Renaissance – First
Von den üblichen Schülergedichten und kurzen Texten einmal abgesehen, begann mein ambitioniertes Schreiben 1970, und zwar mit einer Schallplatte der britischen Progressive-Rock-Band »Renaissance«. Keith Relf und Jim McCarty hatten sie nach der Auflösung von »The Yardbirds« gegründet. Relf brachte seine Schwester Jane als Sängerin mit in die Band und John Hawken, ein klassisch ausgebildeter Pianist, sowie Louis Cennamo am Bass vervollständigten die Truppe. Heraus kam eine Mischung aus Rock, Pop und Klassik, die sich hören lassen konnte. Das erste Album »First« konnte überzeugen, was wohl auch daran lag, dass vier der fünf Songs von Relf & McCarty geschrieben wurden, einer von Hawken & McCarty.
Schon das folgende Album »Illusion« war mehr Pop-Firlefanz, mit nur wenigen Anklängen an das erste Album. Ich habe die Band damals zweimal in Hamm gesehen, einmal in Urbesetzung und das nächste Mal bereits mit Mitgliedern der späteren zweiten Inkarnation. Ab dem dritten Album war keiner der Gründungsmitglieder mehr dabei, aber das ist für diese Betrachtung hier nicht weiter interessant.
Es war damals auch nicht (nur) die Musik, die mich zum Schreiben anregte, sondern das Cover des ersten Albums.

Das gelb-braun dominierte Cover zeigte eine karge Landschaft mit Resten einer wohl vergangenen Zivilisation die teilweise an Stonehenge, teilweise an antike Ruinen, mit etwas Phantasie aber auch an eine zukünftige Zivilisation erinnerte. Doch alles war menschenleer. Ich saß damals, während die Schallplatte lief, auf meinem Bett und war mehr in dieses Cover vertieft als in die Musik (unüblich für mich damals). Ich versuchte zu ergründen, was der Künstler sich bei diesem Bild gedacht haben könnte, kam dann auf eigene Ideen und bereits nach wenigen Tagen und wiederholtem Hören und Anschauen saß ich am Schreibtisch und tippte auf meiner Olympia Monica Schreibmaschine meine erste längere Erzählung. Es wurde eine furiose SF-Zeitreisegeschichte, in der ein junges Paar durch ein Zeitloch in eine andere Wirklichkeit fällt, die leer von Menschen ist, und in der sie die Ursachen ergründen wollen, was zu einem wirklich depressiven Ende führt. Freunde, denen ich die Geschichte damals vorlas oder zum Lesen gab, schüttelten den Kopf. Im Grunde fanden sie die Story gut, aber ich hätte ein bekömmlicheres Ende schreiben können, sagte einer. Das leuchtete mir nicht ein. Es wäre ja nur das Ende der Erzählung, nicht aber das Ende der Geschichte, behauptete ich, aber ich hatte auch den Eindruck, dass dies nicht überzeugen konnte. Deshalb versuchte ich auch gar nicht erst, die Erzählung zu veröffentlichen, weder in der Schülerzeitung noch in der damals aufblühenden Untergrundpresse (Stichwort: Ulcus Molle Info), in der das sicher möglich gewesen wäre. Aber dennoch: Ich war stolz, überhaupt solch eine lange Geschichte geschrieben und zum Abschluss gebracht haben zu können. Da geht mehr, dachte ich mir und schrieb fleißig weiter. Über Novellenlänge kam ich damals noch nicht hinaus und vor allem machte mir das Feilen an Kurzgeschichten durchaus auch Spaß, aber es vergingen noch ein paar Jahre bis die ersten Texte gedruckt vor mir lagen.
Dass der Ausgangspunkt sozusagen von Musik motiviert war, will mir rückblickend als logisch und richtig erscheinen. Die Platte von Renaissance höre ich heute dann und wann noch gern.
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