Endlich wieder in Leipzig

Ein Gastbeitrag von Diana Hillebrand

Ankunft Messefreitag in Leipzig Hauptbahnhof um 12:10 Uhr. Diesmal habe ich einen lieben Freund dabei. Wir kennen uns schon lange, hatten vor einer gefühlten Ewigkeit gemeinsam in München unsere ersten Schreibversuche gestartet.

Er zum ersten Mal. Ich empfehle eine Bratwurst, um unsere Ankunft zu feiern. Ich esse immer eine Bratwurst, wenn ich in Leipzig am Hauptbahnhof ankomme. Es gibt Thüringer Bratwurst, die schmeckt auch in Sachsen.

Mir fällt auf, dass diesmal die großformatige Werbung „Leipziger Buchmesse“ fehlt. Die müssen auch sparen, denke ich mir.

Nachdem wir im Hotel eingecheckt haben, geht es weiter auf das Messegelände. Blauer Himmel. Das Wetter ist eigentlich zu schön, um den Tag in den Hallen zu verbringen. Doch wie immer ergreift mich eine ganz besondere innere Aufregung. Die Leipziger Buchmesse ist immer gleich und immer anders. Eine Veränderung erwartet uns gleich am Eingang: Wir müssen unsere Taschen vor dem Sicherheitspersonal öffnen. Klar.

In der großen gläsernen Halle, in der sich vor allem die großen Medienvertreter versammeln, dann das übliche Grundrauschen. Ich sehe immer ein großes Meer vor mir. Menschenmassen wogen durch den Glaspalast der Buchwelt.

Mich treibt es weiter. Ich muss in Halle 5, am Ende rechts. Denn dort werde ich eine „Autorensprechstunde“ am Stand von Sandra Uschtrin anbieten. Jeder der mag, kann vorbeikommen und mit mir über seine Fragen und Sorgen plaudern oder einfach nur so – über das Schreiben. Bevor es am Stand für mich losgeht, treffe ich auf Nina George, Janet Clark und Anke Gasch, die wenig später auf der Podiumsbühne stehen und dem Thema „Engagiert Euch – Warum Autorinnen und Autoren politisch werden müssen“ drei Stimmen geben. Es passiert gerade viel in der Literaturszene, das wird mir in diesem Moment wieder einmal klar, und es gibt Themen, die uns alle betreffen: Urhebervertragsrecht, E-Lending, Online-Piraterie, Preisdumping oder Literaturmonopole. Ich nehme mir vor, mich ebenfalls stärker zu engagieren. Jedenfalls stimme ich den Sprecherinnen aus tiefsten Herzen zu und freue mich, dass es jetzt das Netzwerk Autorenrechte gibt, das die Kräfte vieler Autorenvereinigungen bündelt. Die 42er sind ebenfalls dabei. Überhaupt sind es auch diese Diskussionen und Bühnen, die die Leipziger Buchmesse so einzigartig machen.

Die nächsten zwei Stunden verbringe ich am Stand des Uschtrin Verlags und freue mich, dass so viele kommen und mit mir über ihre aktuellen Projekte sprechen. Vor allem aber werde ich gefühlt 100 Mal umarmt und sehr herzlich begrüßt. Auch das fällt mir jedes Jahr wieder auf: Leipzig ist herzlich. Ich bin glücklich und meine Füße tun schon ein bisschen weh.

 

Für den nächsten Tag packe ich meine Unterlagen für die Leipziger Autorenrunde ein. Leander Wattig organisiert zusammen mit der Leipziger Buchmesse und einigen Sponsoren am Messesamstag eine Autorenveranstaltung der besonderen Art. Dazu lädt er Fachleute der Branche (Dozenten, Agenten, Autoren, Selfpublisher, Marketingexperten etc.) an achtzehn große runde Tische ein. Man fühlt sich ein bisschen an die Ritter der Tafelrunde erinnert.

Ich darf das dritte Mal in Folge als Referentin dabei sein. Diesmal soll es um „Erzählperspektiven“ gehen.

Die Themen sind auf verschiedene Gesprächsrunden aufgeteilt und die Teilnehmer können sich aussuchen, an welche Tische sie sich setzen wollen. Das Format ist großartig und ich kann nur jedem empfehlen einmal dabei zu sein. Es dürfte eine der wenigen Veranstaltungen sein, an denen man so viele Fachleute gleichzeitig in einem Raum antrifft. Und wenn man sich erstmal an die Geräuschkulisse gewöhnt hat (alle sprechen gleichzeitig!), dann funktioniert das an den Tischen überraschend gut. Wer sich dafür interessiert, findet hier viele Informationen.

Ganz bestimmt findet die Leipziger Autorenrunde auch im nächsten Jahr wieder statt.

Zum Glück habe ich auch noch Gelegenheit, mir einige Stände der Verlage anzusehen. Manche werben mit dem Aufruf „Autoren gesucht“ und ich kann kaum glauben, dass Zuschussverlage in Zeiten der vielen Möglichkeiten des Selfpublishings noch auf ihre Kosten kommen.

Irgendwann gerate ich in eine Signierstunde von Sebastian Fitzek und bleibe stecken. Zeit genug, um mir den Stand von Droemer Knaur anzusehen. Ich kann es kaum glauben: Im nächsten Frühjahr wird dort mein erster Roman erscheinen. Ich besuche Iny und Elmar, die ich aus meiner allerersten Schreibgruppe Anfang der 90er in München kenne. Und natürlich bewundere ich die vielen Cosplayer, die ebenfalls so typisch für die Leipziger Buchmesse sind. Es sind Helden ihrer fantastischen Welt. Es sind moderne Kämpfer. Gar nicht so schlecht, sie an unserer Seite zu wissen.

Es gibt Parallelen: Autoren leben in ihren Geschichten. Cosplayer nähen Kostüme, schaffen eine neue Identität. Wir erschaffen neue Welten und Figuren in unseren Büchern.

Und im nächsten Jahr kommen hoffentlich alle wieder!

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