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So schön wie immer oder wie niemals zuvor? – Der Putlitzer Preis© 2025 – Teil 1

In diesem Jahr wurde der Putlitzer Preis am 14. Juni verliehen, wobei 2025 ein Jubiläumsjahr war: Der Preis wurde 20 Jahre alt (und zum 21. Mal verliehen), und die Scheunenlesung, die traditionell einen Abend vorher stattfindet, wurde 10. Aber eins nach dem anderen.

Erst einer, dann drei, dann vier, dann fünf – Donnerstag, der 12.6.

15:51 Uhr: Claudia und Beate biegen auf den Parkplatz des Hotels Falkenhagen in Pritzwalk ein, entern kurz ihre Zimmer, um sich wenig später ein kühles Getränk im Garten zu bestellen.

„Ach so, ich bin ja schon da. Bis gleich!“, textet Michael auf Beates Nachricht zurück und betritt gefühlte zehn Sekunden später die Bühne bzw. den Garten. Nicht lange dauert‘s, und es rattern Kofferrollen über Asphalt. Jo hat es auch geschafft, alle Hürden, die sich unterwegs bahntechnisch vor ihm aufgetan haben, zu überwinden.

„Hallo! Wie geht’s? Wie schön!“ schallt es durcheinander, sodass es der Protokollantin nicht möglich ist, auseinanderzudröseln, wer wann was gesagt hat.

Zwischendurch Meldung von Uli: Ach, sie ist noch unterwegs, das heißt, steht im Stau. „Sauheiß! Immer, wenn man denkt, jetzt müsste es doch gleich kommen, geht es noch zwei Stunden. Immer!“ Navi sagt, so gegen halb acht. Wenn Navi das sagt, wird’s auch acht, sind wir anderen uns einig. Claudia bietet an, die Speisekarte abzufotografieren, damit Uli sich überlegen könne, was sie essen wolle oder würde gegessen haben wollen, wenn das mit der Ankunft um acht auch nicht klappen sollte.

Die anderen können so lange nicht warten, der Hunger ist allzu groß, aber tatsächlich um acht: tatata! Auch Uli ist da. Kann noch ein Salätchen ergattern, derweil die anderen schon einmal Geschenkanhänger mit Bändchen versehen.

Copyright U. Maier

„Freitag, der 13.“! – Freitag der 13.6.

Geweckt von der Tür zum Treppenhaus, die im Minutentakt auf- und zurummst, machen jede und jeder der frühen Fünf so ihrs und seins: Sich noch einmal umdrehen, die kalte Dusche niederkreischen, Morgengymnastik oder – was weiß die Protokollantin schon? War ja nicht überall dabei. Ab acht jedenfalls trudeln die frühen Fünf im Frühstücksraum ein, um festzustellen: Veganer:innen müssen sich ans Obst halten, Vegetarier:innen haben noch Ei und Käse zur Auswahl (und natürlich Marmelade, Honig, Nutella!).

Anschließend machen alle was persönlich so ansteht. Claudia arbeitet. Beate hadert mit dem 13., Uli sucht Zahnpasta. Schließlich fahren die beiden noch rasch nach Pritzwalk, auftanken, Öl, Zahnpasta und weitere überlebenswichtige Dinge besorgen.

14:01 Uhr: Nachdem Platz 1 und Platz 3 bereits im Vorfeld hatten absagen müssen, trudelt die Nachricht von Platz 4 ein: Kann leider kurzfristig doch nicht kommen. („Begründete Absage“ sagt man da, um dem Datenschutz Folge zu leisten.)

15:00 Uhr: Tom ist pünktlich, bringt auch gleich noch die 42er Silke und Jörg mit und, ganz wichtig: 30 Schokogänse, die als erste kühl versorgt werden müssen.

Nach und nach trudeln auch ein: Holger, Karen und Jürgen mit seiner Frau Eva.

(„Hallo! Wie geht’s? Wie schön!“, schallt es durcheinander, sodass es der Protokollantin nicht möglich ist, auseinanderzudröseln, wer wann was gesagt hat.)

Die 42er sind komplett – also die, die im Falkenhagen einchecken wollten. Es wird zum Aufbruch geblasen: In der Pfarrscheune sammelt sich bereits das Publikum.

