Dabeisein ist alles – Autoren und Sport

„Sport ist Mord“ sagt man und meint damit meistens die Anforderungen und Bedingungen, denen sich professionelle Sportler stellen müssen. Auswüchse wie Doping und (Sport)Wettbetrug sind inzwischen jedem bekannt.

Im übertragenen Sinne habe ich das schon als Schüler kennen gelernt. Als die Lehrer feststellten, dass ich gut laufen konnte, wurde ich für die Stadtsportfeste gebucht und auch auf Kreisebene mit zu Sportfesten genommen, nachdem ich in der Staffelgruppe der Schule zu einem zweiten Platz mitverholfen hatte. Gruppenaktivitäten waren mir lieber als Einzelkämpfertum, deshalb lief ich auch lieber in der Staffel, als alleine Runden zu drehen.

Dummerweise lief das aber nicht nur so nebenher. Zusätzliches Training war angesagt und »mentales Doping«. Man sollte ja gewinnen. Leider hatte das jedoch bei mir keine Priorität. Natürlich freute ich mich, wenn ich gewann – beim Spiel, beim Sport meinetwegen auch im Lotto, wenn ich das gespielt hätte. Aber das »Gewinnen« war nicht mein Ziel. Ich hatte einfach Spaß an der Bewegung.

Gegen diese in ihren Augen falsche Einstellungen gingen die Lehrer und Sportverantwortliche natürlich an. Das konnte ja nichts werden, wenn einer sich so wettbewerbsfeindlich aufstellte.

Tatsächlich wurde es auch nichts mit meiner Sportkarriere, denn ich verabschiedete mich aus dieser Tretmühle recht bald, was mir schlechtere Sportnoten einbrachte. Noch schlechter wurden die Noten, als ein neuer Sportlehrer kam, der besonders dem Fußball zugetan war. Da war ich nun überhaupt fehl am Platz, ich spielte möglichst nicht mit und wenn ich musste, spielte ich »Ballvermeidung«. Ins Tor hat man mich nur einmal gestellt.

Später kam die Freude am Schwimmen. Ich wurde von Freunden mit in den Schwimmverein geschleppt, nahm am Leistungstraining teil, weil ich Spaß dran hatte. Als man mich nötigte, jetzt auch mal einen Wettkampf mitzumachen, sagte ich nein. Da wurde ich auch beim Leistungsschwimmen nicht mehr geduldet. Was sollte einer da, der die Leistung nicht zeigen wollte?

Es war da aber sowieso schon die Zeit, wo andere Interessen sich in den Vordergrund drängten: Musik und Mädchen. Beides passte hervorragend zusammen. Im Bus nach einem der ersten Auftritte im Jugendzentrum von Mädchen angesprochen zu werden – ›Ey du, gestern im Jugendzentrum. Echt klasse. Und wie du „Nights in white satin“ gesungen hast, super. Woher kannst du so gut Gitarre spielen?‹ Da musste man erst lernen, richtig drauf zu reagieren, nicht einfach nur rot zu werden.

Der Bewegungsdrang kam trotzdem nicht zu kurz. Der Weg vom Übungsraum in Hamm-Norden nach Hövel war immerhin gut fünf Kilometer weit und wenn wir aufhörten zu üben, fuhr oft schon kein Bus mehr. Oder wenn wir in den Zentralhallen in Hamm-Westen zu irgendeiner Rockveranstaltung waren, mussten wir nächtliche zehn Kilometer zu Fuß zurücklegen. Derartige sportliche Leistungen fanden aber nirgendwo Anerkennung. Selbst die Eltern meckerten: „Wann bist du heute Nacht wieder nach Hause gekommen? Was soll aus dir nur werden?“

Ganz klar: Kein Sportler. Das habe ich auch bis heute durchgehalten.

Ein bisschen aus dieser Haltung heraus nehme ich selten an Schreibwettbewerben teil. Na ja, nicht so ganz. Hier und da habe ich schon mal mitgemacht. Erfolglos bislang. Mir fehlt einfach diese Haltung, auf ein Ziel hinzuarbeiten, das nur Eine oder Einer erreichen kann. Da dieses Ziel meist auch noch mit einer Aufgabenstellung verbunden ist, die ich zum Ausschreibungszeitpunkt meist nicht interessant finde, unterbleibt bei mir der Reflex, mich in die Reihe zu stellen und beim Startschuss loszurennen.

So ist es bis heute. Moment … ich wollte doch noch was schreiben? … Ach ja, jetzt habe ich es wieder: Die Idee zu diesem sportlichen Beitrag kam mir beim Rasenmähen. An Bewegung fehlt es mir auch ohne Sport bis heute nicht.

 Ihr Horst-Dieter Radke

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