Poleposition oder: Joan Weng

 

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Wäre dies das Formel 1-Rennen am Nürburgring, dann würde sie vorne links stehen. Dort ist die Strecke am saubersten, die Traktion am besten. Ihre Startnummer wäre die 86. So viele Beiträge hat sie bis heute abgeliefert und sich damit an die Spitze des Starterfeldes gefahren. Als Rennpilotin wögen ihre Werbeverträge eine Million schwerer als die der Konkurrenz, denn die Schönheitsindustrie zahlt einfach mehr als ein Reifenhersteller.

Doch in Wahrheit ist ihre Aufgabe komplexer, als mit dem Auto stundenlang im Kreis zu fahren. Joan ist die gute Seele unseres Blogteams. Sie ist die Art von Chefin, die nie laut werden muss, weil sie das uneingeschränkte Vertrauen ihrer Redaktion hat und die einen Slogan wie „Wir schaffen das!“ nicht laut aussprechen muss, weil sie ihn längst verkörpert. Ein virtueller Blick genügt, um den Blogneulingen das „Meinst du wirklich?“ im Halse steckenbleiben zu lassen.

Wie ich gehört habe, schreibt Joan anscheinend auch Bücher. Romane. Ihr Erstling spielt im sogenannten „Feine-Leute-Milieu“. Früher hat man einfach Mafia gesagt, aber ich glaube, die Herren (und Damen) mögen das nicht mehr so, weil es kriminelle Machenschaften nahelegt. Damit haben die feinen Leute natürlich nichts zu tun, und ich distanziere mich hier auch noch einmal ausdrücklich von dieser Unterstellung, nur, damit das klar ist.

Ach ja, Joan ist nicht nur die Mama unseres Blogs, sondern auch im echten Leben. Das muss hier unbedingt noch erwähnt werden. Wir haben nämlich lange keine Leserbriefe mehr bekommen, und vor allem die erbosten fehlen mir persönlich sehr. Ich wünsche mir Leserbriefe von berufstätigen Müttern, die sich beklagen, wie schwer sie es haben und dass man Beruf und Familie eigentlich gar nicht unter einen Hut kriegt. Und dass wir mehr Kitas brauchen und so. Ich werde diese Briefe alle persönlich beantworten, aber immer gleich. Ich werde schreiben: „So schlimm kann es nicht sein!“ Und ich werde auf die Profilfotos von Joan verweisen, die eines gemeinsam haben: Auf allen lacht sie.

In Joans Wohnung muss es irgendwo einen sehr vollen Schrank geben. Voll mit Pokalen und Urkunden, denn sie sammelt Literaturpreise und Stipendien wie andere Fußballbilder. Wahrscheinlich weiß sie schon längst nicht mehr, wohin mit dem ganzen Zeug. Wenn man sich überlegt, wie jung unsere Chefin ist, kann man schon ein bisschen neidisch werden. Aber nur ein ganz kleines bisschen, denn zu viel gibt bloß Falten. Mögen Sie Falten? Also, ich nicht. Das ist auch gar nicht nötig, denn alles, was ich Ihnen sagen will, ist, dass Sie es hier mit einer vielversprechenden jungen Autorin zu tun haben, von der Sie noch viel hören werden und die sie deshalb unbedingt im Blick behalten sollten. Zum Beispiel hier.

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