Veröffentlichungen

Richter Di – der erste Detektiv?

Die Gelehrten streiten sich ja darüber, wann und von wem der Kriminalroman erfunden wurde. Einig sind sich fast alle darin, dass die Entstehung im 19. Jahrhundert mit der Erfindung der Detektivgeschichte zu verorten ist. Tatsächlich greift man damit viel zu kurz. Schon die Chinesen kannten dieses Genre. Der Sinologe Robert van Gulik übersetzte im Jahr 1949 einen klassischen chinesischen Kriminalroman des anonymen Autors Dee Gong: »Di-gung-tschi-an« zunächst ins Englische. Die deutsche Ausgabe erschien 1960 beim Verlag Die Waage Zürich unter dem Titel »Merkwürdige Kriminalfälle des Richters Di«. Später erschienen die Romane beim Diogenes Verlag. (mehr …)

Il faut, que je lise

Kennen Sie Inspecteur Cliquot? Den besten Ermittler von ganz Paris? Nein? Also das ist kein Grund, sich zu schämen, denn da sind Sie vermutlich in bester Gesellschaft mit dem Rest der Bundesrepublik – zumindest dem Rest, der entweder schon fließend Französisch spricht oder keinerlei Ambitionen in dieser Richtung hegt. Inspecteur Cliqout ist der Held einer Reihe von französischsprachigen Lernkrimis, deren einziger Sinn im Grunde darin liegt, möglichst viele Vokabeln an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Die Fälle sind ennuyeux und trés prévisible, aber Monsieur l‘Inspectuer ist dabei ein so netter, angenehm skurriler Ermittler, dass ich mir mit meinen C1-Kenntnissen inzwischen auch die A2-Übungshefte mit ihm gekauft habe, einfach, weil ich ihn so sympathisch finde. Da sehen Sie mal, wozu einen diese faszinierenden Ermittler treiben … In der kommenden Sonntagsserie wollen wir Ihnen nun fernab von Sherlock Holmes und Hercule Poirot unsere liebsten Krimihelden und ihre besten Fälle vorstellen. Und vielleicht auch ein bisschen darüber plaudern, warum wir gerade diese Ermittler so mögen. Seien Sie gespannt.

Viel Spaß beim Lesen wünschen Ihnen

Joan Weng & das gesamte Blogteam

Der englische »Sir« an der Tauber

Die Wetter-App zeigte eine Regenneigung von 40 % an. Es war schwül draußen, der Himmel wolkenverhangen mit Lücken, die Blau durchließen. Für diesen aprilhaften Mai das passende Wetter. Weiter drinnen zu hocken hatte ich keine Lust, also schnappte ich mir die Kamera und fuhr nach Gamburg. Es gäbe dort das Grab eines Engländers, hatte man mir erzählt. Weil ich nicht mit Regen rechnete, stellte ich das Auto kurz hinter der Brücke an der Tauber ab. Ich schaute nach, ob sich der Wassergeist Hokemo unter der Brücke sehen ließ, aber es war wohl heute kein Wetter für ihn. Nur eine Gans kam auf mich zu geschwommen und meckerte mich an. Gut, wenn ich hier nicht erwünscht war, konnte ich auch gleich wieder gehen. (mehr …)

Ruhrgebietsdeutsch III

Die Sprache des Ruhrgebietlers ist überaus facettenreich und benötigt daher auch eine erweiterte Grammatik. So verwendet man im Ruhrgebiet selbstverständlich auch einen Vokativ: „Ey Rotzigen“. Ob es sich bei dem „ey“ um ein Vokativpronomen oder um einen Vokativartikel handelt, ist jedoch in der Fachwelt umstritten.

Allerdings ist das „ey“ in der Formulierung „Boh ey“ eher als Interjektionsadverb zu verstehen. Es verstärkt in diesem Fall durchaus die Interjektion des Erstaunens „Boh“: (mehr …)

Ruhrgebietsdeutsch II

Der Ruhrgebietler ist Internationalist. Warum? Er entlehnt die Benutzung des Artikels eher dem Englischen und vermeidet so die komplizierte Zuordnung des richtigen grammatischen Geschlechts.

