Joan liest gerade nicht: Xavier Bosch – Jemand wie du

Kennen Sie dieses nagende Gefühl, das einen manchmal so um Seite fünfzehn rum beschleicht? Diese dumme Erkenntnis, gerade zwanzig Euro für ein Buch ausgegeben zu haben, das Ihnen nicht gefällt?

Ich hasse es, wenn mir das passiert – und letzte Woche war es wieder soweit.

Xavier Boschs Roman „Jemand wie du“ ist bezaubernd aufgemacht, vielversprechend auch der Klappentext. Lange nach dem Tod ihrer Mutter findet die junge Gina ein Visitenkärtchen mit der Handschrift ihrer Mutter. Apelle-moi! steht darauf, und langsam enthüllt sich vor Gina die große Liebesgeschichte zwischen ihrer Mutter und einem schönen Galeristen, die schließlich mit Entsagung und dem „bewegendsten Liebesbeweis der Welt“ endet.

So zumindest der Umschlagtext, und voll Freude erwartete ich etwas in der Richtung von Die Brücken am Fluss. Aber wie gesagt, nach Seite fünfzehn kamen mir die ersten Zweifel. Der Schreibstil wirkte auf mich etwas hölzern, und Gina, die promiskuitive Kunststudentin, war mir zutiefst unsympathisch. Aber egal, es ging ja nicht um sie, sondern um die große Liebe ihrer Mutter – so dachte ich munter. Nicht ganz so munter dachte ich an die für das Buch gezahlten zwanzig Euro.

Nur leider, leider: Die Mutter war mir noch unsympathischer – makellos schön, mit vom Gatten gezahlten Chanel-Täschchen und Yves-Saint-Laurent-Kostüm, und ich konnte von Anfang an wenig Identifikationspotenzial ausmachen. Als dann aber auch noch dieser scheußliche, aufgeblasene Galerist mit seiner Pfeife im Mund auftauchte, da habe ich das Buch weggelegt. Ich vermute, es wird sicher noch besser, die Mutter sympathisch, der Galerist ein netter Kerl und faszinierender Mensch. Der bewegendste Liebesbeweis der Welt wartet ja auch noch auf den tapferen Leser, doch auf mich wird er vergebens warten, ich habe das Buch nach der Hälfte in die Momox-Kiste gepackt – vielleicht findet sich ja noch jemand, der es mag?

Enttäuschte Grüße von

Joan Weng

 

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