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Spuk im Biergarten

.Biergärten sind ja bekanntlich unglaublich inspirierend – ich weiß persönlich zwar auch nicht, warum, aber vermutlich ist das eben einfach eine Tatsache? Ein unverrückbarer, nicht länger der Prüfung benötigender Fakt, wie der Umstand, dass mein jüngster Sohn immer – IMMER – das kleinste Stück Kuchen bekommt? Oder dass Toast grundsätzlich auf die Butterseite fällt, außer wenn auf die andere Seite Honig geschmiert wurde, dann klatscht er auf die klebrigere … Aber um zum Thema zurückzukommen, mir persönlich ist noch in keinem Biergarten irgendetwas Inspirierendes oder auch nur Spannendes passiert – und eigentlich plante ich darüber ein paar heitere Worte zu Papier zu bringen, doch dann geschah Schreckliches. Geradezu Grauenerregendes!

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Der Irrsinn hat einen Wert – 137

Ein Roadmovie durch die Psychopathologien des Lebens

Die 42 ist die Antwort auf die endgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Eine 42erAutorin hat das in Fleisch und Blut – den Wahn-Sinn. Eine andere Zahl soll dasselbe können – zum Sinn des Lebens führen. Und auch zum Wahn-Sinn. An der Novelle „Das Geheimnis der 137“ von Markus Becker konnte ich deshalb nicht vorbeigehen. Ein Trip durch die Irrealitäten einer Psychiatrie und einer Stadt, der den eigenen Verstand auf die Probe stellt und doch auf einem echten physikalischen Mysterium basiert.

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Schreibkurs im Biergarten

Im letzten Jahr musste ich mit einigen Kollegen (ja, Kollegen! Ich war die einzige Frau) dienstlich nach München zu einer Fachtagung. Da wir am Anreisetag „frei“ hatten, machten wir eine Runde durch den Englischen Garten und setzten uns in den Biergarten am Seehaus, der durch die frisch belaubten Bäume angenehm beschattet war.

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Putzen, bis das Einhorn spricht

„Mama, erzählst du uns ein Märchen? Aber bitte sofort! Und mit Drachen.“
„Nein! Mit einem sprechenden Waschbären mit Glitzernase!“
„Der soll aber böse sein. Aber trotzdem irgendwie lieb.“
Und der Älteste ergänzt sachlich: „Ein Opfer-Täter“

Klar. Kein Problem.
Ich bin Mutter. Ich bin Tante. Und obendrein bin ich Autorin. Was bedeutet: Ich bin offiziell zuständig für Verpflegung, Pflaster, glaubhafte Begeisterungsausbrüche über seltsam geformte Steine, Vesperbox-Inhalte (bitte plastikfrei!) und dramaturgisch hochwertige Ad-hoc-Geschichten.
Selbstverständlich jederzeit abrufbereit. Auch morgens beim Zähneputzen. Oder während ich versuche herauszufinden, was dieses grünliche Ding im Kühlschrank früher mal gewesen sein könnte. Oder was das Finanzamt da eigentlich genau von mir will – und wenn ich es falsch beantworte, bin ich dann etwa eine Steuersünderin? Unwissentlich?

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Makrobiotik im Biergarten

Alois: Zwoa Moaß?

Maxl: Na, für mi a Wasser.

A: Deifi! Auf Diät?

M: Na, aber ma Liesl wui, dass i mi etzt makrobiotisch ernähr.

A: Is des was Vegetarisch?

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Der mutmaßlich kleinste Biergarten der westlichen Welt

Im Ruhrgebiet genügt es, vier bis sechs Tische vor ein Lokal oder aber in dessen kleinem Hinterhof aufzustellen, um dieses Arrangement „Biergarten“ zu nennen. Es nimmt also nicht wunder, dass Menschen, die in Bayern beheimatet sind, sich in der Regel angesichts einer solchen Hochstapelei vor Lachen biegen.

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Spione rund um den Biergarten?

Neulich, da saß ich am Laptop, der eine unangenehme Wärme verbreitete und hinter mir blies der Ventilator die Notizzettel vom Tisch.

Gefrustet starrte ich auf die leere Seite auf dem Bildschirm. Ich hatte mir vorgenommen, eine gewisse Anzahl von Zeichen zu tippen, damit meine neue Romanidee endlich vorankäme. Doch die Seite blieb leer.

