Ich komm getz im Fernsehen! (frei nach Herbert Görgens aka Ingolf Lück)

Wer hätte gedacht, was für die Autorin alles so dranhängt, wenn ein Verlag ein Buch veröffentlicht! Ein Gespräch mit der örtlichen Zeitungsredakteurin? Kein Problem. Ein Telefoninterview mit einem Journalisten der Frankfurter Rundschau? Wow. Mach ich doch gern! Eine Kultursendung im Hessenfernsehen will einen Bericht darüber bringen? 6 Minuten lang soll er werden? Echt? Ja, geil. Interview geben? Kann ich inzwischen. Nur her mit den Fragen.

„Wir kommen dann am Freitag mit einem Übertragungswagen zu Ihnen.“

Wie bitte? Das Fernsehen kommt? Zu mir? Ich muss die Fenster putzen! Ich muss zum Frisör! Ich muss mich ENTSPANNEN!!

Puh.

Nachdem der erste Schreck vorbei war, dachte ich bei mir: Hey, was für eine Chance. Kann doch ganz lustig werden. Ich hatte lang genug an dem Buch („Echt clever! Geniale Erfindungen aus Hessen“) gearbeitet, sodass mir gleich nach dem Telefongespräch mit dem Redakteur eine Menge einfiel, was er in der Sendung bringen könnte. Es ging dabei schließlich nicht um mich, sondern um die klugen Köpfe und ihre Erfindungen, die ich in dem Buch vorstelle. Der Emotionssturm war vorbei, ich wieder auf der Sachebene. Fenster geputzt habe ich trotzdem.

Und dann waren sie da, Freitagmittag, zehn Minuten vor der verabredeten Zeit: der Redakteur, ein Kameramann, ein Tontechniker. Sie schafften ihre Apparaturen hinauf in die Wohnung, liefen umher, checkten den Raum: Wo ist das Licht günstig? Wo platzieren wir die Autorin? Welche Kameraeinstellung?

Während der Redakteur sich mit mir über die Fragen unterhielt, die er mir zu stellen gedachte – ein Probelauf für das Gespräch vor der Kamera –, filmte der Kameramann das Umblättern des Buchs aus den verschiedensten Perspektiven, platzierte Tasse und Milchkännchen davor, die für unscharfe Konturen vor dem Blättern der Seiten sorgten. „Wir machen die Aufnahmen kulturell“, hieß es. Der Tontechniker indessen verbannte alle Uhren aus dem Zimmer ins Bad am anderen Ende des Flurs.

Und irgendwann lief die Kamera, der Redakteur stellte seine Fragen. Ich antwortete darauf, nahm den Inhalt seiner Frage auf, weil nur meine Antworten im Beitrag zu hören sein sollten.

Zweieinhalb Stunden vergingen, ohne dass ich die Zeit mitbekam. Auf einmal waren sie weg, die drei Herren, und ich saß an meinem Tisch, wo das Interview stattgefunden hatte, ließ das alles noch einmal in meinem Kopf vorbeiziehen. Meine Güte! Was hätte ich auf die eine Frage noch antworten können. Und das hatte ich bei der anderen Frage vergessen. Hatte ich auch wirklich die Fragen des Redakteurs so aufgenommen, wie er gebeten hatte?

Eines weiß ich: Nächstes Mal lasse ich mir die Fragen vorher schicken, bereite mich besser darauf vor. Und ich übe, mit weniger „ähs“ zu sprechen.Wieder was gelernt. Was für eine großartige Erfahrung.

Mahalo, Hessenfernsehen!

Ihre und Eure Andrea Gunkler

PS: Der Beitrag über die „Erfindungen aus Hessen“ wird übrigens am 8. März 2018 um 22:45 Uhr in der Sendung „Hauptsache Kultur“ im Hessenfernsehen über den Bildschirm gehen. Und das Buch können Sie, könnt ihr in jeder Buchhandlung kaufen.

Schreibe einen Kommentar