Joan liest gerade: Horst-Dieter Radke – Das Einhorn in Paris (Fantasy)

Mein Sohn besitzt seit einiger Zeit ein kleines Holzeinhorn, das kein leichtes Leben hat – Horn voraus nützt er es zur täglich mehrfach anfallenden Reparatur seines Dreirads, mal als Bohrmaschine (brrrrm!), mal als Hebel oder Hammer. Auch als Stichwaffe oder Rührlöffel wurde die arme Kreatur schon missbraucht, doch zumindest eines ist durch diese wenig artgerechte Nutzung bewiesen: Einhörner sind sehr vielseitig einsetzbar.

Wie unterschiedlich man sie auch auf literarischer Ebene verwenden kann, zeigt Horst-Dieter Radke in seinem schmalen Bändchen „Das Einhorn in Paris“.

Rilkes bezauberndes Gedicht „Das Einhorn“ eröffnet diese wunderbar vielseitige kleine Sammlung von Fantastischem, wobei der Bogen über klassische Fantasy über die Fabel bis hin zur hintersinnigen Spukgeschichte reicht. Ich persönlich mochte die Fabeln am liebsten – wenn das Einhorn auf Bischöfe, Philosophen und Atheisten trifft, dann geht es amüsant und zugleich wunderbar tiefgründig zu. Aber auch die titelgebende Fantasyerzählung „Das Einhorn in Paris“ ist absolut lesenswert.

Ich hatte viel Spaß bei der Lektüre und kann das Bändchen guten Gewissens all jenen empfehlen, die auch bei Fantasy Wert auf die Intelligenz und die sprachliche Schönheit des Textes legen.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Joan Weng

P.s.:Wir machen mit bei der „Lese-Challenge 2018: Reise durch die Genres“ von Gerngelesen.

 

 

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