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Ruth unter den Rosen

Ich habe einen braunen Daumen. Den Grünen vererbte meine Tante meiner Schwester. Aber sie gab mir Rat und Pflanzen aus dem eigenen Garten, damals, als ich noch in dem maroden Zechenhaus wohnte, zu dem ein Stück „Grabeland“ gehörte. Spieren, Steinnelken, Aronstab und Phlox, denn es gab sonnige bis schattige Plätzchen. Doch außer den Steinnelken gedieh nur der Giersch.

Schon längst habe ich das zugige Zechenhaus mit dem Grabeland verlassen, bin seitdem Balkonmensch. Bis vor kurzem Südbalkon, neuerdings Nord-West-Ausrichtung. Ohne den Rat meiner Tante ist alles Grüne und Blühende zu einem frühen Tod verurteilt. Aber Rat kann ich mir seit Jahren nicht mehr von ihr holen; bevor sie starb, gab meine Tante sich dem Vergessen hin, selbst an Rilkes Gedichte erinnerte sie sich zum Schluss nicht mehr. Also frage ich P., meine Schwägerin. Auch sie hat einen grünen Daumen. Von wem sie den geerbt hat? „Von mir hat meine Tochter den nicht“, hat Ruth immer gesagt.

Ich habe P. unlängst besucht. Ihr Garten blüht mit dem meiner Schwester um die Wette und jedes Mal, wenn ich P. besuche, ist da etwas Neues. Ein Hochbeet, weil „die Hortensien ertrinken mir sonst, wegen des Tiefs[1] dort unten“.

Hortensien. Dazu hat sie mir auch geraten, denn die mögen den Schatten. „Nein, keine blauen“, meinte sie. „Da müsstest Du nächstes Jahr mit Spezialdünger ran, sonst werden die rosa. Nimm also am besten gleich rosa Hortensien“. Aber blaue mag ich viel lieber, mault es in mir. Vielleicht liegt es daran, dass ich Rilkes „Blaue Hortensie“, auch lieber mag als seine „Rosa Hortensie“?

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Die beiden Hortensien-Gedichte hat mir meine Tante beigebracht.

„Es gibt da spezielle Züchtungen, die nicht so empfindlich sind, was das Schneiden anbelangt. Nimm auf keine Fall Bauernhortensien, sondern Rispenhortensien, die kann man radikaler zurückschneiden“, reißt P. mich von Rilke weg.

Wir schlendern weiter zu den Rosen und erinnern uns, wie gerne Ruth, hier immer saß. Als der Februar ihr vor zwei Jahren zu lang wurde, sagte sie: „Wie freue ich mich auf den Frühling und den Sommer! Wenn P. mich dann holt, mit mir ans Meer fährt, und nachmittags trinken wir Kaffee in ihrem schönen, schönen Garten!“ Der Frühling kam, aber Ruth ging.

Wieder ist es Sommer und die Rosen blühen und duften und rufen uns: Es Zeit, bei ihnen zusammenzusitzen, Ruth ganz nah, deren Asche wir hier unter den geliebten Rosenbüschen, begraben haben.[2]

Ihre Paula Lankow


[1] Auch niederdeutsch Deep: Fließendes Gewässer zum Meer hin, dessen Sohle unter dem mittleren Meeresspiegel liegt.

[2] In bestimmten Gegenden möglich.

Keine Orks bei den Geranien

Es begann, wie so vieles in meinem Leben, mit einem harmlosen Blick in den Garten. Genauer gesagt: auf meine kümmerlichen Geranien. Die hatten bei meinem Vater im Keller überwintert, aber nun waren sie wieder da. Tendenziell anklagend standen sie auf dem Fußabtreter, zwischen dreckigen Gummistiefeln, einem leeren, aber nicht sauberen Futternapf und einer dort irgendwie gestrandeten Laterne. Es war eigentlich ein schönes Bild, man hätte vielleicht einen tragischen Roman damit beginnen können, so einen hoffnungslosen? Im Hardcover, mit lobender Kritik in der SZ?