Copyright K. Pirow

Dort treffen wir auch Sophie, die aber erst in der zweiten Hälfte lesen wird. Etwas machen wir anders in diesem Jahr: Zum Auftakt erzählt Herr Dr. Kaatz charmant von seiner Jugend in der Prignitz und seinem Lebenswerk, dem Storchenhof Loburg, und liest schließlich seinen Text „Vom Totgeweihten zum ganz Lebendigen“.

Foto © Jörg Lingrön 31jpg

Dann starten die 42er mit der ersten Mottolesung in der zehnjährigen Geschichte der Scheunenlesung: „Freitag, der 13.“, dazu gibt es sofort eine Kurzgeschichte mit diesem Titel aus der Tastatur von Tom.

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Es folgt tiefsinniger Quatsch von Michael – immer wieder zwischendurch Beiträge aus Michaels Podcast „Tontrug – Bonmots und gute Worte“.  Den muss übrigens hören, wer nicht dumm sterben will.

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Danach: die ersten der 13 Freitage von Holger. Lyrik so klug, Poesie pur.

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Vor der Pause lesen immer die Platt-Kinder Geschichten auf brandenburgisch Platt vor. Heute aber liest das älteste „Plattkind“ der Gemeinde, weil keiner der beiden Emile kommen konnte. Ulla Berndt, ehemalige Lehrerin, ist nicht willens, das Platt in der Region einfach so in Vergessenheit geraten zu lassen. Dieses Mal geht es um Streich und Gegenstreich zwischen dem Putlitzer Apotheker und dem Schneider ein paar Häuser weiter.

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Nach der Pause dann kann sich das geneigte Publikum von Claudias Vielseitigkeit überzeugen, denn einmal ernst und bewegend, einmal charmant präsentiert sie dichte Texte.

Ein wirklich spannendes Thema bringt Jürgen Block mit. Gemeinsam mit seiner Frau Eva recherchiert er zu dem zu Unrecht unbekannten Schriftsteller Hans Meier, in dessen Lebensgeschichte so manches düstere Kapitel geschrieben steht. Die Kurzgeschichte, die an diesem Abend das Zentrum bildet, dürfen wir leider aus rechtlichen Gründen nicht hören, aber wenigstens erfahren, worum es geht. Die Protokollantin würde sich auf einen ganzen Abend Hans Meier und Jürgen Block freuen.

Foto © Jörg Lingrön

Nach den weiteren 7 von Holgers 13 Freitagen darf an diesem Abend Sophie nicht fehlen, die in Putlitz allen bekannt ist: aus früheren Jahren als Vorleserin bei mehreren Preisverleihungen, aber auch von den jährlichen Scheunenlesungen. Bei ihr hat Freitag, der 13. zugeschlagen.

Sie liest die berührende Geschichte von der unsterblichen Liebe zweier Sterblicher.

Fazit:

Es war lehrreich, gruselig, lustig, und berührend war es auch.

Es ist den 42erAutoren gelungen, die längste Scheunenlesung ever über die Bühne zu bringen.

  • Fortsetzung folgt!

Beate Paul

Leseneid (und ein bisschen Leseschadenfreude)

Ich halte mich nicht für einen neidischen Menschen. Es hat mich nie besonders gestört, wenn andere bessere Verkaufszahlen hatten, schlankere Schenkel oder teurere Urlaube. Meinen Freundinnen und Freunden gönne ich das von Herzen, bei allen anderen ist es mir, ehrlich gesagt, ziemlich gleich.

Und doch lerne ich in letzter Zeit, dass ich in einer Hinsicht nicht ganz frei von Neidgefühlen bin – einem sehr speziellen, sehr literarischen Neid: dem Leseneid.

Frei nach Nina George ist das der Neid auf einen Menschen, der ein Buch zum allerersten Mal liest. Diesen Leseneid festzustellen hat mich hart getroffen.

Es begann mit Der Brief für den König von Tonke Dragt – ein großartiges Buch. Falls Sie es nicht kennen: Ändern Sie das!. Mein ältester Sohn saß mit dem Roman auf dem Sofa, Zeigefingerknöchel im Mund, Wasser in den Augen. Ich musste nicht einmal fragen, was gerade passiert. Ich wusste es. Natürlich wusste ich es. Denn ich war ja schon einmal da – bei Tjuri, auf den Knien neben einem sterbenden Ritter, mitten im Unrecht, mitten in einer grausamen, unverständlichen Welt – und ich wusste, wie es weitergeht.

