Glück ist ein warmes Gewehr

Bis heute ist das weiße Doppelalbum der Beatles (1968) umstritten. Die einen halten es  für das größte, was die Beatles gemacht haben, die anderen für eine Sammlung von Schrott. Ich meine, dass es ein Geniestreich ist, denn nach Revolver (1966) und Sgt. Pepper (1967) schien es fast unmöglich, eine Steigerung in dieser Art nachzulegen. Das zeigt schon die Musik zum Film „Magical Mystery Tour“ (1967), die eher schwach ausfiel (mit Ausnahme von „I am the walrus“). Auf dem folgenden Doppelalbum legten die vier Jungs aus Liverpool ein Arbeitskonzept vor, das vor Vielfältigkeit strotzte. Mag sein, das dieses und jenes weiter ausgearbeitet auch für die Charts und Hitparaden gereicht hätte – allein, was hätte das nach Sgt. Pepper schon bedeutet? Und manches war so komplex, dass es sich kaum gegen die eingängigen Ohrwürmer hätte behaupten können (von „Ob-La-Di…“ mal abgesehen, aber dafür müssen sie ohnehin ein Jahr länger im Fegefeuer bleiben). „Happiness is a warm gun“ zum Beispiel, das letzte Lied auf der ersten Seite der ersten Platte. Den Titel hatte Lennon sich von einer amerikanischen Waffenzeitschrift abgeschaut.

Der Harder – Literaturpreis  hat sich nun genau dieses Lied für die aktuelle Ausschreibung vorgenommen. Die Österreichische Gemeinde vom Bodensee (Vorarlberg) fordert Autorinnen und Autoren auf, in Geschichten zu fassen, wie viel Rücksicht bei der Einforderung von Glück man nehmen oder nicht nehmen dürfe. Oder den Titel des Songs anders interpretiert: Wie gefährlich kann das Erstreben von Glück (für andere) sein? Na, wem da nichts einfällt, der braucht auch nichts hinzuschicken. Einsendeschluss für die anderen ist der 9. Dezember 2017.

Viel Glück wünschen

Horst-Dieter Radke und das gesamte Blogteam

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