Joan liest gerade – Joyce Carol Oates’ Blond

Manchmal – um ehrlich zu sein, sogar ziemlich oft – hab ich gar keine Zeit zum Lesen, aber es ist wie mit den Freunden, die man aus Zeitmangel eigentlich nicht sehen kann: man sieht sie trotzdem. Nicht alle, nur die, die einem am nächsten stehen, die, die schon viele Schlachten mit einem geschlagen haben, die, bei denen man weiß, sie sind die kostbare Zeit wert. So geht es mir auch mit den Büchern, in Zeiten vollkommener Überlastung lese ich nur selten etwas Neues. Und fast immer lese ich dann irgendwann Joyce Carol Oates’ „Blond“ (via amazon). Eine romanhafte Biografie von Marilyn Monroe, aufgebaut wie ein unruhiges Mosaik aus Kurzgeschichten, inneren Monologen, Theaterstücken. Wechselnde Erzähler, wechselnde Perspektiven, wechselnde Tempi. Sprachlich schwankend zwischen Lyrik, Umgangssprache und allem dazwischen.

Klingt unverständlich und anspruchsvoll?

Ist es, und gerade deshalb eignet sich der 800-Seiten-Wälzer so vollkommen zum Zwischendurchlesen – am Stück erträgt diesen sprachgewaltigen Einblick in die zerrissene Seele einer Getriebenen vermutlich keiner, aber in Häppchen ist das Buch von einer gerade noch auszuhaltenden Wucht. Und das Beste daran ist, Sie können es einfach irgendwo aufschlagen und zu lesen beginnen, mit ein bisschen Grundkenntnis über das unglückliche Leben der Norma Jean Baker werden Sie verstehen, was gerade passiert.

Wagen Sie es! Vielleicht geht es Ihnen wie mir, vielleicht finden Sie einen treuen Begleiter fürs Leben, und auch wenn nicht, der Roman ist die Mühe wert. Wagen Sie es!

Ihre Joan Weng

 

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