Scherben bringen Glück

Kennen Sie diese blöden Slapstick-Videos? Wo jemand auf der Bananenschale ausrutscht? Für denjenigen ist das schmerzhaft, für die Zuschauer lustig – dieses Rudern mit den Armen und dann fällt er. Das gibt es auch nur in den Stummfilmen der zwanziger Jahre mit Charlie Chaplin und so. Hab ich zumindest gedacht, bis ich mit meiner Freundin bei Ikea war. Das kommt wahrlich öfter vor, weil wir immer mal wieder den Kerzenmarkt in Bewegung bringen müssen.

Was wäre der deutsche Kerzenmarkt ohne uns?

Auf jeden Fall gehen wir auch immer, immer, immer in die Fundgrube: Wer weiß, ob man da nicht etwas Tolles zu einem sensationell günstigen Preis entdeckt. Auf dem Weg dahin, ich schob den Wagen, meine Freundin lief voraus … lag eine Bananenschale. Sie rutschte darauf aus. Es war tatsächlich und wahrhaftig wie in einer dieser Szenen im Stummfilm. Nur in Farbe und bunt und mit Ton. Leider konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen. Das ist gelogen. Ich habe mich abgerollt – ich habe gewiehert wie ein Pferd, Tränen gelacht.

Ich habe ihr auch aufgeholfen, natürlich. Sie hat mich böse angesehen – aber dann haben wir beide gelacht – Tränen.

Es gibt halt so Sachen, die glaubt man nicht, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. Und man glaubt auch nicht, dass man sie erleben kann.

Der geneigte Leser mag wissen, dass ich gerne koche. Nun gab mein heißgeliebtes, aber schon älteres und sehr beanspruchtes Ceranfeld den Geist auf. Jeden Tag wollte es immer weniger. Darauf wollte ich mich nicht einlassen. Der beste Ehemann von allen kaufte ein neues – sogar noch größer und besser. Da er vor seinem Studium eine Ausbildung gemacht hat, kann er auch Elektrik – und Sachen anschließen. Nun dauerte es eine Weile, bis wir die Zeit fanden, die Küchenschränke unter dem 80er Feld auszuräumen, die Platte weiter auszusägen und eine dritte Phase aus dem Keller hochzuziehen, weil dieses Ceranfeld drei Phasen braucht (nicht nachfragen, ich habe keine Ahnung, was das bedeutet, ich vertrau ihm da, er wird schon wissen, was er tut).

Freitag haben wir das alte Feld ausgebaut, die Arbeitsplatte weiter ausgesägt, Samstag war das neue Ceranfeld eingebaut, Samstagabend hatten wir die Phasen, alles war angeschlossen und es FUNKTIONIERTE.

Hier könnte es ein Happy Ending geben, aber Truth is stranger than fiction.

Ich hatte seit Monaten auf diesen Moment gewartet. Zwei Tage ohne Küche waren hart, das Wetter aber gut und wir konnten grillen. Samstag habe ich das erste Mal ein wenig gekocht. Sonntag etwas mehr. Am Montagmittag wollte ich nur mal eben drüberwischen, da machte es PENG und das Ceranfeld zerbarst in viele, große Splitter. OMG.

AgfaPhoto

Scherben bringen vielleicht Glück. Mir nicht. Ich kann nicht kochen. Mal wieder. Ein neues Kochfeld ist bestellt. Ob es passt und funktioniert erzähle ich vielleicht das nächste Mal.

Und es dürfen jetzt auch alle lachen, so, als wäre ich auf der Bananenschale ausgerutscht.

 Ihre Ulrike Renk

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