Mit Joan Weng und der roten Tänzerin draußen und drinnen

Lesung im Klanggarten, Bad Mergentheim, 26. August 2022

Nackte Weiber! Nackt bis auf die Haut, mit diesem Satz aus ihrem neuesten Buch „Die rote Tänzerin“ startet Joan Weng die Lesung im zauberhaften Klanggarten in Bad Mergentheim – zuvor hat das Kurorchester schon passend zum Roman Musik der Zwanzigerjahre gespielt.

Jetzt aber geht es los, der Maler Otto Dix sitzt in einer Kaschemme und sucht nach Motiven, wir sitzen im Halbdunkel zwischen den alten Bäumen und lauschen gebannt, aber dann, gerade bei dem Satz  „Vielleicht war es ja gar keine Gefahr, sondern einfach ein großes, wildes Abenteuer.“ unterbricht Joan, steht auf und fragt ins Publikum: „Regnet es?“ „Ja“, kommt sofort als Antwort, und bei aller Abenteuerlust, man möchte dann doch lieber im Trockenen zuhören.

Bei Regen, so hatte der Veranstalter zu Anfang angekündigt, wird die Lesung in der nahen Wandelhalle des Kurhauses fortgesetzt, und so nehmen die zahlreichen Gäste ihre Getränke, und ohne zu murren, fröhlich plaudernd wechselt die ganze Karawane in die Wandelhalle. Sobald die drei Musiker ebenfalls dort eingetroffen sind, die Technik neu fixiert ist, stellt Joan sich einen Stuhl auf die Bühne: „Kann man mich hören?“, hier ein bisschen nachjustieren, da noch ein Tisch hinstellen, Umbaupause zu Ende, es geht wieder nach Berlin.

Vom Regen in die Wandelhalle vertrieben.

Joan Weng liest mit viel Empathie, die Figuren leben durch den Sprachwitz, durch die Beschreibungen und natürlich auch durch die lebendige Vortragsweise der Autorin. Das Kino im Kopf funktioniert bei mir tadellos.

„Das Buch zu schreiben hat mir Spaß gemacht“, sagt die Autorin. Sie hoffe, dass das Publikum auch seine Freude hatte. Ich kann das ohne Wenn und Aber bestätigen. Es hat mir Spaß gemacht, Otto Dix und Anita Berber kennen zu lernen. Das Kolorit der Zwanzigerjahre, das gesellschaftliche Treiben, die Sorgen, das alles hat Joan Weng unterhaltsam zu einem Roman zusammengestellt, der aber jetzt noch zu Ende gelesen werden muss, denn an diesem Abend konnte er natürlich  nicht vollständig vorgetragen werden.

Amos Ruwwe

Teilen: