von Birgit Gürtler
Vorurteile sind nicht angeboren. Sie werden gelernt. Kleine Kinder wissen davon noch nichts. Sie begegnen einander oft mit einer Selbstverständlichkeit, die wir Erwachsene längst verloren haben.
Wie war das damals, als wir auf den Spielplatz gingen? Vielleicht haben wir uns schüchtern umgesehen, sind freudig zu den Schaukeln gerannt oder haben uns im Sandkasten ein kleines Schloss gebaut.
Spielgefährten, die waren uns höchst willkommen. Man sah sich mit großen Augen an, ein zaghaftes Lächeln auf den Lippen und schon tobte man über Mauern, hing in angrenzenden Bäumen und spielte Cowboy und Indianer.
Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich einmal die Prinzessin spielen sollte, da ich ein mit rosa Blümchen bedrucktes Kleid trug. Aber auch die Hexe wurde mir nicht verwehrt, da stets eine Gleichberechtigung herrschte, die nicht verhandelt werden musste. Die war einfach da und ganz normal.
Und haben wir vorverurteilt? Nach der Hautfarbe, dem Status oder der Religion unser Gegenüber in Schubladen geschoben?
Hatten wir im Vorfeld Erwartungen? Musste das Kind etwas mitbringen, besondere Fähigkeiten vorweisen oder gar materiell einen guten Stand haben?
Das alles war uns nicht wichtig. Ein freundlicher Geist, ein bisschen Empathie und schon konnte man Freunde sein. Für einen Tag oder für immer.
Erst mit der Beeinflussung von Erwachsenen, vom Bildungssystem und vorherrschender Politik haben wir uns verändert. Ein Saatgut von Misstrauen, Überheblichkeit und Hartherzigkeit hat uns unbewusst beeinflusst. Auf Bahnen gelenkt und in Schubladen geschoben.
Mit Scheuklappen gehen die Menschen durchs Leben und haben vergessen, wie leicht das Leben sein kann, wenn man nichts erwartet, sondern das Gute in jedem sieht und nicht nach Fehlern sucht.
Kinder können wir nicht wieder werden und wollen wir wahrscheinlich auch nicht. Aber macht es nicht Sinn, sich diese freundliche Offenheit ab und zu ins Gedächtnis zu rufen? Als uns jedermann willkommen war, um an einer lustigen Welt aus Sand zu bauen.
