Die Prinzessin von Sansibar und der Wolf

Ein Preis für den längsten Buchtitel, der mir in den letzten Jahren untergekommen ist, verdient Wolf-Ulrich Cropp für dieses Buch ganz sicher. „Wie ich die Prinzessin von Sansibar suchte und dabei mal kurz am Kilimandscharo vorbeikam“ – der Titel hält, was er verspricht.

Von der Prinzessin von Sansibar erfuhr Wolf-Ulrich Cropp auf einem Hamburger Friedhof, denn dort ist Salme beerdigt. Sie wurde als Prinzessin von Sansibar geboren, verließ der Liebe wegen die afrikanische Insel und hatte zeitlebens Schwierigkeiten, sich an das Leben in der Fremde, in Deutschland, zu gewöhnen. Ihrer Herkunft und Geschichte nachzuspüren, macht Cropp sich auf den Weg nach Ostafrika. Der Kilimandscharo liegt sozusagen auf dem Weg von Hamburg nach Sansibar. Cropp verbringt einige Tage an seinem Fuß, ehe er sich auf den Weg zu seinem eigentlichen Ziel macht. Durch Massailand fährt er nach Bagamoyo, von wo aus er auf einer Dau die Überfahrt nach Sansibar unternimmt. Eine solche Überfahrt kann gefährlich werden, weshalb diese Boote keine Touristen mitnehmen. Doch Cropp überzeugt den Bootsführer davon, dass er kein Tourist ist. Und es ist wahr, er ist ein Reisender, kein Tourist. Als Individualreisender begibt er sich tiefer in das Land, seine Geschichte und seine Besonderheiten, als es Touristen auf vorgeplanten Touren können. Der Leser begleitet Cropp in das Afrika der Umwege, in dem es Geduld braucht und Vertrauen darauf, dass bei allen Umwegen und Unwägbarkeiten am Ende alles seine Richtigkeit haben wird.  Auch auf Sansibar braucht Cropp Zeit und Umwege, ehe sich ihm die Geschichte der Prinzessin eröffnet, über die hier nicht mehr verraten sei, als dass er sie von einer geheimnisvollen, schönen Frau erfährt. Doch der Weg dorthin ist verschlungen. Cropp erlebt die Abzocke eines Touristenguides, einen Unfall mit dem Motorroller, die wirksame Begegnung mit einem Wunderheiler und die Großmut des Motorrollerverleihers.

Cropp hat Afrika häufig bereist und viel über den Kontinent gelesen, aus alledem fließt immer wieder etwas in dieses Buch ein. So begleitet der Leser Cropp nicht nur auf dieser Reise, sondern erfährt auch mehr über Geschichte und Bräuche auf dem Kontinent. Das macht das Buch zu einer spannenden und erkenntnisreichen Lektüre, an deren Ende ich beginne, die Wochen zu zählen, bis ich endlich selbst wieder auf den afrikanischen Kontinent reise.

Geduldige Grüße,
Ihre Dorrit Bartel