir können kein: Jerry Cotton

Zwei Dutzend sind billiger

»Der Plot ist gut«, sagte die Verlegerin, »aber sie bekommen den Vertrag trotzdem nicht.«

»Wie bitte?« sagte entgeistert Veronica Voss. »Dann geben Sie mir mein Manuskript wieder, ich suche mir einen anderen Verleger.«

Monica Mason, die Leiterin des MM-Verlages, öffnete die Schublade ihres Schreibtisches und ließ das Manuskript hinein gleiten. »Gehen Sie«, sagte sie.

»Na gut«, fauchte Veronica Voss, sprang auf und warf dabei den Stuhl um. »Ich hab es ja noch auf dem Laptop«, dabei klopfte sie auf ihre schicke Gucci-Tasche. »Machen Sie mit dem Papier, was Sie schon immer damit tun wollten.«

Sie stapfte auf silberglänzenden High-Heels zur Tür des Büros, doch der Weg war lang und sie kam nie dort an. Der Schuss aus der SIG Sauer P226 streckte sie bereits auf halbem Weg nieder. (mehr …)

Ich kann kein Porno

Als sie ihn das erste Mal sah, verliebte sie sich prompt und hoffnungslos.

Es ging dieser unbestimmte Reiz von ihm aus, etwas, aus dem nichts werden kann. Das erhöhte die Verlockung nur noch. Sie starrte ihn an und wurde sich dessen bewusst, wandte den Blick ab, konnte aber nicht lange widerstehen. Schon bald, das merkte sie unbewusst, wanderten ihre Augen wieder in seine Richtung. (mehr …)

Wir können kein Porno – oder: viereinhalb Minuten

Es würde ihr erster Sex seit der Trennung von Julius werden. Der letzte in einer ganzen Reihe von One-night-stands war gut und gerne zwanzig Jahre her, damals während des Studiums in Münster. Im Nachhinein fand sie es selbst ein bisschen anrüchig, all die verschiedenen Männer, aber es haben ja fast alle so gehalten damals, da war gar nichts dabei. Man hat sich einen Kerl mit nach Hause genommen, hat ein paar Male mit ihm geschlafen und das war’s, es gab ja die Pille. Aber jetzt war sie doch ein bisschen unsicher. Sollte sie ihm einfach die Hose aufmachen und den Schwanz rausholen? Hoffentlich hatte er bereits einen Steifen. Sie glaubte zwar, da gerade schon etwas verdächtig Hartes gespürt zu haben, aber ganz sicher war sie nicht – es wäre nicht das erste Mal, dass sie sich täuschte und nichts ist peinlicher, als eine durchgeweichte Laugenstange aus der Hose eines völlig Fremden herauszufischen. (mehr …)

Wir können keine … Gruselgeschichten [klassische]

Der schlohweiße General

 

Wir schrieben das Jahr 1816, als der junger Husarengeneral Boris Iwan Iwanowitsch einiges Aufsehen in den Salons der feinen St. Petersburgergesellschaft erregte.

Grund der Berühmtheit war keineswegs sein allseits bekannter Mut, obwohl er diesen in zahlreichen Schlachten gegen Napoleon hatte beweisen können. Es war nicht sein sagenhafter Reichtum oder seine Tollkühnheit zu Pferde. Auch war es nicht sein schöner, schlanker Wuchs oder die Anmut seiner Züge. Nein, seinen absonderlichen Ruhm verdankte er allein seinem Haar. (mehr …)

Wir können kein …

Folge 1: … Kitsch

Marc McGuiver stand hoch aufgerichtet am Rand der Klippen und sah auf das Meer hinaus. Der Wind ließ sein langes, blondes Haar um seinen Kopf flattern. Sophie bewunderte die kräftige Gestalt, seine stark behaarte Brust, die durch das offene Hemd zu sehen war und die breiten Schultern. Warum … warum durfte sie ihn nicht lieben? Nur weil die Familien ihrer Eltern miteinander verfeindet waren? Seit Generationen schon. Das mussten sie aber doch nicht übernehmen. Nein, sie würden das durchbrechen. Einmal musste doch Schluss mit dieser unseligen Feindschaft sein. So viel Blut war schon geflossen. Marc wandte den Kopf und sah sie mit seinen strahlend blauen Augen an. (mehr …)