Bevor ich jedoch weiter darüber nachdenken konnte, erschien mein Jüngster. Der ist inzwischen auch schon sechs, was mich zu einer ganzen Reihe tragischer Betrachtungen zum Verstreichen der Zeit und dem Altern hätte inspirieren können, aber auch dafür fehlte mir eben die Zeit, denn natürlich schwieg er nicht, sondern verkündete strahlend: „Erzählst du mir eine Geschichte? Über Wichtel. Und Feen. Und dass sie sich streiten. Und dass dann ein Zauber passiert. “

Diese großen Augen und diese unerschütterliche Überzeugung, dass seine Mutter jederzeit bereit sei für irgendwas mit Magie.

„Und es soll spannend sein!“

Natürlich, dafür bin ich schließlich Autorin.

„Und ein Riese soll auch vorkommen! Riesen sind cool!“

Immer, immer! Wenn es etwas gibt, dass ich liebe, dann sind es Auftragsarbeiten mit ganz genauen Vorgaben.

„Und mindestens so gut, wie die Geschichte mit den Gnomen gestern. Aber trotzdem anders, deine Geschichten sind oft ein bisschen ähnlich. Das ist langweilig.“

Das wurde ja immer besser – ich fühlte mich schon wie beim Lesen einer Amazon-Rezension mit der Überschrift:  Joan Weng wiederholt sich – 2 Sterne!

Aber ich kenne meinen Sohn, der ist hartnäckig, also griff ich nach der roten Bastelschere, die zufällig am Rand des Futterschüssel-Gummistiefel-Laternen Stilllebens lag und begann versuchsweise, die vertrockneten Blütenreste von meinen Geranien zu schneiden und nebenher erzählte ich: „Es war einmal ein kleiner Wichtel namens Fips, der in einem alten Blumentopf wohnte…“ – Schnapp, schnapp der erste Geranientopf war schon fertig. Sah richtig gut aus! Mich packte der Ehrgeiz, gleich die nächste. Und frische Erde könnte ich auch drauf tun. Nebenher fabulierte ich munter weiter: „… und Fips hatte ein Geheimnis, das niemand kannte, nicht einmal die Sonnenfee mit den glitzernden Flügeln …“

„Was für ein Geheimnis?“

„Das erzähl ich dir gleich, wenn du mir schnell an der Tonne die Gießkanne füllst?“

Motivation ist alles. Wie ein Wasser schwappendes Blitzchen war mein Sohn zurück, während ich versuchte, möglichst elegant die matschige Erde von meinen Fingern zu schütteln. (Spoiler: Es gelang mir nicht.)

So ging es den ganzen Nachmittag weiter: Ich buddelte, ich pflanzte, ich fegte sogar den Hof, mein Sohn hörte zu, die Größeren kamen dazu, halfen gnädig auch mit, verschwanden dann wieder – sie stehen längst über Geschichten mit freundlichen Wichteln, wenn nicht wenigstens ein Ork und ein nach Moder und Verzweiflung riechender Kerker vorkommt, gibt es keine 5 Sterne für die mütterliche/ tantliche Erzählung.

Wichtel Fips aber bekam Streit mit der Fee (wegen zu viel Glitzer im Blumentopf), ein geheimnisvoller Samen verwandelte sich in eine singende Blume – und gerade als ich enthüllen wollte, was diese Blumen mit ihrer Zauberstimme sang, da begann es zu regnen. Wir sind dann reingegangen und haben Tee getrunken, unter Zurücklassung eines neuen Stilllebens vor der Tür, einem mit Schäufelchen und Erde. Vielleicht mache ich das ja morgen weg, wenn die Fortsetzung folgt? Vielleicht sogar eine mit Orks – aber das mache ich vom Publikum abhängig.

Joan Weng

Ans Herz gegriffen – 20 Jahre Putlitzer Preis – Preisverleihung am 14.6. – Teil 2

Freitag, der 13. scheint herüberzuschwappen auf Samstag, den 14. Mittags erreicht uns die Nachricht der nächsten Preisträgerin (Platz 6): „Es könnte knapp werden. Wir stehen hier mit dem Zug bei Spandau und kommen wegen eines Böschungsbrandes nicht weiter.“

Wir? Was heißt hier „wir“? Sie wollte doch ohne Begleitung kommen. „Wir“ heißt: Platz 2 sitzt ihr gegenüber. Das heißt auch: Wenn alle Stricke reißen, wird nur eine Preisträgerin von sechs dabei sein?! Aber nein, nur Minuten später, Anruf von Platz 5: „Ja, ich weiß nicht, wir werden vermutlich direkt zur Kirche kommen müssen. Wir stehen mit dem Zug bei Lichterfelde. Es gab hier einen Unfall.“

Eine Stunde später, Platz 6: „Also einen Zug haben wir verpasst, aber um 16:19 Uhr sollen wir jetzt in Pritzwalk ankommen.“ (Hallelujah!)