Und genau da spürte ich ihn: den Neid.
Den Neid darauf, dass mein Sohn etwas zum ersten Mal erlebt, das für mich nur noch Wiederholung sein kann.

Wie wunderschön ist es, zum ersten Mal mit Scarlett O’Hara für die falsche Liebe zu kämpfen? Oder mit Hercule Poirot im Orient-Express zu sitzen, noch ahnungslos, wer der Mörder ist. Wie magisch, zum allerersten Mal mit Harry Potter nach Hogwarts zu reisen – ohne zu wissen, was hinter der nächsten Tür wartet und doch im tiefen Gefühl, dass man hier von nun an immer willkommen ist?

Ich gestehe es: Ich bin neidisch.
Wie gern würde ich wenigstens noch einmal zum allerersten Mal mit Jay Gatsby nach dem grünen Licht greifen.

Aber, wie Nick Carraway so treffend zu seinem ewig träumenden Nachbarn und Freund Jay sagt: „You can’t repeat the past.“
Nein. Man kann es wirklich nicht.

Und doch – es gibt einen kleinen Trost.
Denn wenigstens muss ich nicht Gregs Tagebücher lesen. Weder zum ersten Mal noch überhaupt. Und auch die Schillers, Goethes, Brechts, die in der Schule noch lauern – die habe ich ebenfalls schon hinter mir.

Gibt es eigentlich Leseschadenfreude?
Ich fürchte, ja.
Und sie fühlt sich gar nicht so schlecht an.

Joan Weng

Blumen oder Sukkulenten, eine Frage der Gegebenheiten und was hat das mit meinen Protagonisten zu tun?

Wenn meine Protagonisten nicht machen, was sie sollen, dann verziehe ich mich gerne in den Garten.

Manchmal träume ich noch vom gelben Sonnenhut, der rosafarbenen Echinacea und deren zylinderförmigen Nektartopf, auf dem sich Hummeln tummeln, von dem Schmetterlingsflieder, der seinem Namen alle Ehre macht. Tagpfauenauge, Admiral und großer Fuchs flattern um die leuchtenden Blütenrispen. Auch das Taubenschwänzchen schwirrt durch ihre Mitte und besucht meine Sammlung von Phlox. Lila, rosa und dunkelblau. Ganz besonders stolz war ich auf die gestreiften Blütenblätter, die mich an Bonbons aus meinen Kindertagen erinnern.

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Verteidigung des Schottergartens

Unser Nachbar einige Häuser weiter hat seinen Vorgarten mit Gehwegplatten gepflastert und mit einem Betonkübel blauer Leberblümchen geschmückt. Praktisch: Das Gefälle des Vorgartens lässt das Regenwasser durch den Zaun in den Straßengully laufen. Wenn ich vom Bäcker komme, erfreue ich mich an dem Garten, da sich in den Fugen klitzekleine Hornveilchen festgesetzt haben. Weder Fugenkratzer noch Unkrautbrenner konnten ihnen anscheinend etwas anhaben, vielleicht weil sie sich schon an der Grenze zum öffentlichen Gehweg befinden. Oder der Hausherr, die Hausherrin oder beide zusammen hatten Mitleid, folgten ihrem Gefühl für Ästhetik oder ließen sie ohne weitere große Worte stehen.

Ich wettere nicht gegen Schottergärten, deren versickerungsverhindernde Wurzelschutzfolien gegen Unkrautbewuchs den Aufbau einer natürlichen Bodenfauna zerstören und deren Steingut – je dunkler, desto stärker – dazu beiträgt, unser Klima weiter aufzuheizen. Denn diese Vorgärten bieten mit ihren mineralischen Substraten auch Salamandern und Ruderalpflanzen, wie Königskerze und Wegerich, ein ökologisches Habitat. Und das Wichtigste: Pflaster- und Schottergärten sind ein Symbol für unser Leben in der Pionierzone des Alltags, wo wir der Unsicherheit der beruflichen und individuellen Existenz, kurz: dem Wahnsinn der aktuellen Zeitläufte ausgesetzt sind. Ich erkenne mich in dem Mauerblümchen wieder, das sich in einer Ritze in der Betonwüste festgekrallt hat.

