Vergessene Autoren: Wilhelm Weigand

Wenn man von Lauda aus nach Heckfeld fährt, dort im Ort Richtung Ahorn abbiegt und dann etwa zwei Kilometer hinter dem Ort nach Gissigheim abbiegt, kommt man in diesem Ort an dem Haus vorbei, in dem der Dichter Wilhelm Weigand geboren wurde. Eine große Tafel mit viel zu viel Text berichtet über den Dichter, der angeblich die Ahnenschaft Jean Pauls, Stifters und Raabes fortgeführt habe. Zuviel der Ehre, denke ich mir, aber trotz aller noch vorzubringenden Bedenken muss ich sagen, dass Weigand ein Autor war, der ganz vergessen zu werden nicht verdient hat.

Gissigheim

Weigand wurde als Wilhelm Schnarrenberger geboren, nahm jedoch bereits im Jahr 1888 den Geburtsnamen der Großmutter an, denn bei ihr wuchs er seit 1863 auf. Der Vater war schon kurz nach der Geburt des Jungen gestorben, die Mutter in ihr Heimatdorf Heckfeld zurückgezogen, wo sie sich 1866 wiederverheiratete. Mit 14 Jahren verließ der Junge Gissigheim um in Wertheim das Gymnasium zu besuchen. Er wurde zunächst, gefördert von seinem Onkel Josef Schnarrenberger, der selbst Pädagoge war. Der junge Wilhelm Schnarrenberger arbeitete zunächst als Lehrer in Adelsheim und Tauberbischofsheim. Ein Streit mit dem Onkel soll Anlass gewesen sein, den Namenswechsel vorzunehmen. Weigand studierte dann in Brüssel, Paris und Berlin romanische Sprachen und Kunstgeschichte, zog 1889 nach München und veröffentlichte dort seinen ersten Roman: Die Frankenthaler. Damit setzte er Tauberbischofsheim und der fränkischen Region ein literarisches Denkmal. Weigand wurde Mitglied der Bayerischen Staatskommission für den Ankauf neuer Kunst, begründete die Süddeutschen Monatshefte mit, wurde Professor der bildenden Künste. In den 1940er Jahren erhielt er verschiedene literarische Preise (Hebel, Friedrich-Rückert u.a.). Am 20. Dezember 1949 wurde er in Gissigheim in einem von ihm selbst konzipierten Grabmal beerdigt. Er hinterließ ein umfangreiches und vielfältiges literarisches Werk.

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Das man sich heute nicht so gerne an Wilhelm Weigand erinnert, hat mit seiner Einstellung zu tun. Er zeigte sich früh mit antisemitischen Ansichten, sah in der Bodenfrage das Hauptproblem der Zukunft und im Marxismus eine große Gefahr. Bereits 1919 schrieb er den Tendenzroman »Die rote Flut«, der allerdings erst 1935 veröffentlicht wurde. Das passte gerade gut zur NSDAP-Literatur, obwohl Weigand von den neuen Machthabern nicht nur positiv aufgenommen wurde. Die Aufführung eines Schauspiels wurde sogar verboten. Die Anbiederung mit den Nationalsozialisten gelang also nicht allzu gut, so dass er auch ziemlich bald nach 1945 von den Amerikanern die Erlaubnis zum Schreiben bekam.

Bei all diesen »ideologischen Verirrungen« stellt sich die Frage, ist denn Wilhelm Weigand nicht ein Autor, der besser vergessen bleibt? Was die Tendenzromane – dazu gehören auch die späten Überarbeitungen der Frankenthaler – anbelangt, sicherlich. Auch seine Novellen sollten gut gesichtet werden, unter ihnen finden sich aber nicht wenige, die es wert sind, auch heute noch gelesen zu werden. Etwa die seine fränkische Heimat betreffenden Novellensammlung »Weinland« oder einiges aus seinem essayistischen Werk, etwa die heute noch als Taschenbuch erhältliche, 1911 erstmalig erschienene Biografie »Michel de Montaigne«, 1911, die der Diogenes Verlag nach wie vor vorrätig hält.

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Kritisch setzt sich eine Schrift von Traumaland mit dem Dichter Wilhelm Weigand auseinander.

In Gissigheim ist eine Heimatstube dem Dichter gewidmet, die man jeden 1. Sonntag des Monats oder nach Voranmeldung besichtigen kann. Dort kann man auch ein Heft erwerben, mit einigen Informationen zum Dichter und einer Novelle aus der Sammlung »Weinland«.

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Ihr Horst-Dieter Radke

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