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Mein Freund Alex!

von Birgit Gürtler

Wer kommt heutzutage noch an der künstlichen Intelligenz vorbei? In vielen Bereichen wird sie genutzt, ob wir damit einverstanden sind oder nicht. Selbst in einem Spanisch-Kurs stellt mir die KI Fragen.

Als ich mich zu einem besonderen Projekt entschloss und viel im Internet über die Zeit der Romantik recherchierte, habe ich mich das erste Mal selbst an die KI gewandt. Schnell wurden mir die gesuchten Punkte aufgezeigt, ohne dass ich alles erst herausfiltern musste, was mich begeisterte.

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Wer ist Hans Meier? Der Recherche Zweiter Teil

Eva-Maria und Jürgen Block

„Wer ist Hans Meier?“, das fragen wir uns, Eva und ich, nach Wochen der Recherche immer noch. Ganz genau wissen wir nur, dass er am 26. August 1914 geboren wurde und am 12. November 2000 in Bremen starb. Wir besuchten Weggefährten, Gedenkstätten, Archive, aber langsam müssen wir einsehen und akzeptieren: Unser Bild vom Schriftsteller, Redakteur, Widerstandskämpfer, Ehemann, Vater und Großvater, Nachbarn, Politiker, Wissenshungrigen, Angler, Camper und Schwimmer wird nie vollständig sein. Alle Menschen, die ihn aus den verschiedensten Zusammenhängen kannten, beschreiben ihn als zurückhaltenden, freundlichen und gebildeten Mann, der eine stille Würde und Autorität ausstrahlte, ja, ein guter Bekannter bezeichnete ihn gar als Gentleman, der nie ohne Krawatte aus dem Haus ging.

Neulich habe ich aus Verzweiflung meine KI gefragt.

Antwort: „Hans Meier ist ein in Bremen erfolgreicher Maler, der auch mit Ausstellungen hervorgetreten ist, aber keine nationale Bekanntheit erlangt hat.“ Knapp daneben ist auch vorbei: Hans Meier, der 1914 in der Malerstraße in Bremen-Hastedt, einem Arbeiterquartier, geboren wurde, hat natürlich den Handwerksberuf Maler erlernt. Aber vielleicht haben Eva und ich die KI mit unserer Fahrt nach Bremen in die Irre geführt. Wir suchten zuerst die Bremer Kunsthalle (Eva wollte unbedingt die Ausstellung von Pipilotti Rist sehen) und danach unsere zweite Recherchestation auf, die Ostertorwache, die schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt. In dem Gefangenenhaus der Ostertorwache war Hans Meier in der Nazizeit wegen antifaschistischer Widerstandstätigkeit und „versuchten Hochverrats“ von Oktober 1936 bis April 1939 eingesperrt. Die Ostertorwache ist schon ein symbolischer Ort; gegenüber von Kunsthalle und Theater am Goetheplatz und einen Steinwurf vom Polizeihaus entfernt, in dem auch Hans Meier mehrmals verhört wurde und wo heute die Stadtbibliothek residiert.

Knast von 1823 bis 1996 mit dorischen Säulen:

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1. Recherche nach dem (fast) verlorenen Autor Hans Meier. Erste Recherche-Station

von Jürgen Block

Hans Meier. Merken Sie sich den Namen des bedeutenden Schriftstellers aus der Freien Hansestadt Bremen. Wikipedia hilft mit dem Artikel über „Hans Meier (Widerstandskämpfer)“ (1914 bis 2000) etwas weiter. Seine wichtigsten Veröffentlichungen werden genannt: zwei Erzählbände, „Kolonie Raffgier“ (1976) und „Damals im April“ (1990). Letzterer ist seit kurzem auch antiquarisch nicht mehr erhältlich. Sein veröffentlichtes literarisches Werk umfasst (nach heutigem Kenntnisstand) 24 Kurzgeschichten und 2 Gedichte. Das war’s, der Nachlass ist verloren gegangen.

Wir hätten gerne ohne große Worte eine Kurzgeschichte von Hans Meier verlinkt, damit Sie sich selbst ein Bild von dem Ausnahmeschriftsteller machen können. Geht leider nicht, im Netz scheint er sich hinter all den Hans Meiers, die es auf der Welt gibt, zu verstecken, und KI ist auch nicht viel klüger. Wir, meine Frau Eva und ich, haben deshalb vor, dem abzuhelfen und in naher Zukunft einen Erzählband von Hans Meier neu herauszugeben. Bis dahin müssen wir Sie leider vertrösten und können nur über Werk und Autor sprechen. In loser Folge werden wir hier im Blog über unsere Recherche nach dem verlorenen Schriftsteller Hans Meier berichten.