Ein anderer Nachbar hat dagegen einen versickerungsfähigen Rasen, den er wöchentlich mit seinem Husqvarna-Rasentraktor traktiert. Dies ist ein Symbol dafür, wie wir unseren Lebenshalm mit Lärm und Gestank getrimmt halten.

Neben meiner Mutter wohnt einer, der seinen Vorgarten auf gut Glück und Gottvertrauen wuchern lässt und an einem Trampelpfad zwischen Haustür und Carport genug hat. Die Nachbarn schimpfen, aber dieser Garten ist ein Symbol dafür, dass es auch so geht. Zeig mir deinen Vorgarten und ich sage dir, was für ein Mensch du bist.

In den Vorgärten unserer Straße werden der abgezirkelte französische, der geschwungene englische und der geharkte japanische Garten in Ansehen gehalten. Nur an den chinesischen Garten traut man sich nicht heran, da er mit seinen tausend Seen und tausend Bergen dem darin spazierenden Kaiser die Einsicht vermitteln soll, dass selbst er den Gewalten der Natur unterworfen ist. Auch scheinen die Ansprüche des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in unseren Vorgärten auf keinen fruchtbaren Boden gefallen zu sein; während seines täglichen Spaziergangs durch den Garten mussten die Gärtner die Blumenrabatten mehrmals umpflanzen, damit sich bei der zweiten Spazierrunde nichts wiederholte; Ludwig ging im Gegensatz zu uns Normalsterblichen niemals zweimal durch den gleichen Garten.

Kommen wir jetzt zu unserem Rasenvorgarten, der nach Meinung meiner Frau Soraya einen Vertikutierer nötig hätte. Aber ich versuche es erstmal mit Komposterde, um das Wachstum der Grashalme anzukurbeln. Augenscheinlich fühlt sich der fleißige Maulwurf so wohl bei uns, dass eine holprige Landschaft entstanden ist, über die nur meine Mutter mit ihrem Gehwagen nicht glücklich ist. Unser Hinternachbar warf einen kritischen Blick auf unsere Totholzhaufen, aber Vögel und Gliederfüßler danken es uns täglich. Buschrose und Flieder am Zaun müssten auch wieder auf Vordermann gebracht werden, ich könnte weitere Gehölze nennen, anders gesagt: Unser Garten ist ein Work in progress.

Wofür unser Vorgarten im Ganzen symbolisch steht, darüber müssen Sie, lieber Leser, jetzt selbst entscheiden.

Ihr Jürgen Block

Der Löwenzahn hat sich schon auf Kosten des Hornveilchens breit gemacht. Life goes on.

Jagdszenen im Kleingarten

Nagetiere im Garten sind eine Sache für sich. Manche werden von uns geduldet. Aber es ist nicht einfach, mit ihnen umzugehen. Spitzmäuse beispielsweise sind Nützlinge und werden sogar gern gesehen, wenn sie nicht überhandnehmen. Gerät eine in die Lebendfalle, lasse ich sie wieder frei. Vor ein paar Jahren passierte dies ein und derselben Spitzmaus zweimal. Beim zweiten Mal kam sie nach dem Öffnen langsam heraus und lief nicht gleich eilig fort, sondern sah erst zu mir hoch mit einem Blick, als wollte sie sagen: »Musste das denn sein?« Dann trippelte sie davon. Immerhin hatte sie sich gemerkt, dass von mir keine Gefahr drohte.

Einige Jahre zuvor hatten wir es mit einer Wühlmaus zu tun. Den ersten Tipp, den man uns gab, es mit Buttersäure zu versuchen, ging gründlich daneben. Wir trieben sie damit nur von der einen in die andere Ecke des Gartens. Diverse Lebend- und Todfallen, die wir in die Gänge einbrachten, wurden umgangen. Bald brachen wir auf den Wegen ständig ein, was die Wühlmaus zu weiteren Grabarbeiten motivierte. Da platze mir mein pazifistischer Kragen und ich kaufte eine Schussfalle. Zwei Tage passierte nichts und ich überlegte schon, sie aus Sicherheitsgründen wieder auszubauen, doch am dritten Tag ging sie los und ab da war Ruhe im Garten, zumindest von dieser Wühlmaus und eine weitere hat sich zu unserer Erleichterung bis jetzt nicht eingefunden.

