Frieden – jeder wünscht ihn sich, keiner scheint zu wissen, wie man ihn erlangt. Den inneren, den äußeren, den politischen, den geopolitischen, den sozialen, den ökologischen Frieden. Aber Friede ist ein dehnbarer Begriff, oft missverstanden, missbraucht und in letzter Zeit häufig vergewaltigt. Selbsternannte Friedensfürsten fordern gewaltsam den Friedensnobelpreis, ein vermeintlicher Friedensrat teilt die Welt in Gewinner und Verlierer auf und „befriedet“ fremdes Territorium durch Aneignung und Ausbeutung mit dem Argument der militärischen Übermacht.
Wir Autorinnen und Autoren ringen um Worte, Halt und Haltung, finden oft selbst keinen Frieden und werden zunehmend sprachlos in Anbetracht der lauten Bilder. Kann man selbst über Frieden schreiben, wenn man den Frieden oft nicht in sich spürt? Ist das nicht vermessen? Kann man sich über dieses große Wort angemessen äußern, wenn man nicht Gandhi oder Mandela heißt? Wenn man um die eigenen Dämonen in sich und um sich weiß?
Wenn aber nicht einmal mehr die Sprachschöpferinnen und -schöpfer Worte suchen, wer dann? Und auf diese Suche darf man sich begeben, wenn der Weg das Ziel ist.
Frieden indes ist kein statischer Zustand, fest gemeißelt in Fels wie die Präsidentenköpfe in Mount Rushmore. Weder die Gewalt noch die Gewaltigen sollten das letzte Wort haben. Das sagen die Friedensstifter wie Daniel Djedouboum aus dem Tschad. Frieden ist ein Prozess, ein Weg. Und er beginnt mit dem ersten Schritt, dem ersten Wort.
Listen to peace, open heart, open mind, und lest ab kommenden Sonntag unsere kleine Friedensblogreihe.
Ulrike Maier