Lebenslauf: 1914 als Arbeiterkind geboren, Malerberuf erlernt, seit 1933 im Widerstand gegen die Nazis, von 1936 bis 1939 im Knast wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“, nach dem Zweiten Weltkrieg als Maler und Redakteur in kommunistischen Zeitungen tätig, Anfang der 1970er-Jahre wird sein Erzähltalent entdeckt, zwei Bücher werden herausgeben, im Jahr 2000 ist er gestorben.

Genug geschwatzt, jetzt die erste Recherchestation: Friedhof Huckelriede. Über die Friedhofsverwaltung Bremen haben wir die genaue Bezeichnung der Grabstelle erfahren.

Friedhof Huckelriede, anonymes Gräberfeld, Grabstellenbezeichnung 2490/68

Die anonyme Bestattung war im Jahr 2000 noch nicht so verbreitet wie heute. Freundin S., die wir zusammen mit Nachbarin I. im Rahmen unserer Recherche kennengelernt haben, erzählt uns davon, wie beeindruckt sie vor 25 Jahren bei der Trauerfeier war, als die Urne in einem kleinen Loch versenkt wurde, das, mit einer Grasnarbe verschlossen, wieder verschwand, als wäre es nie da gewesen. Dieses anonyme Gräberfeld ist auch ein Symbol für Leben und Werk von Hans Meier, der mit seiner scheuen Bescheidenheit sein literarisches Schreiben nicht an die große Glocke hängte. Folge: Wir wissen immer noch nicht genau, wie und mit wem er sein literarisches Handwerkszeug erlernt hat. War seine Frau Dorchen erste Leserin und kritische Instanz? Die Zeitgenossinnen, Freundin S. und Nachbarin I., kommen zu gegensätzlichen Antworten.

Heute liegen Hans Meiers Kurzgeschichten verstreut in entlegenen Zeitschriften und Anthologien vor und drohen über kurz oder lang gänzlich verloren zu gehen. Auch die Erinnerungen an ihn werden mit jedem Tag blasser, aber dank unserer Nachfragen tauchen scheinbar verloren gegangene Erinnerungen plötzlich wieder auf, wie I. uns gegenüber gesteht. Sie erinnert sich an einen freundlichen, zugewandten, häufig auch etwas distanzierten und in Gedanken an seine Geschichten versunkenen Menschen. Fast verblasst ist auch ein Foto aus dem Album von S., das Hans Meier auf dem Ostermarsch 1983 in Bremen im Profil zeigt:

Hans Meier 1983 neben einer im Schaufensterglas sich spiegelnden Freiheitsstatue im Leichentuch

Eva und ich saßen auf der Bank am anonymen Gräberfeld in Huckelriede. Wir ließen das Gespräch mit S. und I. noch einmal Revue passieren.

Sein Werk in Kurzfassung: In seinen Kurzgeschichten werden vor allem Erfahrungen aus dem Widerstand gegen Krieg und Faschismus verarbeitet. Dabei erzählt er vom Standpunkt der Nachkriegszeit mit raffinierten Rückblenden in die verschiedenen Stufen der Vergangenheit. Bei der Dialogführung orientiert er sich an der Short Story des von ihm sehr geschätzten Ernest Hemingway. Wir wissen, welch großen Einfluss Hemingway auf die deutsche Nachkriegsliteratur hatte. Unser Hans Meier hatte das verdammte Glück im Unglück, den amerikanischen Meister im Nazi-Knast lesen zu können, da das Personal des Gefangenenhauses „vergessen“ hatte, die Bibliothek von geächteter Literatur zu säubern. Diese und weitere literarische Einflüsse verarbeitet Hans Meier selbstständig zu besonderen Kurzgeschichten, die auf dem ersten Blick scheinbar einfach daherkommen.

Haben Sie Lust auf Hans Meiers Geschichten bekommen? Vielleicht können Sie im Internet ein Exemplar von „Kolonie Raffgier“ ergattern, ansonsten müssen Sie auf die Neuherausgabe seiner Geschichten warten. Als symbolischen Vorgriff zeigen wir Ihnen die Lenzrose, die Eva auch in dem Blumenladen in Huckelriede gekauft hat und die wir, frisch getauft als Hans-Meier-Rose, in unser Beet am Haus eingepflanzt haben.

Unsere Hans-Meier-Rose

Die Zeit bis zum Wiedererscheinen der Kurzgeschichten verkürzen wir Ihnen gerne mit weiteren, in diesem Blog exklusiv präsentierten, Stationen der Recherche nach dem verlorenen Autor Hans Meier.

