Reichsbürgernähe

von 42er

von Dorit David

Der König war in Haft, endlich. Ein Dorf atmete auf. Vorerst. Rutenberg. Eine kleine uckermärkische Siedlung, die ich öfter beradwandere. Dabei musste ich vor einigen Jahren mit Schrecken feststellen, dass ich die gleichen Dinge mag wie andere Leute, die ich aber überhaupt nicht mag.

Ich meine die Königsreichsbürger. Wie in vielen Dörfern gibt es nämlich auch in Rutenberg Immobilien, die lange leer standen. Unter anderem ein gelbes Haus. Ich vermutete, dass es an den Altlasten liegt, vielleicht war es Asbest verseucht. Und wer will sich schon mit Gift umgeben? Ebenso stand der alte Dorfkrug leer. Und auf den hatte der falsche König ein Auge geworfen. Des Königs Gesandten streunten damals durchs Dorf, um attraktive Ländereien zu erkunden. Sie taten es, ohne ihr wahres Gesicht zu zeigen. Es kam trotzdem heraus. Die taffen Dörfler zeigten daraufhin umgehend Gesicht in Form von Plakaten: Der Kronsee braucht keinen König! Niemand will heim ins Reich. Ein Bündnis für Demokratie agierte von da ab dort. Aber noch immer steht der Dorfkrug leer.

Ganz früher gab es mal eine Zeit, da verkaufte mir ein netter Freak dort eine letzte Tasse Kaffee. Ein paar Katzen streunten herum, bevor es ganz still wurde.

Und dann kam der König. Viele Sommer fuhr ich dort vorbei, um herauszubekommen, wie sich die Dinge entwickelten. Jedes Mal mit einem zunehmend unguten Gefühl.
Doch dann kam der selbsternannte Monarch in Haft. Fitzek ist sein Name. Es handelt sich dabei jedoch nicht um jenen Fitzek, der in seinen berühmten Thrillern das Böse zum Klingen bringt. Der ist friedlich und heißt Sebastian. Nein, dieser Herr Fitzek heißt Peter. Aber seit geraumer Zeit kann dieser selbsternannte Peter der Erste vorerst nicht mehr dafür sorgen, dass irgendein Thriller Wirklichkeit wird (oder aus dem Dorfkrug ein Reichs-Burger-King).

Wer will schon altes Gift um sich haben?