Abteilung 3: Die Vergessenen (1): Katharina Zitz-Halein

Maiblümchen

Wie lieb’ ich dich, du Holde, Süße, Kleine,

Du Frühlingskind, erblüht im Waldesschatten;

Wenn ich dich schau, du Liebliche, du Reine,

Seh’ ich die Unschuld sich mit Hoffnung gatten.

 

Das zarte Weiß in grüner Blätter Hülle,

Wie oft ergötzet es des Wandrers Augen;

Und gerne mag ich deines Duftes Fülle,

Der Biene gleich, begierig in mich saugen.

 

Aus theurer Hand hab’ ich dich einst empfangen,

Ein Bild der Hoffnung wardst du mir gegeben,

Drum sollst du mir recht oft am Busen prangen,

Am Herzen mir entströmen still dein Leben.

 

Als Katharina Therese Pauline Modesta Zitz am 8. März 1877 in Mainz stirbt, kann sie auf ein umfangreiches Werk als Katharina Zitz-Halein zurückblicken. Aber schon 15 Jahre nach ihrem Tod wird sich kaum noch jemand an ihre fröhlichen, hellen Gedichte, an ihr literarisches Schaffen insgesamt erinnern, obwohl sie umfangreiche Werke über berühmte Dichter wie Goethe, Heine oder Lord Byron schreibt.

Glücklich ist ihre Kindheit wohl nicht. Der Vater ist gewalttätig, sie lebt einige Zeit bei der Großmutter. 1817, sie ist kaum 16 Jahre alt, erscheint ihr erstes Gedicht. Ihre Mutter stirbt 1825, der Vater endet im Irrenhaus. Eine Stelle als Erzieherin gibt sie wieder auf, um ihre todkranke Schwester bis zu deren Ende zu pflegen.

Ihr Leben entbehrt nicht gewisser Widersprüche. Sie löst ein zehnjähriges Verlöbnis mit einem preußischen Offizier und heiratet 1837 den Juristen und Politiker Franz Heinrich Zitz, der sich später an der revolutionären Mainzer Bewegung beteiligt und als Mitglied der Nationalversammlung in der Paulskirche sitzt. Man munkelt, sie habe ihm das Eheversprechen durch Selbstmorddrohungen abgetrotzt. 1849 muss Zitz nach Amerika fliehen und Katharina sieht ihn nie wieder.

Allerdings denunziert sie 1844 den satirischen Redakteur Ludwig Kalisch beim Großherzog und tut sich 1846 durch „vaterländische Gedichte“ hervor. Obwohl ihr Gatte der Demokratie nahe steht, sind ihr revolutionäre Gedanken wohl eher fern. Sie tritt für Freiheit und Demokratie ein, wird sogar als Mitglied eines Frauenhilfsvereins des Hochverrats angeklagt, verherrlicht und bewundert aber dennoch die Aristokratie.

Katharina veröffentlicht rege in Zeitschriften und Zeitungen, vor allem heitere Lyrik.

Das Gedicht „Poetischer Scherz“ wartet mit einem Akrostichon auf, das den wahren Sinn der Zeilen enthüllt, wenn man lediglich das erste Wortjeder Zeile liest:

Poetischer Scherz

Laß ab von mir mit deinem ew’gen Qualen,

Geliebter soll ein Mann mir nimmer werden;

Laß ungebunden mich mein Loos erwählen,

Mich feßle nie der Liebe Band auf Erden.

Dir sei’s Gedicht kein weitres Wort zu wagen,

Verkünden sollen es dir meine Lippen,

Daß nie mein Herz sich läßt in Banden schlagen,

Mein Mund wird nie von süßem Gifte nippen,

Herz das in Liebe glüht, hört auf zu leben,

In bangem Kummer schwinden seine Stunden,

Treu’ können Männer nie dem Weibe geben,

Erglüht in Lieb’ war keiner noch gefunden

Dir ist’s ein Spiel Geliebte mich zu nennen,

Bis ich mein Herz in Glut dir zugewendet,

Zum Herrn soll ich in Demuth dich erkennen,

Tod wird mir dann von rauher Hand gespendet.

In Leiden, nein, will ich den Muth nicht üben,

Lieb’ vor der Freiheit mächtigen Schwingen weichet,

Ergeben will ich nimmer mich, nie lieben,

Bleibt doch mein Herz von Amor unerreichet.

 

Ihre melancholischeren Werke nehmen nach dem Scheitern der Ehe mit Zitz zu.

Liebe ohne Gegenliebe

Lieb’ ist Glück des Lebens

Lohnt uns Gegenliebe,

Ihre heißen Triebe

Spenden Seligkeit.

 

Lieb’ ist Schmerz der Hölle

Wenn auf Sand wir bauten,

Wenn das Herz der Trauten

Sich zum Andern neigt.

 

Trüb wird dann der Himmel

Tod ist Freud’ und Wonne,

Und des Lebens Sonne

Hüllet sich in Nacht.

 

Liebend Herz ohn’ Hoffnung

Gleicht den Bienenwunden,

Kann nicht eh’r gesunden

Bis es Erde kühlt.

Sie schreibt Gedichte, Novellen, Erzählungen und Romane, versucht sich an Dramen. Aufsätze und Zeitungsartikel, aber auch Übersetzungen zeigen die Bandbreite ihrer schriftstellerischen Arbeit.

Der finanzielle Druck, unter den sie mehr und mehr gerät, lässt sie immer größere Kompromisse mit dem Publikumsgeschmack schließen. Sie schreibt viel, wird viel gelesen, aber ihr Werk wird immer öfter als „flache Belletristik“ bezeichnet.

Für ihr Engagement während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 wird sie in Mainz mit dem hessischen Sanitätskreuz ausgezeichnet. Ihr literarisches Schaffen wird durch eine Erkrankung am Grauen Star erst stark eingeschränkt, später kommt es völlig zum Erliegen. Sie stirbt fast erblindet 1877 im St. Vinzenziuspensionat der Barmherzigen Schwestern.

Die Konzessionen an den Publikumsgeschmack rächen sich bitter. Katharina Zitz-Halein gerät rasch in Vergessenheit. Nur solche Literaturversessenen wie Arno Schmidt erinnern sich an sie. In der Erzählung „Tina oder über die Unsterblichkeit“ setzt er der Vergessenen ein kleines Denkmal.

Lieferbar sind zwar wenige Bücher über sie, aber nichts von ihr.

Lediglich im Internet gibt es ein paar Gedichte und Novellen:

http://www.deutsche-liebeslyrik.de/zitz_kathinka.htm

http://www.wortblume.de/dichterinnen/zitz_i.htm

http://gedichte.xbib.de/gedicht_Zitz-Halein.htm

https://de.wikisource.org/wiki/Kathinka_Zitz-Halein

Für das Projekt Gutenberg scheint ihr Werk wohl nicht gut genug zu sein. Nicht eine Novelle oder ein Roman findet sich in der digitalen Sammlung.

Ihr Wolf P. Schneiderheinze

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