„Ich wollte und konnte noch nie ohne einen Stift in meiner Hand.“

4.2 Fragen an unser Neumitglied Sophie Kamann

Sophie Kamann

Hallo Sophie, wie wundervoll, dass du nun zu unserem Verein gehörst! Da haben wir gleich ein paar Fragen, 4.2 um genau zu sein.

Also zu allererst, wie bist du zum Schreiben gekommen?

Oh, das ist eine lange Geschichte, wie es so schön heißt. 😊 Denn das Schreiben begleitet mich eigentlich schon mein ganzes Leben lang – man kann es als einen Anfang sehen, als ich mit vier oder fünf Jahren durch unseren Blumengarten spazierte und laut vor mich hin erzählte und dichtete. Meine Mama ist dann immer hinter mir hergelaufen und hat sozusagen meine „Frühwerke“ aufgeschrieben. <!--more-->

Sobald ich selbst das Alphabet beherrschte, gab es kein Halten mehr – ich habe angefangen Unmengen an Büchern und Gedichten zu lesen und spätestens bei Rilke gewusst, dass ich so etwas auch „erschaffen“ möchte – aber auf meine Art. Ich begann also, eigene Ideen aufs Papier zu bringen. Bis ich mich aber wirklich mit etwas Selbstgeschriebenem auf die Bühne getraut habe, hat es allerdings noch bis 2016 gedauert.

Schreiben ist für mich einfach so selbstverständlich und auch lebensnotwendig wie das Atmen – ich wollte und konnte noch nie ohne einen Stift in meiner Hand. 😉

2) Du bist Lyrikerin. Was fasziniert dich an dieser Form besonders?

Ich würde mich allgemein als jemanden beschreiben, der sehr auf Details achtet – auf Dinge, die niemand anderem auffallen und mir deshalb umso wichtiger sind. In meiner Lyrik sehe ich einen Weg, all diese Details zu einem dichten Muster aus Worten und Rhythmus zu verbinden. Oft benutze ich hier den Vergleich des Webens: Ein „Satz“ ist quasi mein Faden, an dem ich Vers für Vers die Worte und Beobachtungen wie kleine Perlen aufreihe und einwebe. Für mich ist es das schönste Gefühl der Welt, „das perfekte Wort“ zu finden, dass mein „gewebtes Bild“ vervollständigt. Selbst, wenn ich länger danach suchen muss. Ich verfasse zwar auch Prosa und andere Genres, aber Lyrik spiegelt meine Gedanken irgendwie immer am besten wider – und sie ist unglaublich vielfältig. Wenn ich ein Gedicht schreibe, mag ich es, zu wissen, dass ich an keine bestimmte (Satz-)Struktur gebunden bin und alles erlaubt ist, solange ich selbst mit dem Ergebnis zufrieden bin.

3) Wer sind deine Lieblingsautoren/innen?

Seit ich klein war, mochte ich immer sehr die Bücher von Lucy Maud Montgomery, weil ich mich mit ihren Protagonistinnen, die selbstbestimmt ihren eigenen Weg gehen, total gut identifizieren kann. Von der Lyrik her inspirieren mich, wie bereits erwähnt, Reiner Maria Rilke, aber auch Heinrich Heine, Erich Kästner und Mascha Kaléko am meisten.

4) Können Autoren/innen die Welt verändern?

Natürlich! AutorInnen machen das jeden Tag, mit jeder Zeile, die sie schreiben. Mit jeder Beobachtung, die sie teilen, jeder genialen Kreation aus Worten, durch die sie die Welt um ein Stück verschönern, mit jedem neuen Gedanken, der zu Papier gebracht wird, werden auch Rufe nach der Kommunikation mit den eigenen Gedanken lauter. Und diese scheint in der heutigen, schnelllebigen Welt, wo man gefühlt mit jedem mehr kommuniziert als mit sich selbst, wichtiger denn je… AutorInnen sind natürlich auch keine Übermenschen mit Heiligenschein, aber sie finden einen Weg, Unaussprechliches auszudrücken und machen so auf Dinge aufmerksam, die viel zu oft (bewusst) übersehen werden.

4.2.) Warum ausgerechnet die 42er Autoren?

Mit dem Verein verbindet mich so Einiges: Seit 2018 bin als Vorleserin der Siegertexte beim „Putlitzer Preis“ involviert; dieses Jahr war ich auch schon zum zweiten Mal auf der Scheunenlesung in Putlitz als „Gastautorin“ dabei. Über die Zeit habe ich den Verein also immer besser kennengelernt und fand und finde das Konzept großartig, als AutorIn einen Raum zum professionellen Austausch mit Gleichgesinnten zu haben. Ich stehe momentan ja noch relativ am Anfang meiner „schriftstellerischen Karriere“ und finde eine gewisse Orientierung wichtig. Außerdem war mir zu Ohren gekommen, dass sich im Verein schon lange der Wunsch nach einer Verstärkung in der „Lyrik-Ecke“ manifestiert hatte. 😊 Dazu kommt noch, dass ich meine Prignitzer Heimat liebe und ein Literaturverein mit Sitz in Putlitz da perfekt passt!

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