Eine Gedok-Lesung von Nina George und Jens Kramer – oder meine kleine Schwäche

Wann immer jemand zu mir sagt: „Das geht nicht“, sagt eine Stimme in meinem Kopf „Für dich vielleicht.“

Ich habe nämlich ein kleine Schwäche: Ich liebe Unmögliches oder besser Menschen, die scheinbar Unmögliches leisten oder geleistet haben. Manche kenne ich persönlich, wie einen leider etwas langsamen Hauptschüler, der doch einen Doktortitel und zwei abgeschlossene Studien erreicht hat oder eine totgesagte Komapatientin, die als lebendes Medizinisches Wunder jetzt gerade ihr erstes Baby kriegt. Aber natürlich auch Berühmtheiten und da reicht es von Mick Jagger, dem man sagte, er könne nicht singen bis zu Nina George, deren Roman „Das Lavendelzimmer“ in 32 Sprachen übersetzt wurde, sich endlos auf der Bestsellerliste hielt und nun für das Kino verfilmt werden soll. Und das obwohl er nachweislich ziemlich literarisch ist – und literarische Verkaufserfolge gelten als weitgehend unmöglich, vielleicht einmal von den durch vielbeachtete Preise generierten Kurzzeitbestsellern abgesehen.

Letzten Mittwoch durfte ich Nina George und ihren Mann dann auf einer der kleinen Gedok-Lesungen kennenlernen – und ich muss es leider genau so sagen: Ich war von den beiden hingerissen! Ich weiß, das ist ein dämliches Adjektiv, aber es beschreibt meine Empfindungen sehr treffend.

Die Gedok-Lesungen werden meistens entweder von (Achtung, noch so ein problematisches, jedoch passendes Adjektiv) der bezaubernden Beate Rygiert oder ihrem wunderbaren Mann Daniel Oliver Bachmann geleitet. Sie lohnen sich eigentlich schon allein wegen der beiden, und wenn dann wie letzten Mittwoch noch so spannende Gäste kommen, man muss die Veranstaltungen als fast vollkommenes Vergnügen* beschreiben. So nah kommt das Publikum Bestsellerautoren wie George, Rost und anderen eigentlich sonst nie, so entspannt habe ich Erfolgsautoren andernorts nie über ihr Leben und ihr Schreiben sprechen hören.

Nina George und Jens „Jo“ Kramer lasen abwechselnd mal zum Schreien komische, mal nachdenkliche, mal sprachlich atemberaubend schöne Passagen und boten einen kleinen, doch umfassenden Blick in ihr Wirken. Zu hören gab es neben einem Ausschnitt aus dem aktuellen „Traumbuch“ und dem „Neurosenkavalier“, eine Stelle aus dem Gemeinschaftsprojekt „Commissaire Mazan und der blinde Engel“ sowie eine Appetithäppchen aus dem für nächstes Jahr geplanten „Commissaire Mazan und die Spur des Korsen“. Danach hatte man die Möglichkeit, sich noch ein wenig mit den beiden auszutauschen, sich ein Autogramm zu holen oder einfach nur die Stimmung zu  genießen. Und das habe ich dann auch alles getan, vor allem letzteres, denn wie ich eingangs sagte, liebe ich die Gegenwart von Menschen, die das Wort „unmöglich“ nur als ein Synonym für „erstrebenswert und erreichbar“ halten.

Und in diesem Sinne, lieber Leser, wage ich es, Sie an dieses Manuskript zu erinnern, Sie wissen schon, das, ganz hinten in ihrem Schreibtisch, das, was schon 20 mal abgelehnt wurde. Sollten Sie dem nicht vielleicht noch mal einen Versuch gönnen?

Ich drücke Ihnen jedenfalls die Daumen

Ihre Joan Weng

*das war jetzt aber das letzte Adjektiv dieser Art.

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