Ich lese gerade: Mario Vargas Llosa „Tante Julia und der Kunstschreiber“

Meine Mutter liest gerne – besonders so anspruchsvolle Werke wie „Weihnachtsküsschen mit Schwips“, „Saturn steht auf Liebe“ oder, mein persönlicher Favorit, „Freche Engel küsst man(n) nicht“. Haben Sie das n in den Klammern gesehen? Da erkennt man (ohne zweites n) doch gleich schon am Cover, was  für eine frech humorige Schmunzelorgie da lauert.

Folglich war ich ein wenig zurückhaltend, als sie mir neulich einen sehr betagt wirkenden Roman aufdrängte: „Tante Julia und der Kunstschreiber“. (mehr …)

Lieblingsschurken: Long John Silver

„A Hund is’ er scho’!“ – Hier in Bayern gilt dieses Urteil Prominenten, deren trickreiches Wirken wir gleichzeitig verurteilen und bewundern. Schlawiner-Schurken. Männern. Dem Fußballmanager, der Milliarden verzockt, seine Strafe absitzt und zum Verein zurückkehrt. Dem Kaiser, dem wir selbstverständlich zugestehen, dass er seinen Spielraum als Monarch maximal ausnutzt. Manchem Politiker. Beileibe nicht jedem. Und ab und zu dem Pfarrer. (mehr …)

Ich lese gerade: Sebastien Perez, Benjamin Lacombe – Kleine Katzenkunde

„Katze!“, das war das zweite Wort unseres Söhnchens und ich glaube, das war kein Zufall. Wir sind beide ausgemachte Katzennarren und demnach lesen wir natürlich auch besonders gern Bücher über Katzen. Es ist nur nicht immer ganz einfach, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, denn während sich die Ansprüche meines Sohnes auf Bilder von Katzen beschränken, hätte ich doch bitte gern keine allzu hirnerweichende Handlung, ich werde das Buch schließlich die nächsten Wochen vorlesen. Mit „Kleine Katzenkunde“ sind wir aktuell beide hoch zufrieden.

Die Erzählungssammlung von Sebastien Perez enthält je eine Seite Text, der sich eindeutig an Erwachsene richtet und auf pointierte Weise eine Katzenrasse vorstellt, sowie und eine von Lacombe gewohnt umwerfend schön illustrierte Seite. Überhaupt ist das Buch, was Papierqualität und Haptik angeht, ein Hochgenuss. Mehr lässt sich leider dazu gar nicht sagen, man muss es sehen, weshalb ich nun auf alle weiteren Erklärungen verzichte und ein paar Bilder zeigen möchte.

Ihre begeisterte Joan Weng

Lieblingsschurken: Iwan Ogareff

Ich glaube ja, wir Frauen lesen nur deshalb so gern über die männlichen Schurken, weil wir insgeheim an das Gute in ihnen glauben wollen. Wir sind innerlich felsenfest davon überzeugt, dass, wären sie nur uns begegnet, wir sie hätten zähmen können. Wir hätten sie in einem Maße geliebt und verstanden, die gleichgültige Welt hätte irgendwann einfach nicht anders gekonnt, als ebenso zu empfinden.

Die Zigeunerin Sangarre in Jules Vernes „Der Kurier des Zaren“ scheint diesen Optimismus mit mir zu teilen, denn sie liebt den finsteren Iwan Ogareff, Gegenspieler des Romanhelden, des Offiziers Michael Strogoff. (mehr …)

Lieblingsschurken: Billy

Bitte bleiben Sie ganz entspannt, wenn es bei Ihnen klingelt und mein Lieblingsschurke Billy vor der Tür steht. Wahrscheinlich ist das Ganze ein Irrtum, der im Nu aufgeklärt ist, und hinterher lachen Sie beide drüber.

Wirklich, Sie haben nichts zu befürchten. Denn Sie haben ja niemanden ermordet, nicht wahr? Sie haben keine Rechnung mit jemandem offen, dem sie das Liebste genommen haben. Die Frau, den Bruder, das Kind.

Oh.

Haben Sie doch.

Okay. Dann ist das jetzt etwas.

Blöd. (mehr …)

Schurkische Schurken und fatale Femmes fatales

Der Schurke oder Neudeutsch „bad boy“ soll sich bei der holden Weiblichkeit großer Beliebtheit erfreuen – zumindest heißt es das immer. Ich persönlich gestehe, dass ich mich im zarten Alter von elf Jahren in dem Moment in einen gleichaltrigen Jungen verliebte, in dem er mir erzählte, er wolle später Beamter werden. Für mich, die ich aus liebevollem, aber chaotischen Elternhaus stamme, übte eine Beamtenkarriere ungeheuren Reiz aus, und noch mit sechzehn mochte ich an meinem damaligen Freund am liebsten, dass er sonntags stets auf Wettkämpfe musste und deshalb samstags nie lange fort konnte.

Dennoch habe natürlich auch ich eine Schwäche für schurkische Kerle, solange sie sich zwischen zwei Buchdeckeln befinden, und da es zumindest dem Blogteam ähnlich geht, haben wir den Finsterlingen und Femmes fatales die neueSonntagsserie gewidmet, die morgen beginnt.

Viel Spaß beim Lesen wünschen

Joan Weng und das gesamte Blogteam

„Du bist so nett, überhaupt nicht fett, schlanker noch als manches Brett, ein Sonett, ein Sonett.“

(Verfasser des obigen Reims möchte anonym bleiben)

„Wenn jeder, der Gedichte schreibt, sie auch kaufen würde, gäbe es einen deutlich größeren Markt dafür“ – das sagte vor einiger Zeit ein Verleger zu mir und fügte noch leise hinzu: „Wenn all diese potentiellen Käufer die Gedichtbände dann sogar noch lesen würden, gäbe es vielleicht auch deutlich weniger miese Verse.“ (mehr …)

Endlich wieder in Leipzig

Ein Gastbeitrag von Diana Hillebrand

Ankunft Messefreitag in Leipzig Hauptbahnhof um 12:10 Uhr. Diesmal habe ich einen lieben Freund dabei. Wir kennen uns schon lange, hatten vor einer gefühlten Ewigkeit gemeinsam in München unsere ersten Schreibversuche gestartet.

Er zum ersten Mal. Ich empfehle eine Bratwurst, um unsere Ankunft zu feiern. Ich esse immer eine Bratwurst, wenn ich in Leipzig am Hauptbahnhof ankomme. Es gibt Thüringer Bratwurst, die schmeckt auch in Sachsen. (mehr …)

Literaturzeitschriften: Mauerläufer

Als ich ein Kind war, besuchte meine Oma uns jeden Donnerstag, und jeden Donnerstag brachte sie mir die neue Micky Maus mit. Nie werde ich vergessen, mit welcher Begeisterung ich diese bunten Heftchen aufschlug, wahllos irgendwo, und einfach anfing zu schmökern. Es war ganz egal, was ich zuerst las, es war ja alles großartig. Jede Geschichte für sich ein Highlight und etwas ganz Besonderes – zumindest für mich als zehnjähriges Mädchen. Vermutlich würde ich heute angesichts der Micky Maus nicht mehr in derartige Verzückung geraten, aber dennoch durfte ich sie dieser Tage wieder erleben. Mir wurde nämlich der aktuelle „Mauerläufer“ zugeschickt und dieses kleine „Jahresheft für Literatur und Kunst“ ist ein bisschen so etwas wie ein Micky-Maus-Heft für literaturbegeisterte Erwachsene. (mehr …)