Ihre Jürgen und Eva-Maria Block

Frühlingserwachen

Die Tage werden jeden Tag ein wenig länger. Der Frühling naht mit riesigen Schritten. Nur noch abends lodert eine Feuer im Kamin, die Nächte sind noch frostig. Als Bücherfreund sind die vier Jahreszeiten bei mir deutlich zu merken. Im Herbst wird meine Lesezeit länger, im Winter verbringe ich die meiste Zeit des Jahres mit dem Buch auf dem Sofa. Jetzt, im Frühjahr, verbringe ich die Zeit wieder öfters im Garten.

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Valentinstag

von Amos Ruwwe

Der Februar ist der Übergang von der dunklen Zeit in das grün werdende Frühjahr. Hier und da strecken schon die Schneeglöckchen ihre Köpfe aus der Erde, überall in den Geschäften stehen Eimer voller Tulpen und Narzissen. An einem der ersten Tage im Februar, es ein sonniger Tag, viel zu warm für den Februar, sehe ich zwei Meisen bei der Hausbesichtigung. Die Nistkästen habe ich alle schon sauber geputzt. Dass die Meisen jetzt, im Februar, schon anfangen mit dem Nestbau, das habe ich noch nicht gesehen. Während ich den Immobilienmarkt in meinem Garten beobachte, klingelt‘s.

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Ein gutes neues Jahr

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr. 2025 ist schon einige Tage alt, das 42er Blog-Team möchte Ihnen in diesem Jahr regelmäßig Neuigkeiten, wie zum Beispiel Buchbesprechungen, Neues aus dem Vereinsleben der 42er, Geschichten aus dem Leben, vorstellen.

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Zufälle als Strategie: Vom Blogtext zum Verlagsvertrag

von Dorrit Bartel

Es soll ja Menschen geben, die ihr Leben und ihre Karriere strategisch durchplanen, genau wissen, warum sie wann was tun und wie ihnen das hilft, ihre Ziele zu erreichen. Ich habe nie zu diesen Menschen gehört. Ständig habe ich Dinge getan, die mir irgendwie über den Weg gelaufen sind, die sich in diesem Moment interessant anhörten, an denen ich gerade Spaß hatte. Wann immer ich versucht habe, zu planen und alles richtig zu machen, kam nie das heraus, was ich mir erhofft hatte. Stattdessen liefen mir Dinge zu, wenn ich überhaupt nicht darauf aus war:  So wie ein Verlagsvertrag für mein Buch Afrikas Pulsschlag | Begegnungen in acht Jahren und vier Ländern. Der wäre nie zustande gekommen, wenn ich nicht für den Blog der 42erAutoren geschrieben hätte.

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Krass – der Grassauer Deichelbohrer

Ein Literaturpreis der Herzen

Gastbeitrag von Ulrike Maier

Vorneweg: Ich habe beim Literaturpreis „Grassauer Deichelbohrer“ nicht den ersten Platz belegt. Und natürlich – es muss eigentlich nicht erwähnt werden – ist der Putlitzer Preis der absolut tollste, größte, gigantischste und wichtigste Preis Deutschlands in der Kategorie Kurzgeschichten. Auf jeden Fall der skurrilste. Okay, genug von uns, es gibt noch andere. Es gibt die Wettbewerbe, die dir einfach nur Bescheid geben, dass du etwas gewonnen hast, das war’s. Es gibt die, da musst du anreisen, damit du überhaupt erfährst, ob du ihn bekommst, meistens ist das nicht so. Und es gibt auch noch die, da interessiert sich kein Schwein für dich – egal, ob Du da bist und egal, ob du gewonnen hast.

Vorneweg: Der Preis mit dem merkwürdigsten Namen ist für mich der Grassauer Deichelbohrer, und verliehen wird er im Chiemgau. Mehr braucht es manchmal nicht, um mich zu motivieren. Da wollte ich hin und mit mir über 500 andere! Als es hieß, ich sei eingeladen, hab ich jubelnd die Badehose eingepackt und bin an den Chiemsee gereist.

Vorneweg: Der Frühsommer 2024 lud nicht zum Baden ein, und die Anfahrt mit der Deutschen Bahn im Streikmodus nach Oberbayern ließ viel von der anfänglichen Euphorie unter die Räder kommen. Dann aber gab es ganz andere Kategorien, die uns sechs Nominierte das Staunen lehrten. In der Villa Sawallisch, einst das Wohnhaus des berühmten Dirigenten Wolfgang Sawallisch, waren wir mit Blick auf das großzügige Parkgelände untergebracht. Ein Ort, an dem sich sonst internationale Musik-Meisterklassen aufhalten. Allein das Badezimmer war größer als unsere Wohnung. Aber ich bin ja auch Autorin und setze da leider keine Maßstäbe. Erhaben das Gebäude über der Stadt. Überall ein Flair von Kultur und Musik.

