Vergessene Autoren: Richard Dehmel

Richard Dehmel wurde am 18. November 1863 in Hermsdorf in der Mark Brandenburg geboren. Sein Vater war Förster. Er ging in Kremmel zur Schule, wechselte im Jahr 1872 auf das Sophien-Gymnasium in Berlin und von dort aufgrund einer Auseinandersetzung mit der Schulleitung an das städtische Gymnasium in Danzig. Ab 1882 studierte er in Berlin Naturwissenschaft, Nationalökonomie und Philosophie und promovierte 1887 in Leipzig. Er arbeitete anschließend für eine Berliner Versicherungsgesellschaft, bewegte sich privat aber schon im Umfeld der Naturalisten (Arno Holz, Otto Erich Hartleben u.a.). 1889 heiratete er die Märchendichterin Paula Oppenheimer. 1891 erschien ein erster Gedichtband (Erlösungen). 1894 kam die Zeitschrift PAN heraus, deren Mitbegründer Dehmel war. Ein Jahr später gab er die Arbeit bei der Versicherung auf und lebte ab dieser Zeit als freier Schriftsteller. 1896 wurde er aufgrund seines Gedichtes „Venus Consolatrix“ angezeigt und wegen Verletzung religiöser und sittlicher Gefühle verurteilt. Das Gedicht musste im Buch (Weib und Welt) geschwärzt werden.


Und schweigend lüpfte sie die rote Rüsche
und nestelte an ihren seidnen Litzen
und öffnete das Kleid von weißem Plüsche
und zeigte mir mit ihren Fingerspitzen,
die zart das blanke Licht des Sternes küßte,
die braunen Knospen ihrer bleichen Brüste,
dann sprach sie weiter: Sieh! dies Fleisch und Blut,
das einst den kleinen Heiland selig machte,
bevor ich an sein großes Kreuz ihn brachte,
Maria ich, die Nazarenerin –
o sieh, es ist des selben Fleisches Blut,
für das der große Heiland sich erregte,
bevor ich in sein kleines Grab ihn legte,
Maria ich, die Magdalenerin –
komm, stehe auf, und sieh auch Meine Wunden,
und lerne dich erlösen und gesunden!

Das komplette Gedicht findet man hier

R_Dehmel_1905

1899 wurde Dehmel von seiner ersten Frau geschieden. Mit seiner neuen Freundin Ida Auerbach reiste er durch Europa und ließ sich 1902 in Hamburg, in der Nähe seines Freundes Detlev von Liliencron nieder. Bereits 1901 hat er Ida Auerbach geheiratet. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldet er sich freiwillig. Zwar schied er bereits 1916 aus dem Militärdienst aus, rief aber noch bis kurz vor Kriegsende zum Durchhalten auf. Er starb am 8. Februar 1920 in Blankenese.
Dehmel ist vor allem als Lyriker bekannt. Er schrieb aber auch Erzählungen, Stücke fürs Theater und Märchen mit seiner ersten Frau. Viele seiner Gedichte, in denen er bevorzugt das Thema Liebe und Sexualität behandelte, wurden von bekannten Komponisten vertont, darunter Hans Pfitzener, Max Reger, Arnold Schönberg, Richard Strauß, Anton Webern, Kurt Weil und Alma Mahler-Werfel. Mehr über ihn ist auf der – allerdings etwas chaotischen – Richard Dehmel Website zu erfahren.

Seine Gedichte sind in manchen Anthologien noch vertreten. Eigenständige Veröffentlichungen sucht man jedoch vergebens. Allenfalls sind es Nachdrucke der online immerhin verfügbaren Werke, zum Beispiel bei zeno.org oder im Projekt Gutenberg.

Eine Kriminalnovelle ist auch als E-Book im Amazon kindle Store oder bei beam-ebooks zu haben.

Ihr Horst-Dieter Radke““

P.s.:Eine vertonte Lesung findet man hier

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