Veni, legi, vici oder: Die Putlitzerpreis Verleihung (sehr persönlich und unzensiert)

Ich bin noch nicht so arg lang im schreibenden Geschäft, aber man lernt ziemlich schnell: Preisverleihungen laufen alle ähnlich.

Man kommt, man liest, man gewinnt oder man weint heimlich ein bisschen auf dem Hotelzimmer und wenn Freunde sich angesichts dieses Rückschlages besorgt zeigen, sagt man lässig: „Oh, ich hab eh nicht mit gerechnet“ . Übrigens, wenn die Freunde echte Freunde sind, dann beteuern sie daraufhin wortreich, der eigene Text wäre trotzdem der beste, witzigste, originellste und das Gros der Leserschaft schlicht nicht befähigt, solch komplexe Literatur in Gänze zu erfassen.

Bei der Nominierung zum Putlitzerpreis hatte ich jedoch …

… von vorneherein mit einem Problem zu kämpfen, wem ich auch davon erzählte: Alle waren hingerissen! Man war begeistert, man gratulierte mir ungewöhnlich herzlich, kurz: Man war beeindruckt und ich geschmeichelt – endlich einmal ein Preis, bei dem selbst mein Vater anerkennend nickte.

Mein Vater, muss man wissen, nimmt regen Anteil an meiner Schreiberei und gibt mir gern Ratschläge wie „Ich finde Präteritum passt immer“ oder auch „streu doch noch ein paar Adjektive ein, dann wird’s bunter“. Erst als er mir erzählte, Edith Warton hätte den Pulitzerpreis schon 1921 bekommen und wissen wollte, ob wir von dem Preisgeld jetzt endlich ein neues Auto kaufen
würden, da dämmerte es mir… Dieses verflixte kleine „t“.

Nachdem dieses Problem jedoch erkannt und im Gespräch von nun an sofort elegant behoben werden konnte (ich: Putlitzer Preis; Bekannter: Kenn ich; ich: Putlitzer, mit t!; Bekannter: hä?) , nun danach stand der stressfreien Anreise nichts mehr im Wege.

Was ich sehr angenehm fand, war, dass die Plätze 4-6 schon vorab bekannt gegeben worden waren, ich mit meinem 6. Plätzchen also ganz entspannt sein konnte. Aber es wurde noch besser, nicht mal die Texte musste man vortragen üben, da sie im Rahmen der Preisverleihung von Schülern des nachbarörtlichen Gymnasiums gelesen werden sollten. Meinem Text, der aus der Perspektive einer Sechzehnjährigen erzählte, kam dies natürlich sehr entgegen und auch drei weitere der Siegertexte waren aus der Sicht von Kindern- bzw. Jugendlichen,
so dass sie durch die jugendlichen Vorleser noch einmal an Reiz gewannen.

Überhaupt war die Preisverleihung anders als alle, die ich bisher so erlebt habe. Das begann schon bei der musikalischen Untermalung – jede bessere Preisverleihung hat nämlich musikalische Untermalung, das ist wegen der festlichen Stimmung. Bevorzugt wird Geige, denn eine einsame Geige klingt immer erbärmlich jämmerlich und man soll schließlich froh sein, wenn endlich gelesen wird.

Nicht so in Putlitz, hier empfing einen der örtliche Fanfarenzug, was ich im ersten Moment etwas überraschend und im zweiten ganz wunderbar fand. Ich bin ganz sicher kein Fan von Fanfarenzügen, wirklich nicht, aber die Musiker waren so ernsthaft begeistert, das Ambiente so
schön und irgendwie passte es dann plötzlich einfach perfekt. Auch das klassische „Potsdam Duo“, das in der Kirche während der Preisverleihung spielte, überzeugte mich Zweifler durch Kunstfertigkeit, aber auch durch die große Freude am Spiel.

Ja, das ist vielleicht etwas, dass wirklich einmalig für die Putlitzerpreisverleihung war: Die Begeisterung der Leute vor Ort, ihr Enthusiasmus und die Herzlichkeit mit der die Preisträger empfangen wurden!

Aber natürlich wurden den zahlreichen Gästen auch diverse, mal komische, mal ernsthafte Facetten des Themas „Europa“ vorgestellt, wobei der 3. Platz dann an Peter Häring mit seiner in der griechischen Götterwelt spielenden Sage „(K)ein Bild für Götter“ ging.
Den 2 Platz machten die 42er Autorin Dorit David und ihre wunderbar hintersinnige Geschichte „Linda und die dunkle Seite der Macht“ voll Mülleimer, Stiere und den Tücken des fairgehandelten Eises. Laila Mahfouzs anrührende Erzählung „Europa am Wegesrand“ über Bruderliebe und die Suche nach dem wahren Europa belegte schließlich sehr verdient den ersten Platz.

Und auch bei der Preisverleihung wurde ich überrascht, die ersten Plätze durften neben ihrer Urkunde auch noch handgetöpferte Gänse mit nach Hause nehmen. Bei Spargelsuppe, Unmengen von Knabbereien, Gemüse mit Dipp und Getränken, klang der Abend dann, angenehm durch die Heizpilze gewärmt, in der Pfarrscheune aus.

Fazit: Ganz sicher kein Preis wie jeder andere.
Und entre nous, die Teilnahme lohnt sich schon, wegen der Chance auf so eine Miniaturgans 😉

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