Zwei Stunden später, Platz 5: „Wir stehen immer noch. Kommen wohl zu spät.“

Zur gleichen Zeit: Moderatorenteam Claudia und Tom sowie Vorstandsdelegation Jo und Uli brechen zusammen mit 30 Schokogänsen (die die Ankunft und ihren Auftritt tatsächlich heil erleben) Richtung Kirche auf. Platz 6 und Platz 2 mit Begleitung werden von Holger vom Bahnhof abgeholt. Es wird sich frisch gemacht, neue Fahrgemeinschaften werden gebildet. Man bricht auf nach Putlitz.

Endlich: Fanfaren erschallen, Trommeln werden geschlagen.

Mitten hinein klingelt das Telefon: Platz 5, also Caren Ohrhallinger, das sei jetzt schon verraten, meldet sich: „Also da kam gerade die Durchsage: Der Zug fährt jetzt zurück nach Hamburg …“ Bitter, bitter für alle, insbesondere aber für die Wienerin und ihre Begleitung, die sich extra auf den weiten Weg Richtung Putlitz gemacht haben. Der Kurzurlaub, den sie aber, wie geplant, dann doch noch in Brandenburg und Berlin verbringen konnten, mag vielleicht ein bisschen entschädigt haben, aber etwas Wichtiges dürfte gefehlt haben.

Das letzte Echo von Pauken und Fanfaren schwebt noch über dem Platz, als die Würden- und die Preisträger sowie die Gäste in die Kirche einziehen. Schon stehen vorne Claudia Kociucki und Tom Liehr und begrüßen die Menge. Sie werden durch den Abend führen.

Den Auftakt macht Emma Wielgosz am Flügel mit einem von insgesamt drei Tänzen im bulgarischen Rhythmus von Béla Bartók. Die anspruchsvollen Stücke meistert sie mit einer beeindruckenden Virtuosität! Während Tom an der korrekten (ungarischen) Aussprache des Namens Bela scheitert.

Anders als bei früheren Jubiläuen, bei denen man das Publikum mit Nachrichten zu der jeweiligen Jubiläumszahl versorgte, versuchen es Claudia und Tom dieses Mal mit Fake-News und Fake-Buchtiteln, wie „20 Jahre Einsamkeit“. Aber die beiden verlieren nicht viel Zeit und leiten auch gleich über zur Würdigung des 6. Platzes, den Anna Rotele belegt. Bereits zum dritten Mal in Folge schafft sie unter die besten Sechs, dieses Jahr aber kann sie endlich ihre Urkunde persönlich in Empfang nehmen.

Prämiert wird ihr Text „Die Seegurke ist der Staubsauger der Meere“. Nein, das ist keine biologische Abhandlung über ein Tier, das wie ein Gemüse heißt, sondern über die erste Party der Protagonistin, vorgelesen von Laura Schulz. Wie jedes Jahr lesen Schülerinnen und Schüler des Johann-Wolfgang-von-Goethe-Gymnasiums in Pritzwalk die Siegertexte vor.

Den 5. Platz belegt Caren Ohrhallinger mit ihrem Text „Konrad“, sitzt aber irgendwo abgestellt in einem zum Stillstand gebrachten Zug, während nun Kim-Sophie Schmedemann die bedrückende Geschichte um eine Mutter vorliest, die an den erfolglosen Versuchen, zu ihrem Sohn vorzudringen, verzweifeln muss.

Anschließend tritt wieder Laura Schulz ans Mikrophon, um den Text „Achillesferse“ von Sarah Buck zu lesen. Die Preisträgerin hatte ja kurzfristig ihren Besuch absagen müssen – wir erinnern uns: Freitag der 13.! Mit einem Telefongespräch zwischen Mutter und Tochter – die Mutter weint, trinkt, lallt, die Tochter kratzt mit dem Fingernagel am Lack des Fußbodens und an der Ferse – hat Sarah Buck die Hauptjury überzeugt und Platz 4 belegt.

