Literatur in der Brotfabrik

 

Eine Literaturveranstaltung in einer Brotfabrik hört sich zunächst etwas komisch an. Aber nur für Uneingeweihte. Tatsächlich ist die ehemalige Brotfabrik in Berlin-Weißensee am Caligariplatz ein Kulturzentrum. Kneipe, Kino, Lesungen und vermutlich noch einiges mehr, was ich in der knappen Zeit, die mir zur Verfügung stand, nicht alles herausfinden konnte. Ich kam kurz vor Beginn und musste gleich zum Ende wieder weg, um ohne große Verzögerungen zurück nach Karlshorst zu kommen.

Es lasen Matthias Lanin aus seinem Roman „Ein Fiebelkorn“ und Maik Siegel aus seinem Roman „Hinterhofleben“. Beides sind Debütromane. Das schöne an diesem kurzweiligen Abend war, dass es nicht zwei Lesungen nacheinander gab, sondern eine bunte Mischung aus kurzen Textauszügen, Gesprächen der beiden Autoren über ihre jeweiligen Werke untereinander und Antworten auf Fragen aus dem Publikum. Alles bunt gemischt. Die Unterhaltungen der beiden Autoren bekamen stellenweise Werkstattcharakter, nämlich dann, wenn sie erzählten, wie sie zu ihren Figuren fanden und mit ihnen umgingen. Und wie sie schreiben.

Matthias Lanins Roman „Ein Fiebelkorn“ handelt von einer Liebe in Mecklenburg Vorpommern, die durch Krieg, Flucht, Gefangenschaft, DDR und Mauerfall nicht zerstört wurde und auch mit dem Tod der gemeinsamen Tochter fertig wurde. Das alles konnte natürlich an diesem Abend nicht vorgelesen werden, aber die kurzen Szenen, die Matthias Lanin zum Besten gab, beeindruckten schon durch ihre Detailtreue.

Maik Siegel erzählt in seinem Roman „Hinterhofleben“ von  einer Hausgemeinschaft im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg und was passiert, als ein Flüchtling aus Syrien in dieses Haus aufgenommen wird. Er schildert dies nicht aus der Sicht des Syriers – die er, wie er sagte, gar nicht hätte authentisch wiedergeben können – sondern aus Sicht der verschiedenen im Haus lebenden Personen. Zuweilen gelingen ihm dabei skurrile Situationen, manchmal berührende Momente. So wenn er erzählt, wie ein Kind versucht herauszufinden, was ein Flüchtling überhaupt ist.

Beide Romane finde ich interessant und möchte sie lesen. Einen habe ich mir gleich beim Autor gekauft, der andere muss noch etwas warten, bis er dran kommt. Welchen Roman ich mitgenommen habe, verrate ich nicht.

Ihr Horst-Dieter Radke