„Ich gebe dem Jungen die Zeitung“, formuliert der des Hochdeutschen Kundige. Der Ruhrgebietler benutzt oft – wie im Englischen – einen Artikel für alle drei Geschlechter: „Ich gibb de Jung de Zeitung.“

Das funktioniert selbstverständlich auch mit dem unbestimmten Artikel „ein, eine“:

„Ich gibb de Junge `ne Zeitung“, allerdings auch mit der Variante „Ich geb de Jung `ne Appel.“ Es ist also egal, ob es die Zeitung oder der Apfel ist, der Ruhrgebietsartikel lautet in der Regel de und ‘ne.

Wie variantenreich das Ruhrgebietsdeutsche ist, zeigt sich beim letzten Beispiel: „Ich geb de Jung `ne Appel.“ natürlich mit der alternativen Formulierung „Ich geb de Jung `n Appel.“ (mehr …)

Ruhrgebietsdeutsch I*

Im Ruhrgebiet über Sprache und Sprachförderung zu sprechen, führt zwangsläufig auch zu einer genaueren Betrachtung des lokalen Idioms oder – um es deutlicher zu sagen – zu einer Betrachtung der Ruhrgebietssprache.

Hier gelten selbstverständlich vollkommen andere Regeln als im Hochdeutschen, egal, ob es um die Benutzung der Zeiten oder einzelner Wortarten geht. (mehr …)

Lesen Sie nichts Neues im Urlaub!

Belasten Sie sich nicht damit, irgendetwas von dem zu lesen, wovon alle Welt spricht, die Feuilletons voll sind, oder Bücher, über die das literarische Quartett schwafelt. Sie müssen nichts  Aktuelles gelesen haben, schon gar nicht von den Büchern diverser Bestenlisten, von denen behauptet wird, dass man sie gelesen haben muss. Muss man nicht! (mehr …)

Der entmannte Prometheus

Meine  Eltern haben vor kurzem aktuell geerbt – alles Mögliche, unter anderem die Kosten für das Gnadenbrot eines uralten, aber sehr gefräßigen Pferdes, 276 Wollknäule in den Modefarben der 80er Jahre und eine kleine Bronzestatue. Die Statue ist ungefähr zwei Handteller groß und zeigt, wie der Auktionator meinen Eltern mitteilte, Prometheus. Zur großen Freude meiner Eltern sollte Prometheus tatsächlich etwas wert sein – vielleicht sogar genug, um die Kosten für das verfressene und ständig kränkelnde Pferd zu decken. (mehr …)

Fingerfood

Ich befinde mich jetzt seit gut einer Woche im Ferienmodus, schlafe jeden Tag mindestens acht Stunden, nehme mir alle Zeit, die ich brauche, um langsam in den Tag zu kommen – etwa zwei Stunden –, und stürze mich dann kopfüber in den Haufen Bücher, den ich bereits Wochen vorher ins Regal geschichtet hatte. Ferienzeit ist Schreibzeit. Und Lesezeit. (mehr …)

„Wenn ich meiner Frau einen Krimi empfehle, dient er mir als Entschuldigung, wieso ich in den letzten Tagen den Geschirrspüler nicht ausgeräumt habe“

Stefan Schulz

Joan Weng im Gespräch mit Stefan Schulz, dem Putlitzerpreisträger 2016

Stefan Schulz wurde 1970 in Jena geboren. Schon als Kind war er Mitglied in der schulischen Arbeitsgemeinschaft »Junge Autoren«, doch geriet die Leidenschaft für das Schreiben dann neben Broterwerb und Musikbegeisterung für einige Jahre ins Hintertreffen. Erst nachdem sein Sohn das Haus verlassen hatte, widmete er sich wieder dem Schreiben – mit einigem Erfolg. 2015 bekam er bei einem Literaturwettbewerb einen Anerkennungspreis für seine Kurzgeschichte »Puderzucker«, 2016 errang er nun mit seiner Geschichte »Burka« den ersten Platz beim Putlitzer Preis. Aktuell arbeitet er an seinem Debütroman. (mehr …)