Wer im Publikum jetzt noch nicht gefangen ist, wird es gleich sein. Denn Nora Mittermeier setzt sich an den Flügel, und Farah Alfares greift zum Mikrophon. „Je suis malade“ (von Lara Fabian) singt sie. Ihre Stimme lässt alles verstummen, rührt Herzen, macht glücklich trotz all der Dramatik des wahnsinnigen Crescendos am Ende des Liedes. Selbst Tom, der Moderator, bringt zunächst einmal nur ein „Wow“ über die Lippen.

Aber das Leben und insbesondere die Preisverleihung müssen ja weitergehen. Leider kann auch Thorsten Dörp nicht dabei sein, wohl aber sein Text „Sommerbruch“, den Leonie Freier vorliest. Denkt der junge Protagonist noch, als er mit seinen Eltern die Reise nach Italien antritt, die Katastrophe liege im Ende der Liebe Maries zu ihm, muss er nur zu schnell erfahren, dass das wirklich, wirklich Schlimme in Italien lauert.

Später wird Thorsten Dörp angerufen und die Trophäe, eine Gans, dick verpackt samt Urkunde per Post auf die Reise geschickt.

Das ist beim nächsten Preisträger nicht nötig. Denn wie Anna Rotele, hat es schließlich auch Christoph Hein in nahezu letzter Minute geschafft.

Er kann seine Gans mit dem Kettchen „Platz 2 2025“ persönlich in Empfang nehmen, nachdem Pepe Wachshofer den Text „Entlang der Narbe“ gelesen hat „als sei er selbst der Junge aus dem Text“, um einen der Anwesenden zu zitieren. Verstohlen (oder auch ganz unverstohlen) wird sich hier und da ein Tränchen aus dem einen oder anderen Auge gewischt.

Und dann … die Preisträgerin, die Siegerin, die Erstplatzierte Özge Inan, ausgerechnet sie ist nicht da. Trotzdem können alle an ihrer Freude teilhaben, denn Claudia Kociucki greift kurzerhand zum Telefon. „Oh, mein Gott! Oh, mein Gott“ erklingt der Jubel aus dem Lautsprecher.

Anschließend hören wir den Siegertext „Papahydra“, gelesen von Nele Harz. Drei werdende Väter sitzen im Wartebereich vor den Kreißsälen, heben gleichzeitig den Kopf, wenn die Hebamme hereintritt. Sprechen über die Gemeinsamkeiten, die Zukunft als Väter … und es wächst eine Angst: Was, wenn dann doch etwas Unaussprechliches passiert? – Und wie schmeckt eigentlich Twix Salted Caramel?

Und dann setzt Nora Mittermaier sich wieder an den Flügel und begleitet Farah Alfares, die ihr eigenes Lied „From Afar“ singt. Behutsam, eindringlich, zum Ende hin dieses Mal kein Crescendo, die Sängerin lässt das Mikro sinken und dimmt dann noch ihre Stimme, immer leiser klingt es „from afar“. Und wieder dieses vermaledeite Staubkorn im Auge.

Claudias und Toms Job ist fast getan, nun ist es Jo, der allen dankt: Anwesenden für ihr Anwesend-Sein, den Musikerinnen, dem Vorleser und den Vorleserinnen, all den fleißigen Helferinnen und Helfern in Putlitz, der Gemeinde, dem Bürgermeister, der anwesenden Familie des Schirmherrn Moritz Gans Edler zu Putlitz. Uli überreicht die Schokogänse, von der keine geschmolzen ist. Und fast könnte man jetzt gehen, aber noch einmal erklingt Farah Alfares Stimme – a capella jetzt – mit einem Lied aus der libanesischen Heimat der Sängerin, „Kan ena Tahoun“ von Faruz. Schmeichelnd, wehmütig, einfach unglaublich schön.

„Verzaubernd“, bringt es schließlich Christoph Hein, der Zweitplatzierte auf den Punkt. Überhaupt, er sei von der ganzen Veranstaltung verzaubert. Der Dank gebührt auch ihm und den anderen Preisträgerinnen und Preisträgern für die Texte, den Schülerinnen und dem Schüler fürs Vorlesen und den Musikerinnen. Ach ja: und Claudia und Tom. Danke, danke, danke!

sagt Paula Lankow