„Du bist so nett, überhaupt nicht fett, schlanker noch als manches Brett, ein Sonett, ein Sonett.“

(Verfasser des obigen Reims möchte anonym bleiben)

„Wenn jeder, der Gedichte schreibt, sie auch kaufen würde, gäbe es einen deutlich größeren Markt dafür“ – das sagte vor einiger Zeit ein Verleger zu mir und fügte noch leise hinzu: „Wenn all diese potentiellen Käufer die Gedichtbände dann sogar noch lesen würden, gäbe es vielleicht auch deutlich weniger miese Verse.“

Mit der Lyrik ist es nämlich so eine Sache – sie ist gerne mal schlecht bis peinlich. Was nicht heißt, dass man nicht munter drauflos reimen sollte, wenn einem der Sinn danach steht. Mich bedichtete einmal ein sehr junger, sehr verliebter Mann als Göttin im Orangenhain. Ich freute mich, trotz des darauffolgenden holpernden Reims auf mein. Ja, selbst dem großen römischen Feldherrn Augustus, eigentlich kein potenzielles Romantikopfer,  sagt man nach, seiner Gattin im ersten Gefühlsüberschwang eine ganze Reihe blumiger Verslein gewidmet zu haben. Überliefert sind sie nicht, der Kaiser selbst soll sie vernichtet haben und vermutlich tat er gut daran – so ging er zwar als gefühlskalter Realpolitiker in die Geschichte ein, aber besser so denn als liebeskranker Verseschmied.

Wenn man jetzt aber fern des romantischen Hausgebrauchs und klappernden Merkreims wirklich, wirklich gut  dichtet, dann hat man es schwer. Bei Ausschreibungen werden Lyriker oft übergangen, weshalb ich hier heute auf ein Aufenthaltsstipendium nur für Dichter hinweisen möchte: Das Dresdner Lyrik-Stipendium.

Es läuft über den Zeitraum von drei Monaten (06.01.2018 – 31.03.2018), bietet dem glücklichen Gewinner in dieser Zeit Kost und Logis im Gästehaus des KulturHaus Loschwitz und ist mit einem zusätzlichen Stipendium in Höhe von 900 Euro monatlich sehr großzügig dotiert. Eine Bewerbung ist noch bis zum 30.06.2017 möglich, Details gibt es hier .

Viel Erfolg wünschen Joan Weng und das gesamte Blogteam

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