Vorneweg; Ich bin nicht besonders bewandert in klassischer Musik und kam mir neben dem Hausherrn und Dirigenten Andreas Baumgartner plötzlich ganz klein vor, wollte am liebsten gleich abreisen, damit keiner merkt, dass ich außer Haindling und LaBrassBanda nichts kenne. Aber kaum war das laut ausgesprochen, atmeten alle anderen fünf Nominierten auf. Und dann bestellten die zwei Menschen, die das Herz des Literaturpreises darstellen, die Jugendbuchautorin Christine Paxmann und der Autor und Literaturagent Klaus Bovers, erst einmal Wein beim Hausherrn nach. Damit wir alle mal runterkommen und wieder das Atmen anfangen. Das Herz der Küche wiederum war die Irmi, die uns drei Tage lang von morgens bis abends aufs Köstlichste bewirtete.

Vorneweg: Es war die allergrößte Wertschätzung, die wir sechs jemals im Rahmen einer Preisverleihung erfahren hatten. Christine und Klaus, die guten Seelen dieser Tage, hatten ein umfangreiches Programm vorbereitet: mit Besichtigungen und Wanderung auf dem Höhenweg zu verschiedenen Wasserfällen und mit Museumsbesichtigung über die historische Pipeline für die Salzsohle, von der der Preis seinen Namen hat. Und vor allem waren da unendlich viele Gespräche und Geschichten, Austausch und Späße, Anrührendes und Bewegendes.

Vorneweg: Die Preisverleihung war großartig, aber gar nicht mehr so wichtig. Der Schauspieler Sebastian Fischer, der schon alles bespielt hat, was die deutsche Serienlandschaft hergibt, las unsere Geschichten auf sehr einfühlsame und beeindruckende Weise und verbrachte mit uns den ganzen Abend. Die jugendliche Bläsergruppe begleitete die Veranstaltung, natürlich auf höchstem Niveau, und – das gibt es bei Lesungen auch nicht immer – der Saal war brechend voll! Auch noch als Platz drei bekam ich einen kleinen eingefassten Deichelbohrer.

Ein Preis für die Seele. Leute, nächstes Jahr ist die nächste Ausschreibung!

Beim Putlitzer Preis aber geht’s schneller, die Ausschreibung ist im Spätsommer, und was der Deichelbohrer fürs Herz, ist der Putlitzer fürs Verrücktsein, nicht nur fürs Schreibverrücktsein. Aber genug von uns, hach.

Ihre Ulrike Maier


Die Autorenwelt einfach erklärt von Dorit David

Heute aus dem Schreiballtag…:

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Der Zweiundvierziger – Das Buch

Bei der 20. Verleihung des Putlitzer Preises feierten wir dieses Jahr das 25-jährige Vereinsjubiläum. War das ein Spaß und war das eine Freude! Getrübt nur ein kleines bisschen dadurch, dass das Jubiläumsbuch nicht pünktlich zum Fest vorlag, sondern erst einen Tag später geliefert wurde.

Aber nun ist es zu haben, ein quadratisches Lesebuch mit Texten von (in umgekehrter alphabetischer Reihenfolge): Clemens Wojaczek, Holger Willenberg, Joan Weng, Andreas Uhlig, Anja Stiller, Christine Siebert, Stefan Schulz, Amos Ruwwe, Yvonne Roche Harth, Horst-Dieter Radke, Sören Prescher, Catrin George Ponciano, Beate Paul, Joachim Off, Ulrike Sabine Maier, Tom Liehr, Jörg Lingrön, Kristin Lange, Claudia Kociucki, Bettina Klusemann, Kaelo Michael Janßen, Ingrid Haag, Achim Friker, Monika Detering, Dorit David, Sven Buchsteiner, Jürgen Block, Dirk-Uwe Becker, Dorrit Bartel.

Dazu Cartoons von Dorit David und diverse Laudationen sowie ein plattdeutscher Beitrag zum Putlitzer Pries von Ulla Berndt Ein Buch zum Blättern, Schmökern und Immer-wieder-in-die-Hand-Nehmen.

Es ist zu haben, für jede und jeden (zumindest so lange der Vorrat reicht). Einfach 5 Euro auf das Vereinskonto (IBAN DE30 4306 0967 1147 6389 00 BIC GENODEM1GLS) überweisen und dabei die Anschrift angeben.

Kommt dann sofort, zumindest so schnell, wie die Postbotinnen und Postboten laufen können.