von Birgit Gürtler
Diese, oder eine ähnlich lautende Frage haben sicher viele schon gestellt bekommen, die Geschichten schreiben. Auch mir wurde sie schon häufig von Leuten gestellt, die sich für meine Passion – das Erfinden von Schauplätzen, Charakteren und düsteren Wesen interessieren.
Es muss 2010 gewesen sein. Damals besuchte ich regelmäßig eine alte Dame im Seniorenheim. Gretel hieß sie. Immer dienstags, wenn ich in der Nähe war, aßen wir ein Stück Kuchen im Speisesaal des Heimes. Eines Tages stand etwas auf ihrem Tisch – eine alte mechanische Schreibmaschine.
Sie wüsste überhaupt nicht, wieso sie das Teil mitgenommen hätte, und es würde ihr nur das bisschen Platz, der ihr noch in ihrem Zimmer zur Verfügung stand, blockieren.
„Möchtest du es nicht mitnehmen?“
Ich zuckte erst mit den Schultern. Presste die Lippen zusammen, ehe ich nickte. In Gedanken sah ich mich bereits auf den Tasten drücken. Eine meiner vielen Ideen zu Papier bringen. Ja, es fühlte sich nach einer Herausforderung und einem großen Abenteuer an.
Da saß ich nun. Führte das erste Blatt Papier ein und tippte meine ersten Buchstaben, beobachtete, wie die metallenen Arme, die Typenhebel wie kleine Katapulte nach oben schossen, das Farbband trafen und ihre Spur hinterließen.
Der Anfang ging schnell, die erste Tasse Kaffee war schnell geleert, doch dann wurde es knifflig. Worum sollte es wirklich in der Geschichte gehen? Vom Gefühl her, hatte ich sie genau vor mir, doch wie das alles plausibel erzählen?
Mein Mann blickte gleich misstrauisch, als er am Abend von der Arbeit kam und mich schreiben sah. Ich schätze, mein Übermut muss ihm ziemlich auf den Zeiger gegangen sein. Jeder weiß, wie laut ein Anschlag klingt und wenn man erst mal Fahrt aufnimmt, dann ist das sicher kein angenehmes Geräusch, bei dem man seinen Feierabend verbringen möchte. Doch er hat es tapfer ertragen und nur milde gelächelt. Er kannte das schon – wenn mich ein neues vermeintliches Hobby eroberte, um dann still und leise im Nichts zu verklingen. Aber so schnell sollte sich das diesmal nicht verhalten. Eifrig machte ich mir Notizen und tippte meine Buchstaben, Sätze und ganze Kapitel. Je mehr ich schrieb, desto klarer wurde der Erzählstrang für mich.
Nach zwei Wochen kam ich heim und ein Laptop stand dort. Das wäre doch moderner und auch viel weniger laut. Das hat mich dann letztendlich nicht nur riesig gefreut, sondern auch darin bestärkt, nicht aufzugeben.
Mein erster Mystery-Thriller entstand. Diese Story wurde nicht meine erste Veröffentlichung, doch irgendwann bekam auch diese Geschichte ein Verlagszuhause bei Telegonos Publishing. Diesen familiären Verlag gibt es leider nicht mehr, doch ich bin heute noch stolz, dass ich dort einen Platz gefunden habe.
Ob ich je einen Roman geschrieben hätte, wenn dort nicht diese alte Schreibmaschine gestanden hätte? Wer weiß!