Einige Mäuse finden Blumentöpfe im Eingangsbereich und auf der Veranda interessant und nisten sich dort ein. Es hat eine Weile gedauert, bis wir das durchschaut hatten. Natürlich konnten wir das nicht dulden und stellten auch dort Fallen auf, die gerne angenommen wurden.

Am unangenehmsten sind aber Ratten. Da kommen bei uns Lebendfallen gar nicht erst in Frage. Gift möchten wir nicht einsetzen, denn das bedeutet einen qualvollen Tod. Außerdem haben wir Enkelkinder und wir wollen kein Risiko eingehen. Also stellen wir Schlagfallen auf. Das bedeutet einen sofortigen Genick- oder Schädelbruch und die Tiere müssen nicht leiden. Anfangs hatten wir etwas Probleme mit dem Köder, auf Käse waren die Ratten anscheinend gar nicht so scharf. Dann gab uns der Verkäufer in einem Gartencenter den Rat, Schokonussaufstrich aufzutragen. Der Tipp war gut, an diesem Köder kommen die großen Nager nicht vorbei und lassen wohl auch alle Vorsicht fahren.

Bei einer durch den Garten huschenden Maus geraten wir nicht in Panik und greifen auch nicht gleich zu einer Falle. Letztes Jahr hatten wir aber eine Mäuse-Invasion. Die kleinen Nager liefen uns ungeniert über die Füße und ließen sich bei allen Gelegenheiten sehen. Da stellten wir nicht nur eine Lebendfalle (im Kompostbehälter auch Todfallen) auf und erwischten mehr als 60 Mäuse. Die meisten, nämlich diejenigen, die in die Lebendfallen gingen – einmal hatten wir sogar zwei drin – siedelten wir um in ausreichender Entfernung (ca. 3 km hinter unseren Nachbarort und jenseits des Oberlaudaer Baches, also ca. 7-8 km von unserem Garten entfernt). Dieses Jahr hoffen wir auf einen normalen, also schwachen Besatz an Nagetieren in unserem Garten. Spitzmäuse bevorzugt.

Ihr Horst-Dieter Radke

Vatertag für alle!

„Früher gab es das ja nicht“, stellte unsere Mutter fest. Wir waren damals unterwegs im Münsterland und fuhren vorbei an Karawanen von geschmückten und mit Bierkästen beladenen Bollerwagen, die von gutgelaunten Männern jeder Altersklasse gezogen und geschoben wurden.

„Wohl“, belehrte sie meine Schwester. Im Religionsunterricht, den wir beide nur widerwillig besuchten, hatte sie erfahren, dass es diesen Brauch bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts in der Umgebung von Berlin gegeben habe.

„Ob das wirklich alles Väter sind?“ zweifelte unsere Mutter.

„Im Zweifelsfall wissen einige von denen das selbst nicht so genau“, warf meine Schwester ein.

„Deine Tochter scheint mir etwas frühreif“ beschwerte sich unser Vater bei seiner Frau.

Die beklagte sich zurück: „Meine Töchter sind früher am Muttertag ganz leise lange vor uns aufgestanden und haben den Frühstückstisch gedeckt, in Schönschrift Gedichte geschrieben und Blumenbilder gemalt.“

„Frühstückstisch decken wir immer noch“, widersprach ich, „und kaufen von unserem Taschengeld sogar richtige Blumen für Dich.“

„Den Tisch deckt ihr immer schon am Samstagabend, um nicht früh aufstehen zu müssen.“ Das stimmte. Unser Vater trug seinen Part bei, indem er Brötchen holte.

„Außerdem“ ergänzte meine Schwester, „hast du selbst gesagt, der Muttertag kann dir gestohlen bleiben, wenn wir den Rest des Jahres nicht zu würdigen wissen, was du für uns alles machst.“

„Und ich habe nie Vatertag!“, warf unser Vater ein.

„Du hast immer Vatertag“, erwiderte unsere Mutter spitz.

Vatertag, das war zum Beispiel heute, so ein Tag, an dem er seine Familie ins Auto packte, um mit ihr ins Grüne zu fahren, was wir einmal toll gefunden hatten. Inzwischen aber hätten wir uns auch eine andere Tagesgestaltung für Sonn- und Feiertage vorstellen können. Vatertag war auch jeder Samstag, an dem mein Vater durch die Wohnung tobte und uns ermahnte, unsere Zimmer endlich mal aufzuräumen.

