Junge Poesie zwischen Dunkelheit und Hoffnung
von Ulrike Maier
Lea Zander hat sie erlebt, die schwarze Last der Schwermut und die atemraubende Panik, die aus dem Nichts zu kommen scheint. Eine junge Poetin, die uns teilhaben lässt an ihren psychischen Zuständen, Abgründen und Einsamkeiten, um mit ihren Gedichten und ihrer Kurzprosa das Unfassbare greifbar zu machen; für sich und andere. Egal, wie düster die Tage auch sind, will sie mit ihren Texten immer wieder auch ihre Leserinnen und Leser ermutigen, auszuhalten, aufzutauchen und dem Dunkel das Bunte abzuringen.
Dieses Buch ist für alle, so stellt sie vorne an, die glauben, zu viel und doch nie genug zu sein. Und dann kommen die Worte pur und authentisch, von Gedanken, die so laut sind, dass ich mein Herz nicht höre. Es ist junge Literatur, mit einem Sound und einem Rhythmus, der an die Poetry Slammerin Julia Engelmann erinnert, Poesie, die man sich auf einer Bühne vorgetragen wünscht.
Manchmal schreckt man zurück, vor so viel ungefiltertem, jungem Ich, und doch bleibt mein altes Ich an den Worten hängen, sehnt sich nach dieser Authentizität ungebremster Empfindungen, die einen mitreißen, fallen lassen. Jeden Tag. Ohne zu wissen, wann der Aufprall kommt. Und an düstere Stellen führt:
Mein Kopf ist
der dunkelste Ort,
an dem ich je gewesen bin.
So schreibt sie, ein Tagebuch oder eher Nachtbuch, voller dunkler Verse. Wer kennt sie nicht, die lichtlosen Momente, wer erkennt sich nicht, in dieser allumfassenden, zittrigen Angst. Doch Lea Zander geht auf sie zu, nimmt sie in den Arm: Liebe Angst, willst du meine Freundin sein. Und dann wandelt sich das fragile Ich und wendet sich zum Du. Auf die Verbindungen, die Trennungen und die Verluste:
Und die Wellen
erzählen Geschichten
von dir,
während der Wind dich
zu den Sternen trägt.
Wie Ebbe und Flut schwemmen Bilder zu uns her und werden wieder mitgerissen, die Gezeiten von Schmerz, von Hoffnung, vom Leben und Lieben. Denn:
Das Leben
kommt in
WELLEN.
Für mich der absolut stärkste Satz, neben vielen genial aufblitzenden Momenten, die die Zerbrechlichkeit zu einer Stärke machen. So auch in der Kurzprosa „Aquamarinblau“: Und hoffe, dass du verstehst, was ich nicht sage … Und hier wird die Prosa poetischer als die Lyrik, durch Auslassung – und eröffnet, was du selbst in dir siehst – ein ganzes Universum.
