Joan liest gerade nicht: Mitchell David – Slade House

Mein fast dreijähriger Sohn lernt gerade: Es gibt Dinge, die passen nicht zusammen – das Playmobilmännchen ist für das Legoauto zu groß, und das halbe Krokodilpuzzelteil will sich nicht nahtlos in den halben Kran fügen. Da kann er noch so mit dem Fäustchen draufhämmern und in Wutgeschrei ausbrechen, das Krokodil und der Kran werden in diesem Leben kein stimmiges Ganzes mehr.

Und so ähnlich ist das auch mit Davids Slade House –  beworben als moderner Schauerroman. Modern und Schauerroman, diese zauberhaft nostalgische Literaturform, das kann nichts werden und das wird auch nichts. Dabei fängt der Roman unglaublich stark an: ein kleiner Junge, ein verwunschener Garten, ein verfluchtes Haus, Geistererscheinungen, sich wandelnde Bilder und diabolische Zwillinge. Dann ein Zeit- und ein Perspektivensprung:gleicher Garten, anderer Protagonist. Ein Polizist, er sucht nach dem seit 9 Jahren vermissten Jungen, wird schließlich selbst zum Opfer der dunklen Mächte, die Slade House in ihren Fängen halten. Alles auf sprachlich durchaus gehobenem Niveau und sehr gut zu lesen. Würde der Roman an diesem Punkt enden, es wäre ein brillanter Schauerroman im Stile Poes geworden – nur leider folgen noch drei Kapitel, jetzt kommt nämlich das Moderne. Irgendjemand, vermutlich ein übereifriger Lektor, scheint David eingeredet zu haben, dass der moderne Leser keine Geheimnisse mehr erträgt und offene Enden im Übrigen auch nicht. Also wird da ausgewalzt, erklärt und ausgeleuchtet, bis das letzte bisschen Grusel in einem Harry Potter zu Ehren gereichenden Finale verblubbert. Bei kongenialen Wortschöpfungen wie Seelex, für ein Gift, das die Seele vom Körper trennt, kommt dann zwar noch einmal Grauen auf, aber doch eher unfreiwillig.

Schade um die gute Idee.

Ihre Joan Weng