„Aber ich bin nie mit anderen und Bollerwagen losgezogen“, beharrte unser Vater.

„Hättest du denn Spaß daran? Möchtest du das mal machen?“, fragte unsere Mutter verblüfft, oder war sie gekränkt?

„Nö“, erwiderte ihr Mann.

„Aber ob das hier wirklich alles Väter sind?“

„Sie könnten es ja sein, ohne es zu wissen“, sagte meine Schwester wieder, „und wollen halt nur auf Nummer Sicher gehen, damit sie nichts versäumen, was ihnen zustehen könnte. Vatertag für alle Männer im zeugungsfähigen Alter sozusagen.“

Unser Vater gluckste.

„Deine Tochter ist wirklich arg frühreif“, sagte jetzt unsere Mutter.

Paula Lankow

Was grünt so grün?

Man sollte meinen, Autor*innen seien bei der Gartenarbeit nicht ungeschickter als der Durchschnitt. Und das stimmt vermutlich auch – wir sind weder besonders begabt noch besonders unbeholfen, wenn es ums Umtopfen, Jäten oder Gießen geht. Aber was uns vielleicht von anderen unterscheidet: Wir neigen dazu, über jedes vertrocknete Blatt ein ganzes Kapitel zu schreiben. Und wenn wir beim Unkrautjäten ins Grübeln kommen, entsteht dabei nicht selten ein Krimi .

Deshalb gibt es in den kommenden Sonntagsausgaben kleine und große Betrachtungen zu den großen (und kleinen) Themen zwischen Gartenschaufel und Fantasie – mit Erde an den Fingern, aber dem Kopf irgendwo zwischen Sonnenfeen und Serienkillern.

Joan Weng

Die Sieger 2025 stehen fest!

Die Hauptjury – Vorjahressiegerin Katharina Körting, Autorin Silke Porath und Verleger Peter Hildebrandt – hat die Texte der Shortlist gelesen und bewertet, diskutiert und schließlich die besten SECHS gekürt:

6. Platz: Anna Rotele mit dem Text Die Seegurke ist der Staubsauger der Meere
5. Platz: Caren Ohrhallinger mit dem Text Konrad
4. Platz: Sahra Buck mit dem Text Achillesferse

Der 20-jährigen Tradition folgend, werden die Plätze 1-3 erst am Abend der Preisverleihung verkündet. Die Namen seien allerdings schon einmal in alphabetischer Reihenfolge hier genannt:

  • Thorsten Dörp mit dem Text Sommerbruch
  • Christoph Hein mit dem Text Entlang der Narbe
  • Özge Inan mit dem Text Papahydra

Die Preisverleihung findet auch in diesem Jahr wieder in der Pfarrkirche St. Nikolai in Putlitz statt, und zwar am 14.6.2025 um 18 Uhr.

Ihre Beate Paul

Lassen Sie niemals ein Buch unbeaufsichtigt – Sie wissen nicht, was Sie womöglich anrichten

Mein Blogkollege und lieber Freund Horst-Dieter wandte sich gestern an mich – in offensichtlich verführerischer Absicht und wohl wissend um meine Schwächen. Mit scheinheiliger Freundlichkeit fragte er: „Hast du schon mal einen Gespensterkrimi gelesen?“ Und noch ehe ich antworten konnte, schickte er mir den Link – zu einem Ort, an dem ich eine beunruhigend große Auswahl solcher Hefte erwerben könnte.

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Der Hype um Tiktok – muss man als Autor alle Social Media Kanäle nutzen, die im Netz existieren?

von Birgit Gürtler

Ich weiß noch, wie ein süffisantes Lächeln die Lippen meiner Freundin kräuselte. Schließlich die Aussage: Birgit, du bist nicht up to date. Du könntest so viel mehr Leser erreichen. Die Jüngeren, die heutzutage auf TikTok zu finden sind.

Man muss nicht überall präsent sein, gab ich schmollend zur Antwort. Ich habe doch schon Facebook und Instagram!
Innerlich ärgerte ich mich. Hatte sie recht? Entging mir etwas? Und dieses unverschämte Grinsen, als zähle ich plötzlich zum alten Eisen.

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