Die Quadratur des Kreises

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Das TAW war kulinarisch für mich ein bisschen wie die Quadratur des Kreises. Dabei koche ich wirklich gerne und probiere auch immer neue Sachen aus. Überhaupt koche ich begeistert für Gäste.

Letztes Wochenende hatte ich Gäste – wir haben nämlich ein TAW – ein Textarbeitswochenende – bei mir veranstaltet. Sechs weitere Autoren kamen von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag zu mir und gemeinsam haben wir an einem ihrer Texte gefeilt.

Zuvor hatte jeder einen Textauszug aus seinem aktuellen Projekt an die anderen geschickt und auch die Fragen, die er dazu hat. Es gab auch noch zwei kleine Aufgaben, die ich gestellt habe und die auch in die Runde gingen.

Zudem hatte ich einen kleinen Fragebogen versendet, um herauszufinden, ob es schwere Abneigungen gegen bestimmte Speisen oder gar Allergien gäbe. Als die Antworten eintrudelten, wurde mir ein wenig schwindelig.

Einer isst Low Carb (keine Kartoffeln, keine Nudeln, kein Reis, keine Mehlspeisen), eine isst nie Milch- oder Käseprodukte, mag auch keine Tomaten oder Auberginen, zwei mochten keinen Kürbis, eine Vegetarierin war dabei, einer hat einen empfindlichen Magen …usw. Nur einer isst wirklich alles (bis auf alte Socken) – mein lieber Kollege Christoph.

Es hat mich ein wenig Schweiß und graue Zellen gekostet, bis ich das Essen einigermaßen zusammen hatte.

Wir fingen am Freitagnachmittag an – mit Doughnuts und Windbeuteln, Schokoriegeln und Gummibärchen – Nervennahrung. Nachdem wir uns ein wenig eingestimmt hatten, ging es mit dem ersten Text los. Über die Textarbeit berichtet Christoph noch in einem Blogbeitrag. Gute 1,5 Stunden diskutierten wir. Dann rauchten unsere Köpfe und es gab eine Pause und das erste selbstgebraute Bier, das Kollege Christian mitgebracht hatte. Zu Essen gab es eine große Vorspeisenplatte mit Hummus, Guacamole, Falaffel, Salat aus weißen Bohnen, gebratenem Rosenkohl mit Cranberries, Röllchen, Roastbeef und Fladenbrot.

Dann folgte der zweite Text und wieder rauchten unsere Köpfe. Mit einem oder zwei Gläsern Whisky ließen wir den Tag ausklingen.

Am nächsten Morgen war es nicht ganz so leicht, aus den Federn zu kommen, aber ich war sehr motiviert. Pünktlich um zehn trudelten die ersten Teilnehmer wieder ein. Zum Frühstück gab es Käse und Cabanossi, Brötchen, Marmelade und Wurst. Meine Hoffnung, dass noch etwas Roastbeef da sein würde, hatte sich nicht erfüllt.

Wir starteten schon bald mit dem nächsten Text, eine Reise in eine ganz andere Welt. Dies hat uns ziemlich intensiv beschäftigt. Nach einer kurzen Pause machten wir mittags mit dem Fazit von Text eins weiter, da uns Beate leider schon am Abend verlassen musste. Jo allerdings kam erst an diesem Mittag – mit der Bahn. Wir alle wissen, Bahnfahren ist das letzte große Abenteuer in Deutschland, so musste er in Neuss in den Schienenersatzverkehr umsteigen und verspätete sich etwas. Das gab mir Zeit, die Suppen aufzuwärmen – eine Kürbissuppe und eine Rinderkraftbrühe mit Einlage.

Jo kam zum Glück rechtzeitig zum Essen.

Immer stand natürlich Nervennahrung auf dem Tisch – Schokoriegel und Gummibärchen.

Danach ging es zügig weiter mit den nächsten zwei Kandidaten. Gegen sieben waren wir am Ende – mit dem Text.. Also gab es endlich eine Pause und etwas zu essen. Nach Wunsch servierte mein Mann sous-vide gegarte argentinische Rinderhüfte oder kurz gebratenes Iberico-Schwein, dazu Kartoffelwedges, Kürbisspalten, Blumenkohlpüree, Feldsalat, gefüllte und überbackene Auberginen und Pilze … den Rest habe ich vergessen.

Nach dem Essen haben wir uns den letzten Text vorgenommen. Und dann wurde getrunken und erzählt. Christians selbstgebraute Biere fanden reißenden Absatz. Wir haben viel gelacht, viele Erfahrungen ausgetauscht.

Es wurde ein ziemlich langer Abend, der mit einem Wettlauf endete, denn Christian wollte noch die letzte Bahn erreichen. Er hat es auch geschafft.

Wie gut, dass in dieser Nacht die Uhren umgestellt wurden und wir alle eine Stunde geschenkt bekamen.

Eigentlich wollten wir um zehn am nächsten Morgen anfangen, aber ich hatte dann doch halb elf vorgeschlagen. Jo brachte Brötchen mit, es gab viel Kaffee, ein wenig Magentee … Unsere geknautschten Gesichter haben sich im Laufe des Tages noch entfaltet.

Da ich keinen Text zu bearbeiten, alle anderen Texte aber kritisch diskutiert hatte, überlegte ich mir, dass nun alle den Anfang meines nächsten Buches zerreißen dürften.

Und nachdem ich wusste, wie kritisch und zielsicher die Kollegen Fehler fanden, hat mich das tatsächlich ein wenig nervös gemacht. Ich habe es überlebt – der Text auch.

Zu Käse und Wurst, Nervennahrung, Wasser und Kaffee gab es dann ein Fazit – jeder sagte, ob seine Fragen beantwortet worden waren und was das TAW mit ihm und dem Text gemacht hatte. Und vor allem auch eine kleine Prognose, wie es weitergeht.

Wieder diskutierten wir eifrig, diesmal mit dem ganzen Schatz der Erfahrung der vergangenen zwei Tage. Viele Buchtipps wurden ausgetauscht, viele Filmtipps ebenso. Auch ging es um Rezepte …

Zum Abschluss gab es Reste, Frikadellchen, Flammkuchen und ein Tässchen Kaffee.

Nachdem alle gegangen waren, habe ich die Küche aufgeräumt und mir gedacht, dass es gar nicht so schwierig gewesen war, wie ich befürchtet hatte. Jeder war satt geworden, hatte etwas gefunden, was ihm schmeckte – nicht nur kulinarisch, sondern auch literarisch.

Wir alle sind, so glaube ich, gesättigt aus dem Treffen gegangen. Jeder hat ein wenig mitgenommen: ein paar Pfunde, einen Kater, eine Erkenntnis, eine Bestätigung. Und vor allem hatten wir ein grandioses Wochenende, was zumindest bei mir Hunger auf mehr gemacht hat.

Ihre Ulrike Renk

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