Plansprachen: 1. Volapük

Ich muss nur aus dem Haus gehen, die Eisbergstraße weiter bis Oberlauda verfolgen – am besten mit dem Fahrrad – und kurz vor dem Ende die Gasse links hoch, dann stehe ich vor einem Haus mit einer Büste davor und einer Tafel mit folgender Inschrift:

In domat pemolom , 1831, verlul 18: Schleyer Johanus Martinus pädal ä datuval volapücka son doela isik Schleyer Joh. Philed Elisabeta pem Velth boikanus de Nékargárach. M. B. p. b.

Vermutlich, weil es den allermeisten nicht verständlich ist, steht auf einer kleineren Tafel darunter:

Hier stand das Geburtshaus des Joh. Martin Schleyer.

Sieht man sich noch ein wenig in Oberlauda um, findet man noch eine Johann-Martin-Schleyer-Straße und den Volapükplatz. In Lauda gibt es das Martin-Schleyer-Gymnasium und im Heimatmuseum einen Raum, in dem einiges zu diesem Mann zusammengetragen wurde.

Volapük_1

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Johann Martin Schleyer, geboren am 18. Juli 1831 in Oberlauda, gestorben am 16. August 1912 in Konstanz, war katholischer Priester, Lyriker und Erfinder der Plansprache Volapük. Es war nicht die erste Plansprache, aber diejenige, die als erste eine größere Verbreitung gefunden hat. 1879 erschien als Beilage der von ihm herausgegebenen Zeitschrift »Sionsharfe« der »Entwurf einer Weltsprache und Weltgrammatik für die Gebildeten aller Völker der Erde«. Es gab eine überraschende Resonanz, es bildeten sich Volapük-Gesellschaften zunächst in Europa, später auch in Amerika und Asien. Schleyer bildete Multiplikatoren – Weltsprachelehrer – aus, veröffentlichte umfangreichere Grammatiken und Wörterbücher. Sein Ziel war es, der Menschheit eine Sprache zu geben.

Die Bezeichnung »Volapük« war schon Programm: Vola (World) Pük (Speek) = Weltsprache. Der Wortschatz wurde europäischen Sprachen entnommen, allerdings dann stark verändert (siehe Vola-Pük). Konzipiert ist Volapük als agglutinierende Sprache. Dabei wird durch Anhängen von Vor- und Nachsilben den Wörtern eine unterschiedliche Bedeutung gegeben:

pük = Sprache

pükön = sprechen (-ön ist die Infinitiv-Endung)

pükel = Redner

nepük = Schweigen (ne- ist die verneinende Vorsilbe) 1)

Schleyer sah sich als Oberhaupt der Volapük-Bewegung und ließ sich als »Cifal« (Chef) bezeichnen. Nach seinem Tod führten diesen Titel andere. Der 8. Cifal ist Hermann Philipps, der diesen Titel seit 2014 trägt.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-villenviertel/bad-godesberger-in-der-weltsprache-volapuek-weit-vorn-article1313060.html

Bereits zu Schleyers Lebzeiten verlor die Bewegung aber an Bedeutung, hauptsächlich deshalb, weil der Erfinder der Sprache sich auch als deren Hüter sah und keine demokratische Mitarbeit anderer zuließ. Bereits 1888 trat der Nürnberger Volapük-Verein zum Esperanto über. Nach dem 3. Volapük-Kongress in Paris (1889), auf dem Schleyer Reformen ablehnte, fiel Volapük schnell wieder zur Bedeutungslosigkeit herab.

Heute ist die Sprache kaum noch bekannt und es gibt wenige, die sie sprechen. Der kanadische Autor William Gibson griff sie in seinem Roman »Quellcode« (2007, Original: Spook County) jedoch auf.

Johann Martin Schleyer war übrigens ein Vorfahr des von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer.

Wer sich mit Volapük beschäftigen möchte, findet  den Kurs von Dr. Arie de Jong aus dem Jahr 1933 im Internet.

Vielleicht sagt dann ja irgendwann einer der wenigen Volapük-Sprecher: Spikom gudiko Volapük (Er spricht gut Volapük) oder Spikof gudiko Volapük (Sie spricht gut Volapük) zu Ihnen. Vielleicht haben Sie jetzt schon eine Regel gelernt: Den Grundwörtern (Spik = sprechen) muss nur das persönliche Fürwort (om=er, of=sie) angehängt werden, um Personen korrekt zu bezeichnen. Weiter soll das aber hier nicht vertieft werden. Wer mehr mag, hat jetzt eine Adresse.

Bis zum nächsten Mal grüßt Sie herzlich Ihr

Horst-Dieter Radke

Die Fotos wurden mit der Penti II, gemacht einer Halbformatkamera, die in der ehemaligen DDR hergestellt wurde und nicht nur dort von 1961 bis Ende der 1970er Jahre sehr beliebt war.

http://lippisches-kameramuseum.de/Welta/Welta_Penti_II.htm

1) Beispiel aus dem Wikipedia-Artikel zu Volapük.

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